Ulmer Physiotherapeut Wolfgang Bunz im WM-Team
Durban/Ulm. Der Ulmer Physiotherapeut Wolfgang Bunz kümmert sich seit 1998 um die Wehwehchen der Fußball-Nationalspieler. Und er hat einen Überblick darüber, was sich in den letzten Jahren geändert hat.
Herr Bunz, was unterscheidet Bundestrainer Joachim Löw von seinen Vorgängern?
WOLFGANG BUNZ: Er ist sehr fokussiert, sehr diszipliniert und vor allem auch sehr klar in seiner Struktur. Das macht das Arbeiten mit ihm sehr angenehm. Jürgen Klinsmann war ein Motivator, ein emotionaler Typ. Wie auf alle Vorgänger kann man sich auch auf Jogi verlassen. Die Zusammenarbeit mit der medizinischen Abteilung ist hervorragend. Er fragt nach, will genau wissen, wie der Stand der Dinge ist.
Vor vier Jahren war Löw unter Jürgen Klinsmann noch Co-Trainer. War er schon damals der Kopf?
BUNZ: Nein, er war damals ein Team mit Jürgen. Das hat man am Trainingsplatz gemerkt. Er hat zwar das Training geleitet und die Struktur vorgegeben. Aber natürlich alles in Absprache mit Jürgen.
Miroslav Klose als erfahrenster Feldspieler sagt, den Fußball von der WM 2002 kann man nicht mehr mit heute vergleichen. Spüren Sie das in Ihrem Bereich auch?
BUNZ: Das ist tatsächlich so. Der technische und der personelle Aufwand, der seit 2004 betrieben wird, ist nicht mehr mit früher vergleichbar. Du hast ganz andere Strukturen. Man hat Fitnesstrainer, technisches Equipment - gigantisch. Die medizinische Abteilung hat sich personell nicht groß verändert, aber das Drumherum, der Betreuerstab ist gewachsen. Dadurch ist die Qualität der Mannschaft gestiegen. Es wird noch intensiver und mit viel Struktur gearbeitet - wichtige Gründe für den jetzigen Erfolg.
Ein anderes Erfolgsgeheimnis sind die jungen Spieler.
BUNZ: Richtig. Sie sind gut ausgebildet und bringen von ihren Vereinen eine gute Fitness mit. Ihr körperlicher Zustand ist wirklich hervorragend. Über die zwei Monate, die wir jetzt beisammen sind, gab es relativ wenig Verletzungen. Das ist keine Selbstverständlichkeit denn es wurde hart trainiert.
Jetzt am Ende eines Turniers werden die Spieler doch sicherlich müde und damit verletzungsanfälliger?
BUNZ: Nein. Einen körperlichen Verschleiß kann ich nicht erkennen. Ein bisschen wundert mich das ja selber, wie fit die Jungs geblieben sind - das ist auch eine Frage der Konzentration. Aber das Ziel, ins Finale zu kommen, treibt uns natürlich alle an.
Miroslav Klose hat in der Bundesliga kaum gespielt. Bei der Nationalelf ist er voll da. Gibts dafür eine Erklärung?
BUNZ: Er hatte Defizite in seiner körperlichen Verfassung, eben weil er kaum gespielt hat. Er ist ein Superprofi, der medizinisch schaut, dass er auf einem Top-Niveau ist.
Haben Sie außerhalb von den Hotels und den Stadien etwas von Südafrika mitbekommen?
BUNZ: Kaum. In Kapstadt haben wir früh morgens einen dreistündigen Ausflug mit den Betreuern gemacht. Wir Physiotherapeuten haben ja die Aufgabe, die ganze Zeit für die Spieler präsent zu sein. Wenn irgendeiner was hat, musst du halt da sein. Deshalb kriegt man vom Land und den Leuten kaum etwas mit.
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07.07.2010
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Wolfgang Bunz (Mitte) bildet mit Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt (links) schon lange ein Tandem im medizinischen Bereich. Foto: actionpress
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