WM-SERIE: Japan - Manga-Helden als Vorbild

Der beste Trainer und Förderer des 1917 gegründeten japanischen Fußballverbandes , so erzählen sie im Land der aufgehenden Sonne, ist Yoichi Takahashi. Der freilich hatte nie eine Lizenz und hat auch keine Mannschaft betreut, sondern verdient sein Geld als Comic-Zeichner.

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Mit seinem zwischen 1981 und 1989 erschienenen Manga "Captain Tsubasa" machte er in seiner Heimat, in der lange Zeit Baseball eine besonders beliebte und die am weitesten verbreitete Sportart war, mächtig Werbung für den Fußball. Die Serie, von der in Japan Millionen von Bänden verkauft wurden und die für das Fernsehen aufbereitet wurde, erzählt von einem japanischen Jungen, der sich für den damals noch unpopulären Fußball entscheidet und seinen Traum von einem Weltmeistertitel mit seinem Heimatland erreichen will.

So gewagt die These, der Erfolg des japanischen Fußballs beruhe wesentlich auf einer Comic-Serie, auch erscheinen mag: es könnte durchaus etwas dran sein. Bis 1998 hatte sich Japan nie für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Seit der WM in Frankreich vor 16 Jahren jedoch, als die jugendlichen Leser zu Männern im besten Fußball-Alter geworden waren, sind die Japaner immer dabei, jetzt in Brasilien zum fünften Mal in Folge. Viele japanische "wilde Kerle" haben sich seither den Traum von einer Profi-Karriere erfüllt.

Weltmeister freilich wie im Manga war Japan noch nie. Das Erreichen des Achtelfinales 2002 und 2010 waren die besten Resultate. In Brasilien wird es in der ausgeglichenen Gruppe C gegen Kolumbien, die Elfenbeinküste und Griechenland schwer, die Vorrunde zu überstehen. Doch kein echter Comic-Held gibt sich kampflos geschlagen.

Viele Spieler haben wie die Manga-Figuren Karriere über Japan hinaus gemacht. Als "Superman" der Mannschaft gilt der frühere Dortmunder Shinji Kagawa. Unter BVB-Trainer Jürgen Klopp hat der Mittelfeldspieler gezeigt, dass er seine Mitspieler geschickt einsetzen kann und zudem torgefährlich ist. Als ähnlich großes Talent gilt Mittelfeldkollege Keisuke Honda, der beim AC Mailand sein Geld verdient. Beide Spieler haben allerdings eine schwierige Saison hinter sich und hatten in ihren Vereinen keinen Stammplatz.

Sieben Spieler der "blauen Samurai" sind in deutschen Profiligen beschäftigt. Der erfahrene italienische Trainer Alberto Zaccheroni (61), der seit vier Jahren im Amt ist, berief Atsuto Uchida (Schalke 04), Makoto Hasebe, Hiroshi Kiyotake (beide 1. FC Nürnberg), Hiroki Sakai (Hannover 96), Yuya Osako (1860 München), den Ex-Stuttgarter Shinji Okazaki (Mainz 05) sowie den aktuellen VfB-Stuttgart-Profi Gotoku Sakai in den 23er-Kader.

"Wir halten zusammen. Wenn wir unseren Fußball spielen, können wir jeden schlagen", gibt er sich selbstbewusst." Im ersten Gruppenspiel trifft Sakai mit Japan auf die Elfenbeinküste mit Arthur Boka, seinem bisherigen Teamkollegen, der nach der WM zum FC Malaga wechselt. Die Japaner sind technisch stark und gelten als lauffreudig, aber letztlich nicht durchschlagskräftig genug. Doch vielleicht haben sie als Lektüre und Anschauungsunterricht ja Yoichi Takahashis Mangas im Gepäck. Und der eine oder andere Held wächst über sich hinaus.

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