Teurer als gedacht – Wie sich Bauherrn bei steigenden Kosten schützen

Der Bauherr muss genau informiert werden, wenn die Kosten für das Projekt ansteigen. Denn mitunter ist es Auslegungssache, ob die Rechnung gerechtfertigt ist.

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Damit weder die Kosten noch der Zeitrahmen beim Hausbau außer Kontrolle geraten, empfehlen Experten einen zeitlichen Puffer und ein Polster von 5000 bis 10 000 Euro.  Foto: 

Das Haus hat noch kein Dach. Plötzlich verzögert sich der Bau. Die Kosten steigen, der Finanzpuffer wird knapp – für viele private Bauherren eine Horrorvorstellung. Dabei gibt es viele Gründe, warum sich ein Bauprojekt verteuert: „Ungenaue oder mehrdeutige Vertragsgestaltung, eine unausgereifte Planung sowie nachträgliche Änderungswünsche des Kunden können Ursachen dafür sein“, erklärt Paul Popescu, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Eine wichtige Frage ist die der Planungsverantwortung. Wer mit einem Architekten seine Immobilie baut, kann von ihm eine genaue Kostenkalkulation erwarten. „Der Architekt ist verpflichtet, den Bauherren über die einzelnen Bauschritte und die Kostenentwicklung zu informieren“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB). Überschreitet das Bauprojekt die vereinbarte Obergrenze, muss der Architekt darauf hinweisen. Tut er dies nicht, kann der Bauherr mitunter Schadenersatz verlangen. „Der Architekt haftet für Mehrkosten, die der Bauherr nicht genehmigt hat.“

Die meisten privaten Bauherren beauftragen jedoch eine Baufirma. Auch sie muss den Bauherrn informieren, wenn die Kosten sich erhöhen. „In der nicht einheitlichen Rechtsprechung geht es dann um Mehrkosten von etwa 20 Prozent bezogen auf den ursprünglich vorgelegten Kostenvoranschlag beziehungsweise den Angebotspreis“, erläutert Fachanwalt Popescu. In solchen Fällen kann der Bauherr den Vertrag in der Regel kündigen.

Diesen Schritt sollte man jedoch  genau überlegen. „In der Regel verteuert sich das Bauprojekt zusätzlich, unter Umständen sogar drastisch, wenn man eine neue Baufirma beauftragt“, warnt Popescu. Der Bauherr muss bereits erbrachte Leistungen der alten Baufirma bezahlen. Zusätzlich verlangt der neue Vertragspartner oft einen Risikoaufschlag, wenn er die Baustelle übernimmt.

Wer sich gegen einen Wechsel entscheidet, sollte dennoch Zusatzkosten nicht einfach hinnehmen. „Prüfen Sie die Berechtigung der Forderung, bevor Sie diese begleichen“, rät Florian Becker vom Bauherrn-Schutzbund. Denn mitunter ist es eine Auslegungssache, ob die einzelnen Arbeitsschritte eine weitere Rechnung rechtfertigen. „Idealerweise warten Bauherren, bis die Planung vollständig ist, und vergeben erst dann die Bauleistungen“, rät Popescu.

Vereinbarungen genau prüfen

Außerdem sollten Bauherren alles vertraglich festhalten und nur Dokumente unterschreiben, die sie verstehen. Denn mitunter interpretieren Verbraucher vertragliche Vereinbarungen falsch. Steht in der Bauleistungsbeschreibung etwa „Ausbau wird bauseitig erledigt“, bedeutet dies, dass sich der Bauherr darum kümmern muss.

Nichts ist schlimmer, als unter Geld- oder Zeitdruck zu stehen. „Deshalb ist es wichtig, im Vertrag den Baubeginn und die genaue Bauzeit festzulegen. Außerdem sollte man einen zeitlichen Puffer von mindestens einem Monat einplanen“, rät Becker. Mit einem konkreten Einzugsdatum kann man dem Bauunternehmer einfacher Fristen setzen. Zudem empfiehlt Becker, mindestens 5000 bis 10.000 Euro als Finanzpolster in der Kalkulation einzurechnen.

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