Der Unterschied im Duell der Strategen

Durban.  Strategen unter sich. Zentimeter für Zentimeter kämpften Xavi und Andres Iniesta hier, Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira dort um die Chefrolle im Mittelfeld. Vorteil Spanien, nicht nur des 1:0 wegen.

Auf den ersten Blick ist kein Unterschied auszumachen. Was für Zwillinge ja nicht ungewöhnlich ist. Bei genauer Betrachtung jedoch tun sich spürbare Unterschiede auf. Unterschiede im deutschen und im spanischen Herzstück - dem Mittelfeld.

Was für das DFB-Ensemble Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sind, verkörpern Xavi und Andres Iniesta für die Spanier. Die Versicherung eben. Irgendwie sind die beiden Pärchen vergleichbar - und irgendwie doch nicht. Das fängt bei den Rückennummern an. Hier 6 (Khedira) und 7 (Schweinsteiger) - dort 6 (Iniesta) und 8 (Xavi). Und geht bei der Erfahrung weiter. Die Spanier kennen sich in- und auswendig, schließlich gehen sie nicht nur im Nationaltrikot, sondern auch im Alltag beim FC Barcelona gemeinsame Wege. Jeder weiß wie im Schlaf, wohin der andere läuft.

Schweinsteiger und Khedira haben hingegen erst kurz vorm Ernstfall Südafrika begonnen, sich aufeinander abzustimmen. Bevor Louis van Gaal als Trainer zum Bayern kam, war dem einstigen Außenbahnspieler Schweinsteiger das Zentrum des Rasen-Rechtecks kaum vertraut gewesen. Und erst das Verletzungspech von Michael Ballack spülte den Stuttgarter Khedira in die Rolle von Schweinsteigers neuem Partner.

Doch Spaniens Trainer Vicente del Bosque lässt sich von der fehlenden gemeinsamen Praxis der beiden Deutschen nicht blenden. "Jeder von ihnen hat solch eine Spielintelligenz, dass fehlende Erfahrung kein Nachteil sein muss."

Blumen, die sein Kollege Joachim Löw umgehend zurückgibt. "Xavi und Iniesta bestimmen Rhythmus - und davon profitiert Villa", schätzt der Bundestrainer das kreative spanische Element. "In diesem Mittelfeldbereich müssen wir uns Vorteile erarbeiten. Wir müssen die Akzente setzen", hatte er noch kurz vor dem Anpfiff gefordert.

Allein: Es blieb ein frommer Wunsch. Lange Zeit neutralisierten sich die beiden Pärchen in Durban. Bis dann die besser aufeinander abgestimmten Iberer entscheidenden Anteil daran hatten, dass sich die Waage zunehmend auf ihre Seite neigte. Es war kein Spektakel, das Xavi und Iniesta auszeichnete, sondern die Ruhe am Ball - auch wenn beide mit dem Tor des Abends, das Carles Puyol mit brachialer Gewalt nach einer Ecke köpfte, nicht mittelbar etwas zu tun hatten. Die Summe an Kleinigkeiten entschied letztlich das Spiel - nicht nur, aber doch eben entscheidend auch im Mittelfeld. Wenngleich Xavi hinterher einräumte: "Es war ein verdammt hartes Stück Arbeit."

Auch wenn sich die Wege der beiden Gespanne für den Rest des Turniers trennen: Es ist anzunehmen, dass sich die vier noch häufiger über den Weg laufen oder auf den Füßen stehen. Die beiden Spanier sind zwar routinierter - aber vor allem Iniesta (26) sieht ungleich älter aus, als er es ist. Und auch von Xavi (30) darf man erwarten, dass er die nächste Europa- und Weltmeisterschaft noch nicht aus Perspektive vorm Fernseh-Sessel erlebt.

Aber vielleicht dauert das Wiedersehen ja gar nicht bis zum nächsten großen Turnier. Denn Schweinsteiger (25) und Khedira (23) sollen bei Real Madrid, dem verhassten Konkurrenz-Giganten des FC Barcelona, im Gespräch sein. Nur: Wer ist das in diesen Tagen nicht?


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Autor: GEROLD KNEHR | 08.07.2010

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