Mobbing: ?Totschweigen ist der falsche Weg?

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Mobbing: Opfer sollten nicht schweigen, sagt Mediencoach Kristin Langer. Foto: Amalia Brown/Archiv

Mobbing: Opfer sollten nicht schweigen, sagt Mediencoach Kristin Langer. Foto: Amalia Brown/Archiv

Kann man sich überhaupt vor Mobbing im Netz schützen?

KRISTIN LANGER: Auf jeden Fall. Es gilt, von Anfang an sehr sorgfältig mit persönlichen Angaben umzugehen. Im Internet, auch in Foren und gerade bei Facebook sollte man so wenig wie möglich von sich preisgeben, um wenig Angriffsfläche zu bieten.

Aber gerade deswegen sind ja viele bei Facebook, um möglichst viele Freunde zu haben und sich mit denen auszutauschen.

LANGER: Stimmt, die meisten wollen, dass die Liste der Freunde länger wird. Doch das Tückische an den Freundeslisten ist, dass die wie ein Schneeballsystem funktionieren. Wenn man jeden als Freund annimmt, ist die Freundesliste irgendwann unüberschaubar. Da bleibt es ja fast nicht aus, dass man in Kreise gerät, die einem nichts Nettes wollen. Viele Freunde zu haben, kann auch schlecht sein. Gerade Jugendliche sollten sich überlegen, was sie von den vielen Freunden haben. Wenn einer vielleicht die gleiche Band cool findet wie man selbst, kann man sich ja mal überlegen, wie erfahre ich etwas über diese Band, ohne mich mit einem anderen Fan befreunden zu müssen.

Ist es einfacher, im Netz zu mobben?

LANGER: Absolut. Der Mechanismus im Internet ist ja so, dass Täter ihre Drangsalierung rund um die Uhr loswerden können. Die Attacken erfolgen anonym ? eine Sache, die gerade die Opfer überfordert und dazu bringt, jedem zu misstrauen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum gerade Jugendliche sich gegenseitig so oft mobben, vor allem im Internet?

LANGER: Die Pubertät ist eine Zeit des Aufbruchs, des Ausprobierens. Es geht darum, Grenzen auszutesten. Der eine betreibt Extremsport, der nächste prügelt sich und der andere mobbt im Netz und testet eben aus, wie weit er damit kommt und auch, wann er dabei erwischt wird.

Was raten Sie Mobbingopfern?

LANGER: Ich rate dazu, dass sie sich auf jeden Fall jemandem anvertrauen. Es schafft kein Mensch, solche Dinge allein zu bewältigen. Selbst wenn man das, was geschehen ist, einem Freund, Paten oder Cousin erzählt. Man kann auch ruhig dazu sagen: ,Ich erzähle dir was, du musst nichts tun, ich muss es nur loswerden.? Das gilt übrigens auch für die Täter. Auch die müssen sich jemandem anvertrauen und die Chance bekommen zu sagen: ,Ich glaube, ich habe Mist gebaut.? Totschweigen ist für Opfer und Täter der falsche Weg. Natürlich ist es immer noch am besten, wenn Opfer die Drangsalierung, etwa wenn sie sadistische oder sexistische Inhalte wie Fotos übers Internet zugespielt bekommen, dem Netzwerkbetreiber melden. Letztendlich bestimmt das Opfer, inwiefern ihm geholfen wird. Nicht alle wollen, dass man die Mobbingattacken publik macht.

Ist der Umgang unter Jugendlichen im Internet rauer geworden?

LANGER: Auffallend ist, dass sich viele nicht bewusst machen, wie etwas Geschriebenes im Internet auf die Person wirkt, um die es geht. Jugendliche sollten mehr darüber nachdenken, wie es verstanden werden kann. Fairness darf im Internet nicht vergessen werden.

Die Initiative ?Schau Hin!?
?Schau Hin! Was Deine Kinder machen? ist eine Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, eines Telekommunikationsunternehmens und einer TV-Zeitschrift. Die Initiative wurde 2003 ins Leben gerufen. Sie will Eltern helfen, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken. Im Internet zu finden unter www.schau-hin.info

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