Spanien dank Iniesta auf dem Thron
Johannesburg. Nach einem faden, dafür aber ruppigen WM-Finale hat Spannien den Thron bestiegen. Der amtierende Europameister setzte sich verdient mit 1:0 in der Verlängerung gegen die Niederlande durch.
Wer sonst hätte Spanien gestern zum WM-Titel in Südafrika schießen können. Wer außer Andres Iniesta, der kurz vor Ende der Verlängerung sein Team mit 1:0 in Führung schoss und danach mit seinen Kollegen den ersten WM-Triumph für die Südeuropäer überhaupt feierte.
Rein spielerisch konnten beide Mannschaften die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Spanien kam zwar deutlich besser in die Begegnung, deutete in einigen Situationen die Passgefährlichkeit mit guten Bällen in die Spitze an, aber nach rund zehn Minuten war es schon wieder vorbei. Danach entwickelte sich eine ausgesprochen ruppige Partie. Mark van Bommel polierte seinen Ruf als "Aggressivleader" (Ex-Bayern-Coach Klinsmann) wieder auf. Nach einem bösen Foul an Iniesta sah van Bommel nur Gelb und steckte danach nicht zurück. Nigel de Jong leistete sich ein rotwürdiges Einsteigen mit dem Fuß gegen Xabi Alonsos Brust. Die Spanier keilten zurück, wenn auch nicht so hart. Der englische Schiedsrichter Howard Webb hatte alle Mühe, für Ordnung zu sorgen.
Es war völlig unverständlich, warum sich beide Teams auf ein Duell dieser Art eingelassen hatten angesichts des spielerischen Potenzials, das in ihnen steckt. Insgesamt zehn Gelbe Karten und eine Ampelkarte für John Heitinga dokumentierten die Härte. Wenigstens versuchten beide Mannschaften, das eine oder andere Mal auch konstruktiven Fußball zu zeigen. Damit hätten die Niederländer in der 63. Minute bei ihrer bis dahin größten Chance auch fast Erfolg gehabt. Nach einem Steilpass von Wesley Schneijder lief Arjen Robben alleine auf den spanischen Keeper Iker Casillas zu, der den Schuss von Robben jedoch mit dem Fuß abwehren konnte. Kurz danach scheiterte auf der Gegenseite David Villa, der aus kurzer Distanz den Ball in die Wolken haute.
Spanien war gegen Ende der Partie am Drücker, die Holländer ließen sich zu sehr zurückdrängen, kamen allerdings vor allem durch Robben immer wieder zu gefährlichen Kontern. Die Partie bezog ihre Spannung alleine aus der Frage: Wer macht den ersten kapitalen Fehler - viel zu wenig für ein WM-Finale. Fast zwangläufig ging das Endspiel vor 84 490 Zuschauern in die Verlängerung, in der Iniesta dann traf.
Mit dem ersten WM-Titel haben Spaniens Ausnahmekönner ihren plötzlichen und steilen Aufstieg gekrönt. Zwei Jahre nach dem EM-Sieg in Wien überzeugten die "Furia Roja" am Kap mit effektiver und kollektiver Spielkultur endgültig die gesamte Welt. Zudem schaffte die "rote Bestie" das Kunststück, als erstes Team nach Deutschland (1972/74) nacheinander Europa- und Weltmeister zu werden.
Dabei drohte nach dem WM-Stolperstart durch das 0:1 gegen die Schweiz sogar das Vorrunden-Aus, weil die Mannschaft von Coach Vicente del Bosque zunächst nicht zu der gewohnten und von der Euro bekannten Spiel- und Kombinationssicherheit finden wollte.
Jedoch blieben Trainer, Spieler und das Umfeld ruhig und vertrauten weiterhin der eigenen Stärke. Das machte sich besonders in Effektivität beim Abschluss bemerkbar. Bei den drei 1:0-Siegen in der K.o.-Phase gegen Portugal im Achtelfinale, Paraguay im Viertelfinale und Deutschland im Halbfinale ließ das Team eine kontinuierliche Leistungssteigerung erkennen.
Jetzt gehen die Iberer mit ihrer "goldenen Generation" als insgesamt achter Weltmeister bei 19 Auflagen in die Fifa-Geschichte ein. Trainer-Routinier del Bosque hatte den Europameister im Herbst 2008 von Luis Aragonés übernommen, dabei jedoch die bewährte Taktik seines Vorgängers (und dessen knorrige Art) beibehalten. Die Spanier sammelten zehn Siege in den zehn WM-Qualifikationsspielen, der WM-Titel war statistisch gesehen Pflicht. Seit dem 15. November 2006 hat das Team nur zweimal verloren.
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12.07.2010
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Die Entscheidung: Spaniens Andres Iniesta (Nr. 6) zieht ab, der Niederländer Rafael van der Vaart (am Boden) kommt zu spät, und Torwart Maarten Stekelenburg bleibt nur das Nachsehen. Foto: apn
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