Der König von Tokyo

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Welch abgefahrenes Thema, welch spaßig und mitunter gemeines Würfelspiel! „King of Tokyo“ sorgt für mächtig Stimmung am Tisch. Wer mitmacht, darf austeilen. Er muss aber auch einstecken können.

EDWIN RUSCHITZKA

Viele dürften gewiss schon einmal einen von diesen japanischen Monsterfilmen gesehen haben, Marke Godzilla oder King Kong. Diese eher komischen statt schaurigen Viecher bedrohen dabei Menschen, die zumeist in riesig großen Städten wie Tokyo leben. Und genau das dürfte den amerikanischen Spieleerfinder Richard Garfield zu seinem „King of Tokyo“ inspiriert haben. Garfield ist übrigens zudem der Erfinder des Sammelkartenspiels „Magic“, das vor allem Jugendliche angefixt hat. Nun könnte man meinen, dass „King of Tokyo“ als Zielpublikum auch Jugendliche ins Visier genommen hat. Weit gefehlt. Das fetzige Teil kann auch Erwachsenen riesigen Spaß machen.

Bis zu sechs Akteure können sich beteiligen, jeder führt ein Monster, hat dazu eine entsprechende Figur und ein Tableau erhalten, an dem er zwei Räder drehen und damit Ruhmes- und Lebenspunkte einstellen kann. Jeder darf mit dreimal bis zu sechs Würfel werfen. Für gleiche Zahlen gibt es Ruhmespunkte, für Blitzsymbole kann man sich Energiesteine zum Kauf von Aktionskarten nehmen. Mit Herzen wird neue Lebensenergie getankt, die jeder verliert, wenn er von den Pranken bedroht wird. Die Pranke ist also das Symbol für die Abteilung Attacke.

Dabei wird unterschieden, wo sich die Monsterfiguren der Spieler gerade befinden: in Tokyo, also auf dem entsprechenden kleinen Spielplan, oder außerhalb Tokyos, also auf dem Tisch. Wer mit seiner Figur außerhalb Tokyos sitzt, greift die Figuren in Tokyo an, wer sich in Tokyo aufhält, nimmt die Figuren außerhalb ins Visier. Für jede gewürfelte Pranke müssen die Angegriffenen die Stellschraube ihrer Lebensenergie nach unten drehen. Wer auf Null fällt, scheidet aus. Für jedes Herz wird die Stellschraube wieder nach oben gedreht – aber nur, wenn der Würfler sich nicht in Tokyo befindet. Einen Vorteil haben alle in Tokyo: Wenn sie dort geblieben und wieder an der Reihe sind, erhalten sie zwei Ruhmespunkte als Belohnung. Das alles hört sich vielleicht ein wenig verwirrend an, die Spielregel führt einen aber schnell mit vielen Illustrationen und Beispielen mitten in das Geschehen hinein. Nach und nach scheiden Akteure aus, was diese betrübt. Wer als einziger überlebt, der hat natürlich gewonnen. Bleiben mehrere übrig, ist derjenige Sieger, der zuerst 20 Ruhmespunkte gesammelt hat.

„King of Tokyo“ lebt von der Freude, vor allem von der Schadenfreude. Es soll ja Mitspieler geben, die weniger auf Zahlen und damit Ruhmespunkte aus sind. Sie sammeln beim Würfel eher die Pranken, um die Mitspieler zu quälen. Wer unbedingt Herzen braucht, der wird sich ärgern, wenn er keine würfelt. Was bei den anderen in der Runde für ein hämisches Feixen sorgt. Nach vielleicht 45 Minuten ist die überaus kurzweilige Würfelei vorbei. Es wird nicht bei der einen Partie bleiben, dazu macht „King of Tokyo“ zuviel Spaß – und das auf eine recht unkomplizierte Art und Weise.

Mehr Spiele, die in dieser Reihe vorgestellt werden, im Internet unter swp.de/spieletest

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