Nissan: Stromer im Ausverkauf

Der Leaf wird nächstes Jahr von seinem Nachfolger abgelöst. Dennoch trägt er den Titel des meistverkauften Elektroautos der Welt. Was der Kompakte schon kann – und was er dringend lernen muss.

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Geräumig und leise, aber nur begrenzt einsatzfähig: Der Nissan Leaf.  Foto: 

Er ist das meistverkaufte Elektroauto der Welt, und doch braucht er dringend eine Überarbeitung: Nach mehr als 270.000 abgesetzten Nissan Leaf kann der kleine Stromer zwar immer noch einige Stärken ausspielen. In Sachen Reichweite und Vernetzung droht ihm aber die Konkurrenz langsam den Rang abzulaufen. Deshalb wird es aber 2018 einen neuen elektrischen Japaner geben. Was das aktuelle Modell schon alles kann und wo es sich bis zur Weltpremiere im Herbst noch verbessern muss.

Die Stärken

Sieben Jahre sind ein langer Modellzyklus – insbesondere für einen Stromer, dessen Performance von der rasanten Entwicklung in Sachen Batterie und Effizienz rasant überholt wird. Mit dem Update 2015 wurde die Reichweite im Normzyklus von 200 auf 250 km angehoben, und die braucht man in der Realität auch. Denn in Wirklichkeit kann man auch jetzt nur mit knapp 200 km rechnen, die allerdings für den Alltag eines klassischen Zweitwagens auch ausreichen. Und das ist der aktuelle Leaf nunmal.

Dazu gibt es ein flexibles Preissystem, bei der die Käufer die Wahl zwischen flexibler Batteriemiete und Batteriekauf haben – bislang einmalig im Segment der Elektroautos.

Das Platzangebot in dem eigentlich im Kompaktwagen-Segment angesiedelten Elektroauto ist für die Klasse gigantisch. Dank seines großen Hecks passen dort zwei große Koffer locker rein – ohne die Sitze umzuklappen, versteht sich. Und ohne störende Mittelkonsole haben Fahrer und Beifahrer ungeahnte Bewegungsfreiheit.

Die Schwächen

Was für den Weg zur Arbeit oder zur Stadt reicht, kann bei einem Ausflug ins Grüne schon zur Herausforderung werden. Bei der Testfahrt auf der Mecklenburgischen Seenplatte – wo es auf 150 Kilometer keine Ladesäule weit und breit gibt – musste mit der Batteriekapazität ganz schön gehaushaltet werden. Heißt: Auf der Autobahn nicht schneller als 90 km/h, auf der Landstraße so etwa bei 70 gleiten. Sonst kann sich die Reichweite schnell mal halbieren, und der Tagestrip wird zur Zitterreise. Hier wäre eine Steigerung auf eine realistische (!) Reichweite von 300 km wünschenswert, dann könnte der Leaf sogar den Ruf als teurer Zweitwagen loswerden.

Auch in Sachen Assistenzsysteme und Infotainment ist der Leaf nicht mehr auf dem neuesten Stand. Das Navigationssystem ist einfach gehalten und arbeitete verhältnismäßig langsam, moderne Helferchen wie Abstandstempomat oder Spurverlassenswarner fehlen (noch).

Der Ausblick

Im September soll eine neue Version des Nissan Leaf vorgestellt werden, peu à peu sickern bereits die ersten Informationen über die Weiterentwicklung des weltweiten Erfolgsmodells durch. So soll der Neue nicht nur teilautonom fahren. Als erstes Modell der Marke verfügt der Leaf über eine Einparkhilfe, die Hindernisse und Kameras ortet und den Wagen auf Knopfdruck vorwärts, rückwärts oder parallel in die Parklücke fährt. Außerdem übernimmt die Elektronik auf einspurigen Autobahnen auf Knopfdruck die Steuerung von Lenkung, Gaspedal und Bremsen und unterstützt den Fahrer im Kolonnenverkehr und in Staus.

Bis dahin gibt es aber noch das aktuelle Modell, und vielleicht lässt sich ja noch das eine oder andere Stromer-Schnäppchen schlagen. Für Fahrer, die einen elektrischen Zweitwagen suchen, ist der „alte“ Leaf zumindest eine Überlegung wert.

Antrieb Wechselstrom-Synchronmotor, 80 kW/109 PS bei 3008 - 10 000/min., 255 Nm bei 0 bis 3008/min., Batteriekapazität 30 kWh, stufenloses Automatikgetriebe, Frontantrieb.

Karosserie 4,46 m lang, 1,97 m breit (mit Spiegel), 1,55 m hoch, Radstand 2,7 m, Leergewicht 1516 kg, Zuladung 395 kg, Kofferraum 370 bis 911 Liter, Wendekreis 10,4 m.

Leistungsdaten Spurt von 0 auf 100 km/h in 11,5 sek., Spitze 144 km/h, Stromverbrauch 15,0 kWh/100 km, Reichweite NEFZ 250 km, 187 km im Test. On-board-Lader 3,3 kW (optional 6,6), Schnelllader 50 kW, Ladekabel 6 m (Mode 3 Type 2).

Preisgestaltung Ab 25 365 Euro mit Batteriemiete (ab 79 Euro/Monat), bei 31 265 Euro mit Batteriekauf, höchste Ausstattungsstufe Tekna (u.a. mit Schnelllader, Winterpaket, Bose Soundsystem, Ledersitze, Rundum-­Kamera), ab 36 785 Euro, jeweils abzüglich 4380 Euro E-Prämie.

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