Ein 2:0 auf Umwegen
Johannesburg. Die niederländische Fußball-Nationalmannschaft ist mit einem 2:0 (0:0)-Sieg gegen Dänemark ins WM-Turnier gestartet. Ein Eigentor von Daniel Agger hat es dem Team um Mark van Bommel einfach gemacht.
Das Wetter war so, dass sich beide Mannschaften eigentlich wie zuhause gefühlt haben müssten. Blauer Himmel, ein frischer Wind, so wie an der herbstlichen See - entweder Rømø also oder Noordwijk.
Aber sowohl die niederländische Nationalmannschaft als auch das dänische Fußball-Volk brauchen wohl noch Zeit, um sich in Südafrika zu akklimatisieren. Diesen Eindruck jedenfalls haben beide Teams gestern im Soccer-City-Stadion in Johannesburg gemacht. Inklusive Nachspielzeit insgesamt spröde 93 Minuten, in denen sich beide Mannschaften einen Vorteil zu erspielen versuchten. Aber "Fußball total" wurde so wenig angeboten wie "danish dynamite".
Es gab dann aber doch noch einen Vorteil und deshalb auch einen Gewinner. Gerade einmal 45 Sekunden waren nach dem Seitenwechsel gespielt, ein Teil der rund 83 000 Zuschauer dachte womöglich schon wieder daran, wie in der ersten Halbzeit die "Welle" als Gegenschlag für die Vuvuzelas ins Rollen zu bringen, da ereilte die Dänen ein schwer Schlag. Nach einer Flanke des Niederländers Robin van Persie von der linken Seite verordnete sich die Defensive eine kollektive Auszeit. Simon Poulsen köpfte den Ball - es war als Rettungsaktion gedacht -, auf den Rücken von Daniel Agger, von dort kullerte der Ball an den Pfosten und ins Tor. Der Ex-Schalker war sich nach der Partie seiner unfreiwilligen Weichenstellung sehr wohl bewusst. "In der ersten Halbzeit ist für uns alles perfekt gelaufen, unser Plan hat funktioniert. Gleich nach dem Wiederanpfiff kam dann mein Eigentor. Ich wollte die Flanke richtig wuchtig wegköpfen. . . - dadurch hat sich das Spiel komplett verändert", räumte Poulsen zerknirscht ein. Ähnlich sah das auch Trainer Morten Olsen: "Wenn wir dieses unglückliche Gegentor nicht bekommen hätten, hätte es auch anders laufen können. Die Führung hat den Niederländern in die Hände gespielt."
Mit dem 1:0 im Rücken und etwas von dem Druck befreit, zeigten die Niederländer zwar den einen oder anderen gelungenen Spielzug, einer führte in der 85. Minute zum 2:0-Endstand durch Dirk Kuyt, doch vieles blieb Stückwerk rund um Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart.
Was sich allerdings ändern soll, wenn Arjen Robben wieder dabei sein wird. Der Flügelflitzer des FC Bayern wurde nach seinem Muskelfaserriss noch geschont. Bondscoach Bert van Marwijk macht um die Rückkehr und den Wert des Oranje-Stars ein Geheimnis. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir Arjen vermisst haben. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, der mit seiner Schnelligkeit den Unterschied machen kann. Doch davon haben wir auch einige andere im Team", meinte der Trainer. Mark van Bommel hofft indes auf eine schnelle Rückkehr Robbens. "Er ist eigentlich fit, er muss jetzt mit der Mannschaft trainieren", sagte der Bayern-Kapitän, der für den eher schwachen Turnierstart auch die Bedingungen verantwortlich machte: "Der Ball hoppelte jedes Mal."
Der erste Auftritt der Niederländer hatte sogar noch schlechter begonnen, als er dann endete. Es war nicht nur wegen des Eigentors ein Sieg auf Umwegen: Weil der Fahrer des Teambusses die falsche Abfahrt genommen hatte, ist die "Elftal" gestern mit 20 Minuten Verspätung im Soccer-City-Stadion von Johannesburg eingetroffen. "Solche Dinge ärgern mich", schimpfte van Marwijk.
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15.06.2010
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Torschütze zum 2:0-Endstand gegen Dänemark: Dirk Kuyt - gefeiert freilich nur von den Oranje-Fans. Fotos: dpa (2), apn
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