Vor Finale: Südafrika will langfristigen WM-Nutzen
Johannesburg. Die Skeptiker sind verstummt, die Fußball-Welt zollt größten Respekt: Nach vier Wochen Fußball-Party am Kap fiebert Südafrika dem WM-Finale entgegen. Chefplaner Danny Jordaan denkt aber schon über den Endspiel-Sonntag hinaus.
Der Stratege des afrikanischen Premierenturniers hat seine Landsleute eindringlich aufgefordert, das Stimmungshoch für langfristige Veränderungen zum Guten zu nutzen - in allen gesellschaftlichen Problemzonen. «Wir müssen sicherstellen, dass unser Stolz nicht nur 90 Minuten währt. Wir müssen dieses Gefühl auf andere Lebensbereiche übertragen», sagte er in Johannesburg.
Die erste Fußball-WM in Afrika hat den ganzen Kontinent bewegt. 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist der «soziale Gewinn» für Südafrika unbezahlbar, meinte Jordaan. Seinen Fünf-Punkte-Plan sieht der Top-Funktionär und frühere ANC-Aktivist in allen Belangen erfüllt. Das Turnier habe die Regenbogen-Nation geeint. Der Tourismus wurde angekurbelt, die Infrastruktur ausgebaut. Das Image des Landes habe sich verbessert. Und die Sicherheit im Lande sei spürbar gestiegen. Das Sportliche war bei der Entwicklungshilfe-WM sekundär.
Tatsächliche Konzepte für einen langfristigen Turnierbonus ökonomischer wie sozialer Art für Südafrika gibt es aber offenbar noch nicht. Es herrscht das afrikanische Prinzip Hoffnung. Immerhin sportlich soll es für die in der Vorrunde gescheiterte «Bafana Bafana» aufwärtsgehen. Der ökonomische Ertrag von 80 bis 100 Millionen Dollar müsse in die Fußball-Infrastruktur des Landes investiert werden, forderte Jordaan. Als Vorbild nannte er die USA, die sich seit der Heim-WM 1994 für alle folgenden Turniere qualifizieren konnte.
Jordaan blickt aber immer wieder gerne über ökonomische wie sportliche Kriterien hinaus und kann sich ein spöttisches Nachkarten gegen alle Südafrika-Skeptiker aus Europa nicht verkneifen. Das Turnier der Angst ist zu einem Turnier der Lebensfreude geworden. «Der Schlüssel war, wie die Menschen das Turnier umarmt und geprägt haben. Die Welt hat gesehen, dass wir eine solche Veranstaltung organisieren können», sagte er. An Unterstützung aus aller Welt mangelt es nicht. Auch Sommermärchen-Architekt Franz Beckenbauer bekannte: «Jetzt kann man sagen, das war eine perfekte WM.»
Offenbar hatte selbst Jordaan nicht mit so einem großen Imageerfolg gerechnet. Jahrzehnte der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit im Apartheidsregime hinterlassen auch heute noch ihre Spuren. «Die Menschen haben gesagt bekommen, dass sie minderwertig sind. Sie sind mit gesenkten Köpfen gegangen. Jetzt haben wir gelernt, aufrecht zu gehen», beschrieb der 58-Jährige die soziale Besonderheit des Turniers.
Die 19. Fußball-WM war so politisch wie keines ihrer Vorgängerturniere. Das trotz kleinerer bis mittlerer Organisationspannen aufgegangene FIFA-Wagnis hat am Kap neben aller Erleichterung auch Begehrlichkeiten nach noch Größerem geweckt. Olympia 2020 heißt das neue Schlagwort, das Jordaan aber erstmal bei Seite schiebt. «Wie behalten wir diese Atmosphäre? Es ist ein so großer Stolz für den ganzen Kontinent», sagte er.
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10.07.2010
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WM-Organisationschef Danny Jordaan.
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