Löw lässt den DFB zappeln

Pretoria.  Die Zeit drängt. In gut vier Wochen findet bereits das nächste Länderspiel statt. Und die deutsche Nationalelf hat keinen Trainer. Denn Joachim Löw hat sich noch nicht entschieden, ob er weiter macht.

Wie oft Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Anfang Februar aufgrund von Indiskretionen seinerseits gescheiterte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw inzwischen schon bereut haben mag? Denn mit jedem erfolgreichen Spiel mehr - das 3:2 gegen Uruguay war ein solches - rückt der Bundestrainer in eine noch bessere Position. Kein Mensch würde es dem DFB-Präsidenten verzeihen, sollte er es nicht schaffen, Löw als Nationaltrainer zu halten.

"Wir haben ein weltmeisterliches Turnier gespielt, obwohl wir den großen Coup nicht geschafft haben. Die Mannschaft hat ein Bild der Geschlossenheit abgegeben", weiß der Bundestrainer um seine gute Ausgangsposition. Doch er lässt Zwanziger, der im Oktober selbst zur Wiederwahl steht, weiterhin zappeln: "Ich muss mir überlegen: habe ich weiterhin die Kraft, diese Mannschaft zu führen", sagt Löw. Nach den gescheiterten Verhandlungen Anfang Februar hatte Löw diese Entscheidung bis nach der WM ausgeklammert - und blieb bis heute konsequent bei dieser Linie. "Ich habe mich nur mit der WM und nicht mit meiner Zukunft beschäftigt", so Löw. Und auch in den nächsten Tagen wird sich Zwanziger noch gedulden müssen. Er müsse erst vom emotionalen Ausnahmezustand, den die vergangenen aufregenden WM-Tage bewirkt haben, wieder runter, sagt der Bundestrainer. "Dann werde ich hoffentlich wieder auf positive, auf kreative Gedanken kommen."

Die Lorbeerkränze werden Löw von anderer Seite gebunden. Von Christian Wulff, dem neuen Bundespräsidenten zum Beispiel. Der schlug als Überraschungsgast bei der Abschluss-Pressekonferenz des DFB Löw sogar für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vor. "In Deutschland weiß man sehr wohl, welche Verdienste Sie haben", wandte er sich an Löw (und indirekt auch an Zwanziger). "Die Nationalmannschaft war der beste Botschafter für ein buntes Deutschland. Für mich ist diese Mannschaft in jeder Hinsicht stilbildend."

Nach ein paar Tagen des Nachdenkens möchte sich Löw zunächst mit Teammanager Oliver Bierhoff beraten. Sollten sich beide zum Weitermachen durchringen, würden Gespräche mit dem DFB unter Federführung von Theo Zwanziger folgen. Damit ist realistischerweise in frühestens einer Woche zu rechnen.

Doch die Zeit drängt. Die meisten Spieler starten heute in einen maximal dreiwöchigen Urlaub. Doch schon am 11. August steht das nächste Test-Länderspiel auf dem Programm (in Kopenhagen gegen Dänemark). Anfang September beginnt bereits die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Die deutschen Gruppengegner sind Aserbaidschan, Belgien, Kasachstan, Österreich und die Türkei.

"Das Herz sagt mir, wir haben eine große Zukunft vor uns. Wenn wir so weiter machen und uns stetig verbessern, werden wir es schaffen", ist sich Bastian Schweinsteiger sicher. Die Mannschaft steht geschlossen hinter Löw. Er, der Genussmensch, hat dem Team Fußball zum Genießen beigebracht. Matthias Sammer, der heißeste Bundestrainer-Kandidat im Falle eines Löw-Verzichts, ist ein ganz anderer Typ, ein Arbeiter. Unter ihm würde sich auch die Nationalelf wieder verändern. Das weiß auch Löw - und müsste eigentlich allein aus diesem Grund seinen Vertrag verlängern.


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