Die Geschichte wiederholt sich
Durban. Deutschland hat es nicht geschafft. Im WM-Halbfinale musste sich das Team von Joachim Löw den überlegenen Spaniern 0:1 geschlagen geben. Sehen Sie dazu auch unsere Videos!
Espana si, Deutschland nein, nein, nein. Wie im EM-Finale vor zwei Jahren musste sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den überlegenen Spaniern mit 0:1 geschlagen geben. Innenverteidiger Carles Puyol köpfte in der 73. Minute das goldene Tor. Während die Südeuropäer zum ersten Mal in ihrer Geschichte das WM-Finale erreichten (am Sonntag gegen die Niederlande), muss sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw wie schon vor vier Jahren mit dem Spiel um den dritten Platz (am Samstag gegen Uruguay) begnügen. Diese Konstellation gab es auch bei der WM 1970, als Deutschland durch ein Tor von Wolfgang Overath 1:0 gewann und Dritter wurde.
Ein bisschen fühlte man sich in Durban wie in einer Stierkampfarena. Die in ihren roten Trikots angetretenen Spanier - der Spitzname der Mannschaft lautet "rote Furie" - agierten wie ein Torero. Sie kontrollierten die Begegnung. Lässig und leicht ließen sie den Ball gekonnt in ihren Reihen zirkulieren, hatten im ersten Durchgang 58 Prozent Ballbesitz und versuchten mit viel Geduld, eine Blöße im deutschen Team zu finden. Doch alle Finten, Tricks und Körpertäuschungen, um den deutschen "Stier" zu stechen, halfen zunächst nichts.
Die deutsche Elf agierte bei weitem nicht so verspielt. Sie setzte, sobald sie in Ballbesitz war, auf Konter als erste Stichwaffe. Die Elf von Joachim Löw wirkte zielstrebiger und direkter als die Spanier - aber zunächst genauso erfolglos.
Den ersten "Höhepunkt" setzte einer, der in keinem WM-Aufgebot verzeichnet ist. In der vierten Minute lief ein mit einer Vuvuzela "bewaffneter" Zuschauer auf den Rasen, doch zwei Ordner bekamen den Flitzer schnell in den Griff.
Die erste spanische Chance folgte gleich darauf in der siebten Minute. Der nur 1,69 Meter große Pedro, den Trainer Vicente del Bosque für den im bisherigen Turnierverlauf enttäuschenden Angreifer Fernando Torres in die Startformation gebracht hatte, schickte Torjäger David Villa steil. Doch Torhüter Manuel Neuer konnte im Herauslaufen gerade noch klären. Ein Kopfball des aufgerückten Verteidigers Carles Puyol ging drüber (14.) Richtig gefährlich war dies nicht wie auch der Rest, der in den ersten Halbzeit noch folgte.
Auch die deutsche Elf konnte sich bei dem taktischen Geduldspiel in den ersten 45 Minuten kaum einmal eine klare Tormöglichkeit erarbeiten. Piotr Trochowski, der im rechten Mittelfeld für den gelb-gesperrten Thomas Müller in die Startformation aufgerückt war, prüfte Spaniens Torhüter Iker Casillas in der 32. Minute, doch der wehrte zur Ecke ab. In der 45. Minute kam Mesut Özil nach einer Berührung durch Sergio Ramos im Strafraum zu Fall - doch zu einem Strafstoß mochte sich der gute ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai nicht durchringen.
Nach einer knappen Stunde sah es danach aus,, als würden die Spanier den Stier auf die Hörner nehmen. Nun häuften sich ihre Chancen. Ein Glück, dass Manuel Neuer in der 58. in höchster Not gegen Xabi Alonso retten konnte. Der Druck auf die deutsche Mannschaft wurde immer größer. Die Begegnung erinnerte nun an das EM-Finale vor zwei Jahren in Wien, als die Iberer ebenfalls stark dominierten. Löw reagierte und brachte Marcell Jansen sowie Toni Kroos für Jerome Boateng und Trochowski. Der künftige Bayern-Spieler war es auch, der in der 69. Minute Casillas mit einem Schuss aus zwölf Metern prüfte.
Es war nur die letzte Entlastung vor dem entscheidenden Stich. Den setzte jedoch nicht etwa Torjäger Villa oder einer der Mittelfeldstars Iniesta oder Xavi, sondern Verteidiger Puyol. Der war bei einem Eckball nach vorne geeilt und köpfte das Leder wuchtig zum 1:0 (73.) in die Maschen - die entscheidende Stich dieses Halbfinales. Deutschland reagierte gereizt, warf nun zwangsläufig alles nach vorn - und die Spanier fuhren jetzt die Konter, die auch einen höheren Sieg möglich machten. Auch die Einwechslung des Deutsch-Spaniers Mario Gomez bewirkte nichts mehr.
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Autor: GEROLD KNEHR | 08.07.2010
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Bastian Schweinsteiger (l) lässt sich von Sergio Ramos nicht überrumpeln.
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