WM-SERIE: Kolumbien - In der Weltrangliste weit oben, emotional unten

Was ist von Kolumbien während der Fußball-Weltmeisterschaft zu erwarten? Der Ausfall von Stürmer Falcao dämpft die Erwartungen, doch Trainer Jose Pekerman kassiert viel Lob.

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    Ein WM-Star weniger. Falcao ist nach einem Kreuzbandriss nicht rechtzeitig fit geworden. Foto: 
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Wenn es um die Berechnung der aktuellen Fifa-Weltrangliste geht, sind versierte Mathematiker gefragt. Berechnet wird sie nach der Formel Punkte mal Bedeutung des Spiels mal Stärke des Gegners mal der sogenannte "Konföderationswert". Für jedes Kriterium gibt es eigene Kennzahlen. Dazu kommt ein zeitlicher Faktor - aktuelle Spiele zählen mehr als Resultate von vor vier Jahren.

Klingt kompliziert, ist letztlich aber eine zumindest für Experten nachvollziehbare mathematische Formel. Die jedoch bringt immer wieder unerwartete Resultate hervor. Deutschland hat zwar seit 16 Jahren keinen Titel mehr gewonnen, liegt aber hinter Welt- und Europameister Spanien auf dem zweiten Platz. Kolumbien wiederum hat sich nach 16 Jahren Pause erstmals wieder für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert, steht aber in der Liste auf dem fünften Platz - vor Fußball-Koryphäen wie Argentinien (7.) oder Italien (9.).

Nicht berücksichtigt in der Weltrangliste sind Formkrisen oder Verletzungen von wichtigen Spielern. So bleibt Kolumbien nach dem Aus von Radamel Falcao zwar Ranglisten-Fünfter. Emotional allerdings ist das Land tief gestürzt. Mit Tränen in den Augen und belegter Stimme erklärte er am Montag, dass er bei der WM nicht dabei sein kann. Ausgerechnet Falcao, der sein Land mit neun Toren in der Südamerika-Qualifikation fast im Alleingang nach Brasilien geschossen hatte.

Der Angreifer von AS Monaco hatte sich wie Sami Khedira das Kreuzband gerissen. Beide arbeiteten besessen auf das Ziel WM hin. Während Khedira den Sprung in den DFB-Kader schaffte, lief dem verzweifelten "Tiger" Falcao, der sich im Januar bei einem Pokalspiel böse verletzt hatte, die Zeit davon. "Ich bin heute in einem guten Zustand, aber mir ist bewusst, dass mir noch etwas fehlt, um spielen zu können. Ich wollte nicht einem Kameraden den Platz wegnehmen, der bei 100 Prozent ist", verkündete Falcao, "ich wollte auch nichts Leichtfertiges tun, das meiner Gesundheit schaden könnte."

Trainer Jose Pekerman hatte Falcao bis zum letztmöglichen Termin die Türe offengehalten. Der Argentinier, der mit seinem Heimatland bei der WM 2006 im Viertelfinale an Deutschland gescheitert war, muss nun auf andere Angreifer wie den bisherigen Berliner und künftigen Dortmunder Adrian Ramos setzen. In der Defensive hat Pekerman weniger Sorgen. Mit 13 Gegentoren in den 16 Qualifikationsspielen erwies sich die Abwehr als stabil. Der 64 Jahre alte Coach übernahm Kolumbien nach einem Fehlstart in der WM-Qualifikation. Ihm gelang es schnell, die Mannschaft zu stabilisieren. Rekord-Nationalspieler Carlos Valderrama, der Kolumbien in den 1990er-Jahren mit seiner zum Markenkennzeichen gewordenen Löwen-Mähne angeführt hatte, jedenfalls ist voll des Lobes über den argentinischen Coach. "Wir haben bestens geschulte Fußballer unter einer sehr guten Regie", sagt der inzwischen 52-Jährige.

Gegen Griechenland, die Elfenbeinküste und Japan hat Kolumbien in der Vorrundengruppe C gute Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales. Weiter als in die Runde der letzten 16 sind die Südamerikaner bei einer Weltmeisterschaft noch nie gekommen. Dort könnten England, Italien oder Uruguay der Gegner sein. Alle stehen in der aktuellen Weltrangliste hinter Kolumbien. Doch der Fußball ist halt viel mehr als nur eine rechnerisch lösbare Formel.

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