Serbien bastelt an Taktik gegen Deutschland

Johannesburg.  Serbien steht vor einem Alles-oder-Nichts-Spiel. Siegen oder wieder wegfliegen ist das simple Motto vor der Partie gegen Deutschland.

Wenige Tage vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Deutschland geht es ausgesprochen locker zu im Trainingscamp der serbischen Nationalmannschaft. Das "Sunny Side Park Hotel" in Johannesburg ist zwar nicht die allerbeste Adresse, aber eine solide. Trainer Radomir Antic spaziert im Trainingsanzug gemütlich umher, grüßt freundlich alle Anwesenden. Ein kleiner Kunstrasen-Fußballplatz mit Toren, in einen Übergang zur Rezeption gezwängt, kann dort unmöglich auf eine ernsthafte Prüfung warten.

Die auf den ersten Eindruck entspannte Atmosphäre täuscht jedoch über den wahren Gemütszustand im serbischen Lager hinweg. Der ist mit "angespannt" noch sehr freundlich umschrieben. Am Freitag steht in Port Elisabeth die Partie gegen Deutschland auf dem Programm. Nach der 0:1-Auftaktpleite gegen Ghana muss Serbien gewinnen, um sich die Chance auf die Teilnahme am Achtelfinale zu bewahren. Der Einzug in die Runde der letzten 16 wäre für das kleine Land das erste Mal. Erst seit August 2008 und einer Entscheidung des Weltverbandes Fifa darf Serbien überhaupt als Serbien bei internationalen Spielen an den Start gehen. Bei der WM 2006 in Deutschland trat der Verband noch unter Serbien-Montenegro an.

Und ausgerechnet in dieser Situation verbreitet der kommende Gegner Angst und Schrecken und lässt das Vorhaben als zumindest kühn erscheinen. "Wir müssen die Niederlage gegen Ghana abhaken und uns auf Deutschland konzentrieren. Die haben bei dieser WM den bisher besten Fußball gespielt. Die Deutschen sind wie Maschinen. Ich glaube aber immer an den Erfolg", sagte Milan Jovanovic, der mit fünf Toren in acht WM-Qualifikationsspielen einen großen Anteil daran hat, dass sein Team jetzt überhaupt in Südafrika auftreten darf.

Aber der 29-Jährige war eben auch einer, der seine Qualitäten gegen Ghana nicht einbringen konnte - wie eigentlich die gesamte Mannschaft. Beim FC Liverpool war man dennoch so beeindruckt, dass man den technisch beschlagenen und eleganten Jovanovic, der momentan noch bei Standard Lüttich unter Vertrag steht, für die Spielzeit 2010/2011 verpflichtet hat. Alles müsse gegen Deutschland anders, besser werden, sagte Jovanovic: "Wir müssen den Ball besser halten, weniger Ballverluste riskieren. Vielleicht müssen wir auch etwas ganz Überraschendes tun." Die Serben haben nicht mehr viel Zeit, um Ideen zu entwickeln.


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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 16.06.2010

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