Der "Hai" lässt sich nicht einfangen

Durban.  Alle feierten Carles Puyol. Seine Teamkollegen ebenso wie die Fans daheim in Spanien. Doch der Matchwinner selbst genoss den Triumph still.

Beim FC Barcelona genießt er als Kapitän und Kämpfertyp längst Kult-Status. Mit seinem wuchtigen Kopfballtor im WM-Halbfinale gegen Deutschland hat sich Carles Puyol nun auch in der "selección" verewigt. "El tiburón hat seinen Platz in der Geschichte des spanischen Fußballs sicher", würdigte das Fachblatt "Marca" den spektakulären Siegtreffer des knorrigen Abwehrrecken mit dem Spitznamen "der Hai". Das 1:0 war Puyols drittes Tor im 89. Länderspiel.

Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero, ein großer Barça- Fan, schwärmte über den Helden der magischen Nacht: "Puyol ist ein ganz Großer. Was für ein Kopfball!" Im Stil des einstigen Kopfball-Ungeheuers Horst Hrubesch torpedierte der nur 1,78 Meter große Innenverteidiger den Ball unter die Latte.

Auch Spaniens Medien überschlugen sich. Plötzlich stand einer der wenigen Fußball-Arbeiter aus dem technisch versierten Star-Ensemble im Mittelpunkt. "Über seinen Treffer werden noch Generationen begeistert sprechen", versicherte die seriöse "El País". Und "Sport" urteilte: "Der Treffer "Puyis" steht für die Werte des FC Barcelona und jene, die Spanien zum Titel führen werden." Seit 15 Jahren spielt Puyol für den katalanischen Kult-Klub. Nach dem Triumph ging er mit nassen Haaren und strahlendem Lächeln an den Journalisten vorbei. Obwohl er Geschichte geschrieben hatte, kommentierte er wie üblich die Partie nicht.

In der nordspanischen Katalanen-Hauptstadt Barcelona, in der am Wochenende wieder eine Großdemonstration gegen Spanien und für eine "eigene katalanische Nation" stattfindet, wurde der Final-Einzug enthusiastisch gefeiert. Der katalanische Stolz wird dadurch beflügelt, dass die meisten Kicker von "Barca" stammen. Dass dürfte die katalanischen Provinzpolitiker ermutigen, wieder einmal auf eine eigene Nationalmannschaft Kataloniens zu drängen. In der Hoffnung, dass die Welt dann irgendwann einmal ein Finale Katalonien gegen Spanien zu sehen bekommt.

Auf Mallorca, Deutschlands Lieblingsinsel, organisierten die spanischen Fans einen nächtlichen Triumphzug durch die germanischen Touristenviertel an der Playa de Palma. Ein Tsunami aus rot-gelben Spanien-Flaggen ergoss sich in die "Schinkenstraße" und "Bierstraße", den Epizentren des deutschen Frohsinns sowie Kampftrinkens. Keine hässlichen Zwischenfälle, meldete Mallorcas Polizei, aber jede Menge Verbrüderung. Die "alemanes" zeigten sich als gute Verlierer, die "espanoles" als würdige Gewinner. "Uns trennen nur noch 90 Minuten vom WM-Titel", jubelte "Marca".


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Autor: RALPH SCHULZE UND DPA | 09.07.2010

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