Opel Ampera-e: Nächster Schritt zum E-Alltag

Der Ampera-e zeigt, wie rasant sich die Batterietechnik weiterentwickelt. Große Stückzahlen werden von dem neuen Stromer vorerst trotzdem nicht produziert.

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Elbil nennen die Norweger das E-Auto – eine liebevoll klingende Kombination aus den Wörtern „Elektronikk“ und „auto mobilitet“. Und 4000 brandneue „Elbils“ der Marke Opel haben die Skandinavier schon vorbestellt – ohne dass sie den Ampera-e je gefahren sind. Denn im Gegensatz zu Deutschland, wo die E-Prämie der Bundesregierung noch zu keinem durchschlagenden Erfolg geführt hat, sind batteriebetriebene Fahrzeuge in Norwegen der Renner. „Jeder dritte Neuwagen ist ein Plugin-Hybrid oder Elektroauto“, erklärt Stale Frydenlund vom norwegischen Automobilclub NEVA. Das liegt neben umfangreichen Subventionen – unter anderem entfällt für E-Autos die 27 Prozent hohe Mehrwertsteuer – auch an der gut ausgebauten Infrastruktur mit kostenfreien Parkplätzen und Ladesäulen an jeder Ecke.

Kein Wunder, dass sich Opel bei der hohen Nachfrage entschieden hat, sein neues Elektromobil zuerst in Skandinavien einzuführen. Ab Juni starten die ersten Probefahrten in Deutschland, anschließend kommen die Schweiz und die Niederlande dran. „Weil wir allerdings unsere 1200 Händler nicht allesamt mit Fahrzeugen beliefern können, werden den Vertrieb deutschlandweit 40 Agenten übernehmen“, informiert Deutschlandchef Jürgen Keller.

Denn der Opel ist das europäische Pendant zum amerikanischen GM-Bruder Chevrolet Bolt und wird auch in den USA produziert. Dadurch erhalten die Rüsselsheimer abhängig von der Produktionskapazität der US-Amerikaner nur so viele Elektrofahrzeuge, wie der Mutterkonzern liefern kann. Das soll angesichts der langfristigen Verträge mit GM auch nach der Übernahme durch den PSA-Konzern so laufen.

400 Kilometer realistisch

Doch erst einmal muss die Nachfrage nach Elektroautos hierzulande steigen, damit sich der neue Stromer in Deutschland verkauft. Und hier bietet der Ampera-e zumindest neue Anreize. Mit 520 Kilometer Reichweite laut Hersteller – im Praxistest schaffte der Ampera-e im Drittlemix knapp 400 Kilometer – setzt Opel im Vergleich von E-Autos für 35.000 Euro eine neue Marke. Mit der 60 kWh großen Batterie kann der elektrische Rüsselsheimer sogar mit dem Tesla Model S mithalten, das allerdings ein Vielfaches kostet. Insbesondere der im Vergleich geringe Verbrauch von 13 bis 14 kWh auf 100 Kilometer bei einer Außentemperatur unter 10 Grad Celsius überzeugte im Test. Zum Vergleich: Das Tesla Model S mit 90 kWh verbrauchte in einem ähnlichen Test rund 20 kWh auf 100 km. Wer das Fahrzeug zu Hause laden möchte, benötigt dennoch einen eigenen Starkstrom-Anschluss, da es sonst 24 Stunden dauern kann, bis der „Tank“ wieder voll ist.

Dass der Ampera-e dennoch exakt so viel wie ein BMW i3 oder VW e-Golf kostet, die jeweils laut Hersteller nur 300 Kilometer weit kommen, liegt an der einfachen Bauweise der US-Amerikaner. Auf technischen Schnickschnack oder teure Materialien wurde verzichtet, stattdessen kommt der Bolt-Bruder von außen wie ein Kleinwagen (4,17 Meter Länge) und aufgrund des platzsparenden Elektroantriebs innen wie ein Auto der Kompaktklasse daher. Aufgrund des hohen Aufbaus kann der Kofferraum mit seinen 381 bis 1274 Litern locker mit der Golf-Klasse mithalten.

Die stetig verfügbaren 360 Nm Drehmoment sorgen bei den Leistungsdaten für herausragende Werte und sind gegenüber den abnormalen Tesla-Werten mehr als ausreichend für ein alltagstaugliches Elektroauto. Zugleich haben die Ingenieure in den USA eine sehr einfache Regulierung der Rekuperation eingebaut, das dem Fahrer per Schaltwippe erlaubt, ohne mechanische Bremse bis auf Stillstand zu verzögern.

So unaufgeregt sein Design daherkommt, so überzeugend sind die Eigenschaften des neuen Stromers. Mit seiner hohen Reichweite, einer guten Energiebilanz und einem großzügigen Raumangebot ist der nächste Entwicklungsschritt bei der Elektromobilität erreicht. Einen Haken gibt es aber: Genaue Produktionszahlen wollen die Opelaner auch auf Nachfrage nicht nennen, aber wenn man bedenkt, dass die 4000 Norweger noch bis Herbst auf ihre bestellten Ampera-e warten müssen, kommen in diesem Jahr wahrscheinlich nicht viel mehr als 5000 Stück in diesem Jahr in Europa an. Die E-Mobilität kommt immer noch nur in kleinen Schritten voran.

Antrieb Elektromotor mit Lithium-Ionen-Batterie, Kapazität 60 kWh, 150 kW/204 PS, 360 Nm, elektronisches Automatikgetriebe, Frontantrieb.
Karosserie 4,16 Meter lang, 1,85 Meter breit, Radstand 2,6 Meter, Wendekreis 10,9 Meter, Leergewicht 1691 Kilogramm, zul. Gesamtgewicht 2056 Kilogramm, Kofferraum 381 bis 1274 Liter.
Leistungsdaten Spurt von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 150 km/h, Energieverbrauch 14,5 kWh/100 km laut Hersteller, 17,1 kWh im Test, Reichweite 520 km laut Hersteller, 390 km im Test.
Preisgestaltung Einstieg ab 34.950 Euro (inklusive E-Prämie), Assistenz-Paket 1345 Euro, Premium-Paket 2790 Euro, Garantie auf Batterie 8 Jahre/160 000km.

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Kommentare

15.07.2017 11:39 Uhr

E-Alltag

Böse Zungen behaupten, der Opel Ampera-e wird umbenannt in Opel Phantom ... weil es ihn nirgends zu kaufen gibt.

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