Jaguar: Nobler Alleskönner

Der F-Pace 20d hinterlässt im Test einen überzeugenden Eindruck.

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Man kann nicht gerade behaupten, dass Jaguar das Projekt F-Pace überhastet durchgezogen hätte. Die britischen Nobelautobauer mit indischem Eigner ließen sich mit ihrer Beteiligung am globalen SUV-Boom ordentlich Zeit. Was lange währte, wurde dann aber auch gut.

Die große Herausforderung für die Designer beim ersten höhergelegten Modell einer Marke ist es ja, deren aktuelles Gesicht und den typischen optischen Auftritt in einem ganz anderen Format gleichzeitig weiterzuentwickeln und trotzdem auf den ersten Blick erkennbar zu machen.

Diese Operation darf als gelungen angesehen werden, der F-Pace ist wirklich ein typischer Jaguar, vom großen, chromumrandeten Kühlergrill über die elegante Seitenlinie bis zu den schmalen Rückleuchten. Der 4,73 Meter lange Brite – etwas größer als ein BMW X3, Audi Q5 oder Mercedes GLC –  ist ein positiv auffallender, imposanter Vertreter der SUV-Zunft.

Und einer, dessen Erbauer nicht nur Sinn für die schönen, sondern auch für die praktischen Seiten des Lebens haben. Auffallend ist nämlich das überzeugende Platzangebot. Auf allen fünf Plätzen geht es luftig zu. Und der Kofferraum fasst mit mindestens 650 Liter deutlich mehr als die Gepäckfächer der Wettbewerber. Dass sich nach Umklappen der Rücksitzlehnen auch noch eine fast ebene Ladefläche ergibt, verstärkt zusammen mit der vergleichsweise niedrigen Ladekante noch den Nutzwert des schicken Engländers, dessen Materialmix im Interieur in den höheren Ausstattungsversionen keinerlei Grund zum Mäkeln bietet.

Sinnvolle Schlankheitskur

Sehr angenehm ist die Erkenntnis während des Fahrens, dass die Entwickler einige der nicht unbedingt wenigen Pfunde des F-Pace dank einer ganzen Reihe technischer Kniffe gefühlt beinahe weggezaubert haben – zumindest, wenn es mit dem 1,8-Tonner etwas sportlicher und dynamischer zur Sache geht. Diese Disziplin erledigt der Jaguar mit genauso überzeugender Souveränität wie die zügige Langstreckenfahrt. Und an Komfort mangelt es in keiner Situation.

Hochherrschaftliches Gleiten oder Kurvenhatz auf hohem Niveau – dafür braucht es den passenden Antrieb. Und da gibt sich auch der Einstiegs-Diesel mit zwei Liter Hubraum und einer Leistung von 132 kW/180 PS keine Blöße. Dank der Achtgangautomatik der Allradversion spielt auch das leichte Turboloch bei sehr niedrigen Drehzahlen keine Rolle, der ZF-Automat bügelt es fast komplett weg. Und schließlich steht schon bei 1750/min das maximale Drehmoment von 430 Newtonmeter parat.

Das heißt, dass es ab dieser Drehzahl sehr munter voran geht – bis 100 km/h braucht der F-Pace 8,7 Sekunden, und mit ein bisschen Anlauf sind 208 km/h drin. Das sollte reichen. In Sachen Verbrauch liegt das Jaguar-SUV mit laut Norm 5,3 und in der Realität 7,8 Liter im Bereich seiner Mitbewerber.

Was sonst noch auffällt: Bei der Ausstattung mit elektronischen Helfern ist der F-Pace konkurrenzfähig, das „InControl“-Infotainment-System mit großem Touchscreen ist relativ einfach zu bedienen und ziemlich fix - das war bei Jaguar nicht immer so. Und angesichts der nicht unbedingt übersichtlichen Karosserie freut man sich etwa in Parkhäusern besonders über die exakten Einparkhilfen. Wäre doch schade, wenn der feine Lack Kratzer abbekommen würde.

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