Klug gewählt, gut verdient

Was verdient man nach dem Abschluss? In der Studienwahl ist diese Frage für viele zweitrangig. Doch mancher wird sich wundern, wie groß die Spanne zwischen den Einstiegsgehältern ist. Ein Überblick.

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Vielleicht hat der junge Mann nichts Gewinnbringendes studiert. Womöglich Literaturwissenschaft.  Foto: 

"Geld ist mir nicht so wichtig": So denken viele Erstsemester. Beim Berufseinstieg staunt mancher dann nicht schlecht, dass der Schulfreund in seinem Job ein Drittel mehr verdient. Plötzlich ist Geld doch wichtig. Wenn sie sich für ein Studium entscheiden, zählen für viele junge Menschen vor allem ihre Neigungen und Interessen, sagt Kolja Briedis, Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).

Doch was wäre, wenn Studienwillige sich nur an den Verdienstmöglichkeiten orientieren würden? Dann sollten sie sich für ein Studium der Ingenieurwissenschaften, Medizin oder für Naturwissenschaften entscheiden, rät Kerstin Koose. Sie ist Beraterin bei der Gehaltsdatenbank Personalmarkt. So kommen Absolventen der Ingenieurwissenschaften im Durchschnitt auf rund 51 000 Euro brutto pro Jahr, Mediziner auf 50 000 und Naturwissenschaftler auf rund 49 000 Euro Einstiegsgehalt.

Juristen können ebenfalls mit hohen Einstiegsgehältern rechnen, so lange sie nicht in einer sehr kleinen Firma oder Kanzlei anfangen. Für Jura-Absolventen ist die Note entscheidend, erläutert Briedis: "Mit einem Prädikatsexamen kann man in den Staatsdienst oder in die großen Kanzleien mit entsprechenden Karrieremöglichkeiten einsteigen."

Wer mit einem durchschnittlichen oder unterdurchschnittlichen Examen abschließt, hat diese Möglichkeit nicht. Viele entscheiden sich dann für die Selbstständigkeit oder den Einstieg in ein Unternehmen. Da zähle eher die Funktion als die Studienrichtung über das Einstiegsgehalt.

Informatik und Mathematik seien ebenfalls erfolgsversprechende Studiengänge, sagt Koose: "Der Bedarf an Informatikern ist sehr hoch und der Studienabschluss oft weniger ausschlaggebend als spezielle Programmierkenntnisse." Lohnenswert ist auch ein Doktortitel. Briedis zufolge verdienen Promovierte in fast allen Bereichen im Durchschnitt besser.

Geht es nur nach dem Einstiegsgehalt, ist klar, für welche Branchen sich Absolventen entscheiden müssen: Top sind Chemie und Verfahrenstechnik, die Autoindustrie, Banken, Luftfahrt sowie die Pharmaindustrie. Hier liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter zwischen rund 50 000 und 54 000 Euro pro Jahr. In diesen Branchen bekommen Absolventen studienfachübergreifend mehr Geld als in anderen, berichtet Koose.

"Ein BWler wird in der Industrie mehr verdienen als beispielsweise in der Touristik- oder Reisebranche." Dort liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter bei rund 32 000 Euro.

Schließlich spielt die Unternehmensgröße bei der Höhe des Einstiegsgehalts eine Rolle, sagt Karrierecoach und Autor Martin Wehrle. "Die Gehälter fallen umso höher aus, je größer ein Unternehmen ist." Großkonzerne zahlen etwa 15 Prozent mehr als kleine Firmen. Das gilt Wehrle zufolge allerdings nicht für alle Mittelständler: "Einige Hidden Champions, die in dörflichen Regionen sitzen, locken Absolventen mit ähnlichen Gehältern wie Konzerne." Bei den Einstiegsgehältern zählen auch regionale Unterschiede: "Pauschal kann man von einem Nord-Süd und einem Ost-West-Gefälle sprechen", sagt Koose. Ein Absolvent in München verdient meist mehr als ein Studienkollege in Schwerin.

Auslandserfahrungen und Praktika können das Anfangsgehalt ebenfalls beeinflussen. Wehrle: "Je mehr praktische Erfahrung ich habe, desto besser die Verhandlungsposition." Denn alles was ein Bewerber mitbringt, muss er nicht mehr während der Arbeitszeit lernen: "Das honorieren Firmen."

Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler müssen sich auf geringere Gehaltsaussichten einstellen. Ein Sprach- und Kulturwissenschaftler kommt auf durchschnittlich rund 33 000 Euro Einstiegsgehalt. Doch auch diese Absolventen können ihre Verhandlungsposition verbessern: "Ein Geisteswissenschaftler sollte sich nicht über sein Studienfach, sondern über seine Kompetenzen verkaufen", rät Wehrle.

Doch selbst wenn es gut ist, mehr über künftige Verdienstmöglichkeiten zu wissen, man sollte sie bei der Entscheidung für eine Studienrichtung nicht über alles stellen, findet Briedis. "Wer nur darauf schaut, was er wo verdienen kann, macht sich möglicherweise schon während des Studiums unglücklich." Denn die Inhalte machen ihm keinen Spaß, vielleicht begreift er auch nicht alles - und scheitert noch vor dem Abschluss. Wer dagegen auch auf sein Herz hört und mit Leidenschaft arbeitet, hat gute Chancen, früher oder später auch finanziell erfolgreich zu sein.

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