Fiebrig ins kleine Finale
Pretoria. Dass eine Mannschaft dem WM-Spiel um Platz drei entgegenfiebert, ist ungewöhnlich. Das deutsche Team tut es. Denn einige sind krank - erhöhte Temperatur. Am schlimmsten erwischt hats den Bundestrainer.
Das Spiel um Platz drei bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ist wie eine Wundertüte: Man weiß nie, was dabei raus kommt. Ein müder Kick zweier enttäuschter Halbfinal-Verlierer? Oder ein begeisterndes Spiel, frei und ohne alle Zwänge? Beide Varianten hat es in der 76 Jahre alten Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft schon zur Genüge gegeben.
Heute Abend (20.30 Uhr) werden wir sehen, was diesmal in der Wundertüte steckt. Dann geht es im Nelson Mandela Bay Stadion von Port Elizabeth, jener Arena also, in der Deutschland sein zweites Gruppenspiel gegen Serbien mit 0:1 verloren hatte, gegen Uruguay.
Dieses "kleine Finale" stand bereits 1970 auf dem Programm. Damals hatte das deutsche Team von Helmut Schön Hitzewallungen. Damals allerdings nur wegen der hohen Temperaturen in Mexiko. Zudem steckten den Deutschen die beiden vorangegangenen 120 Minuten gegen England (3:2 im Viertelfinale) und Italien (3:4 im Halbfinale) in den Knochen. Die Südamerikaner spielten teilweise hart und waren überlegen, doch Wolfgang Overath erzielte das einzige Tor für die müden Deutschen.
Das Spiel um Platz drei vor vier Jahren in Stuttgart gegen Portugal, bleibt in erster Linie als stimmungsvolle Partie zum Ende des Sommermärchens in Erinnerung. Die Fans feierten die Spieler, die sich mit einem 3:1-Sieg bedankten und sich am nächsten Tag auf der Berliner Fanmeile feiern ließen.
Dieses Mal stehen die Vorzeichen nicht gut. Mit Kapitän Philipp Lahm, Lukas Podolski und Joachim Löw haben gleich drei Mitglieder der deutschen Delegation erhöhte Temperatur. Nicht wegen der Anspannung vor dem "kleinen Finale" Sie leiden an einer fiebrigen Erkältung. Am schlimmsten hat es den Bundestrainer erwischt, der gestern mit Schüttelfrost im Bett lag und das Training seinem Assistenten Hansi Flick überlassen musste. Er sitzt heute aber dennoch auf der Bank. Die zahlreichen Reisen, der Stress, die Höhenunterschiede an den verschiedenen Spielorten (0 bis 1750 Meter Meereshöhe) und die Enttäuschung nach dem Halbfinal-Aus dürften zur Grippewelle beigetragen haben. Zudem drohen auch Torhüter Tim Wiese, der von Beginn an eingeplant war (Schleimbeutelentzündung im Knie) und Miroslav Klose (Rückenprobleme) auszufallen. Ausgerechnet Klose. Ihm fehlt ein Treffer, um in der Hitparade der besten WM-Torjäger mit dem führenden Brasilianer Ronaldo (15 Treffer) gleichzuziehen. Ein Ziel, das der Münchner im Hinterkopf hat.
"Wir werden bei keinem der angeschlagenen Spieler ein Risiko eingehen, auch mit Blick auf ihre Vereine", sagt Manager Oliver Bierhoff, "aber wir werden dieses Spiel dennoch ernsthaft angehen." Schließlich soll der letzte Eindruck das Gesamtbild, das die DFB-Auswahl bei dieser WM geboten hat, positiv abrunden. Dazu beitragen dürften auch der Stuttgarter Serdar Tasci und Dennis Aogo (HSV), die bislang als einzige Feldspieler noch ohne WM-Einsatz sind.
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10.07.2010
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