Noch ein Spiel bis zum Ruhestand
Kapstadt. 35 Jahre musste Giovanni van van Bronckhorst werden, um mit der niederländischen Nationalmannschaft so einen Erfolg feiern zu dürfen. Und der Routinier hat großen Anteil am Einzug ins Finale gegen Spanien.
Arjen Robben fand einfach keinen Abschluss. Nur noch spärlich bekleidet, mit kurzer Hose und Unterhemd, stieg er immer wieder auf ein Podest und ließ sich von den Fans feiern. 5000 Niederländer waren im Green-Point-Stadium in Kapstadt, rund 20 000 Holländer leben in der Stadt am Atlantischen Ozean. Und die alle waren auf den Beinen, als die Nationalmannschaft mit einem 3:2 (1:1)-Erfolg über den zweimaligen Weltmeister Uruguay den Einzug ins WM-Finale gegen Spanien perfekt machen konnte.
Irgendwann musste auch der Flügelflitzer des deutschen Bundesligisten FC Bayern wieder auf den Boden der Tatsachen. Peu á peu realisierte Robben, was er als Torschütze, was das Team mit überschaubarerer Mühe erreicht hatte: "Oranje" steht nach 1974 und 1978 erneut in einem WM-Endspiel. Und es gibt viel Raum, die Statistik zu verbessern, denn bisher gab es zwei Niederlagen (gegen Deutschland und Argentinien). "Es ist unglaublich, ein super Gefühl. Nach 32 Jahren stehen wir wieder im Finale, das ist eine super Leistung. Jetzt hoffen wir natürlich zu gewinnen", machte der Rechtsaußen aus seinem persönlichen Ziel kein Hehl. Nichts anderes zählt auch für Mark van Bommel. "Das ist meine letzte WM, meine letzte Chance. So eine Gelegenheit will ich mir nicht entgehen lassen", sagte der Bayern-Profi.
Für Robben war dieser Dienstagabend ein Feiertag, für van Bommel, für die gesamte Mannschaft, für das Land. Dennoch gab es auch einen, für den dieser Tag eine wohl noch größere Bedeutung hatte und wohl für immer haben wird: Giovanni van Bronckhorst. Die Partie gegen die Südamerikaner war das 105. Länderspiel des 35-Jährigen. Der erzielte mit einem unglaublichen Linksschuss aus über 30 Metern das so wichtige 1:0 für seine Mannschaft in einer Phase, als es nicht so richtig nach einer Führung für die Holländer ausgesehen hatte. Es war sein sechstes Länderspieltor. Dass van Bronckhorst vor dem Turnier seinen Rücktritt nach der WM angekündigt hatte und er sich nun mit einem Finale verabschiedet, ist diese berühmte Kleinigkeit, die daraus eine ungewöhnliche Geschichte macht.
Der Defensivspezialist, der seine letzten drei Jahre bei Feyenoord Rotterdam spielte, nahm das pragmatisch hin. "Es gab nach der Partie keine Tränen, nur Freude. Das letzte Spiel in meiner Karriere, und es ist ein WM-Finale, was soll man sagen? Ich hoffe, dass es das schönste Spiel meines Lebens sein wird", sagte der Routinier. Auch Robben freute sich für seine Kapitän. "Es ist super für ihn. Er macht das letzte Spiel seiner Karriere in einem WM-Endspiel, das ist doch fantastisch", meinte der Wahl-Münchner. Van Bronckhorst feierte sein Debüt in der niederländischen Nationalmannschaft 1996 und machte die Hundert voll beim Auftaktspiel gegen Dänemark.
Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen, dass die Holländer es mit einem neuen Fußballstil, vergleich mit dem neuen - allerdings auch gescheiterten - Pragmatismus der Brasilianer bis ins Finale schaffen würden. Dass selbst die Holländer damit nicht gerechnete hatten, wurde gestern deutliche. Der Tross des "Koninklijke Nederlandse Voetbalbond" (KNVB) stand nämlich kurzfristig ohne Quartier da. Die Elftal hatte ihr Teamzuhause in Johannesburg nicht bis zum Finale am 11. Juli gebucht. Man habe nicht damit gerechnet, dass die Auswahl so weit kommen würde, ließ er KNVB verlauten. Nun hat er das Theater.
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08.07.2010
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