Disko aus der Datenwolke Playfair-Siegel weist auf legale Streamingangebote für Musik hin

Immer häufiger lagert die Plattensammlung in der Cloud. Streamingdienste wie Spotify, Google Play und Deezer machen es möglich. Wer seine Musik streamen möchte, sollte einiges beachten.

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Streaming über Spotify, Simfy, Deezer und Co.ist inzwischen ein Massenphänomen. Bei solchen Diensten wird die Musik nicht auf CD gekauft oder als Datei heruntergeladen, sondern aus dem Netz gestreamt - zum monatlichen Festpreis. 2014 hörte laut einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom schon knapp jeder dritte Internetnutzer (32 Prozent) seine Musik per Stream - Tendenz steigend. "Der Markt wächst sogar noch schneller, als wir es ursprünglich prognostiziert hatten", sagt auch Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Musikfans müssen in diesem wachsenden Markt den Überblick behalten. Tipps, wie man das richtige Angebot findet.

Der richtige Anbieter: Ein Test der Zeitschrift "Computerbild" zeigt: Die populären Songs und Alben bekommen Hörer fast überall, nur bei Exoten wie Jazz oder Hörbüchern sind manche Anbieter besser als andere. Unterschiede gibt es beim Drumherum, also zum Beispiel bei der Bedienung oder der Einbindung sozialer Netzwerke. Welcher Anbieter da am besten abschneidet, ist Geschmackssache. Alle Streamingdienste bieten eine Testphase zum kostenlosen Ausprobieren.

Der richtige Tarif: "Zehn Euro pro Monat haben sich inzwischen als Standardpreis herauskristallisiert", sagt Werner Ballhaus. Günstigere oder kostenlose Angebote, die sich über Werbung finanzieren, gibt es auch - aber nicht bei allen Anbietern. Viele Streamingdienste haben Deals mit Mobilfunkprovidern oder Smartphone- und Autoherstellern. Wer hier ohnehin schon Kunde ist, erhält den Zugang zum Streamingdienst gratis oder günstiger.

Legal und illegal: Wer sichergehen will bei einem legalen Dienst zu landen, kann auf das "Playfair"-Siegel der gleichnamigen Initiative der Musikindustrie achten. Werner Ballhaus rechnet damit, dass Musikstreaming eher für weniger Piraterie sorgen wird: "Das Geschäftsmodell ist auch für viele Verbraucher interessant, die bisher noch nicht für Musik gezahlt haben." Wer Spotify und Co. auch auf dem Smartphone nutzen will, braucht eine passende Surf-Flatrate. "Da sind wir definitiv eher im Gigabyte-Bereich", sagt Falko Hansen vom Telekommunikationsportal "Teltarif.de". Ohne zuverlässiges Mobilfunktnetz hilft aber auch das nicht weiter. Die Alternative ist der Offline-Modus vieler Dienste: Damit kann man die Songs für unterwegs im heimischen Wlan herunterladen. Dafür braucht das Smartphone allerdings viel Speicherplatz oder eine große SD-Karte.

Einmal zahlen, beliebig nutzen: Die meisten Dienste erlauben es, von mehreren Geräten aus auf die Musiksammlung zuzugreifen. Schließlich haben neben Smartphone, Tablet und PC auch viele Fernseher und andere Geräte einen Internetzugang. Weil sich die meisten Streamingdienste über einen Browser abrufen lassen, sind dem Zugriff fast keine Grenzen gesetzt. Bequemer sind Apps für Smartphones, Fernseher und Spielkonsolen. Auch viele AV-Receiver und Kompaktanlagen können streamen. Anders beim Familien-Streaming: Weil die Anbieter Mehrfachnutzung erlauben, können sich Familien oder Paare theoretisch auch einen Account teilen. Die meisten Anbieter erlauben zwar mehrere Geräte, aber keinen gleichzeitigen Zugriff. Hört einer der Nutzer gerade Musik, müssen die anderen daher in den Offline-Modus wechseln.

Streaming als soziales Netzwerk: 20 bis 30 Millionen Songs haben die meisten Dienste in der Bibliothek. Da das richtige Lied zu finden, ist oft gar nicht so leicht. Viele Dienste versuchen daher, den Hörer mit der Nase auf potenzielle Lieblingslieder zu stoßen - entweder über Computer-Algorithmen im Stil von Online-Shops oder über eine Redaktion. Andere Anbieter setzen eher auf Playlists, die Nutzer miteinander oder in sozialen Netzwerken teilen .

Nicht austricksen lassen: Einmal anmelden und dann rundum sorglos Musik hören? Von wegen! 2014 beklagte der Verbraucherzentrale Bundesverband nach einer Untersuchung schwere Mängel in den Geschäftsbedingungen vieler Streaming-Anbieter, auch bei Musik. Bemängelt wurden etwa unvollständige Kontaktdaten oder Schlamperei beim Datenschutz. Ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich. Wichtig ist, wie die Kündigung funktioniert und ob der Anbieter erlaubt, Preise und Angebot einfach so zu ändern.

Neu und Nische

Tidal. Ein neuer Dienst auf dem Markt. Damit will Rapper Jay Z Spotify und Co attackieren. Der Dienst, an dem Stars wie Madonna, Rihanna oder Daft Punk beteiligt sein sollen, startete zum Jahresanfang allerdings eher verhalten. Kostenpflichtiges Angebot.

Concert Vault. Ein Dienst für Retro-Fans mit Live-Mitschnitten des Promoters Peter Graham. Hier gibt es Santana-Konzerte von 1991 oder Black Sabbath aus den 70ern. Kostenpflichtig.

DG Discovery. Ein spezieller Dienst für klassische Musik, angeboten von der Deutschen Grammophon. Der Dienst Naxos Music Library bietet ebenfalls Klassik an. Es gibt kostenfreie Testzugänge für Hochschullehrer oder Bibliothekare. Privatnutzer müssen allerdings zunächst die Preise erfragen. ima

SWP

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