Das hält der Kopf kaum aus

Pretoria/Johannesburg.  Thomas Müller kann noch einen WM-Titel gewinnen. Den des besten Nachwuchsspielers. Und er kann WM-Torschützenkönig werden.

"Der Kerl ist jung, er hat noch nicht den Schädel, sich Gedanken zu machen. Das kommt erst noch." So hatte Stürmer-Routinier Miroslav Klose die rasante Entwicklung seines Vereins- und Nationalmannschaft-Kollegens Thomas Müller nach dem 4:1-Sieg gegen England begründet. Mit zwei Toren hatte der 20-Jährige vom FC Bayern München entscheidenden Anteil, dass die englische Startruppe nach dem Achtelfinale heimreisen musste.

Gestern wurde Thomas Müller vom Fußball-Weltverband Fifa zu einem der drei Kandidaten gekürt, die für den Titel des besten Nachwuchsspieler dieser Weltmeisterschaft in Frage kommen. Seine Kontrahenten, der Ghanaer Andre Ayew, Sohn des in Afrika höchst verehrten Abedi Pele, und der Mexikaner Giovani dos Santos, sind mit ihren Teams bereits aus dem Turnier ausgeschieden. Für Müller stehen die Chancen also glänzend, mit einer guten Leistung heute gegen Uruguay seine Anwartschaft auf diese Trophäe zu untermauern.

Fünf WM-Einsätze, vier Tore, drei Torvorlagen - so langsam scheint auch der coole 20-Jährige, der immer für einen guten Spruch zu haben ist, von der Rasanz seiner sportlichen Entwicklung verblüfft zu sein. "Körperlich fühle ich mich topfit", sagt Müller, der beim 0:1 im Halbfinale gegen Spanien schmerzlich vermisst worden war, als er seine Gelbsperre absitzen musste. "Die drei Wochen Pause, die ich jetzt bekomme, brauche ich vor allem für den Kopf." Jenen Körperteil also, den Kollege Klose vor zwei Wochen noch als nicht so beansprucht ansah. Wieder einmal war Müller schneller in seiner Entwicklung als es Kollege Klose vermutet hatte.

Sollte Müller, der auch WM-Torschützenkönig werden kann, tatsächlich den Zuschlag bekommen, wäre das für den Weilheimer das Größte:. "Das wäre ein Preis für die Ewigkeit. Eine solche Auszeichnung haben nicht viele im Schrank." Einer ist Franz Beckenbauer, der bei der WM 1966 bester Nachwuchsspieler war. 2006 erhielt Lukas Podolski diese Auszeichnung.

Die Bekanntgabe des "Gewinners" erfolgt morgen nach dem Endspiel. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die DFB-Auswahl auf dem Heimflug. Nun hofft Müller, dass die Crew Kontakt zur Bodenstation haben wird. Nicht nur, um über die Zwischenstände informiert zu werden. Sondern auch, ob es für ihn gereicht hat. "Im Endeffekt wäre aber der WM-Titel für die Mannschaft viel wichtiger gewesen."


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Autor: GEROLD KNEHR | 10.07.2010

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