Begeisterter Blatter: Bestnote für Südafrika

Johannesburg.  Bestnote für den Gastgeber, größte Ehrbekundung für Nelson Mandela, aber keine Komplimente für die Stars: Joseph Blatter hat in seinem sehr persönlichen WM-Fazit das erwartete Verbal-Feuerwerk für Südafrikas Turnier-Organisatoren gezündet - und sich damit auch selbst gelobt.

«Perfektion existiert nirgendwo. Ich würde neun von zehn Punkten geben und damit bekommt man an der Universität ein Summa cum laude», sagte Blatter bei einer Pressekonferenz in Johannesburg zum Abschluss der ersten Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent.

Nach der Generalprobe Confederations Cup hatte Lehrmeister Blatter noch eine 7,5 verteilt und die Südafrikaner ein wenig brüskiert. Am Tag nach dem großen Finale, waren nun alle glücklich. Blatter dankte ausdrücklich den Menschen in Südafrika für die herzliche Aufnahme der Fußball-Welt. «Ihnen gebührt ein großes Kompliment. Wir haben eine wundervolle Gastfreundschaft erlebt», sagte der 74-Jährige. «Wir sind zufrieden und ein bisschen mehr als nur ein bisschen glücklich.» Das Risiko, Südafrika als WM-Ausrichter zu vertrauen, hat sich für den Schweizer gelohnt. Er geht durch den Organisationserfolg gestärkt ins Jahr der nächsten Präsidentenwahl 2011.

Bei allem Jubel über eine weitgehend reibungslose WM bleiben für den Weltverband FIFA einige Fußball-Baustellen. Blatter musste seine ganze Funktionärserfahrung in die Waagschale werfen, um den verbalen Drahtseilakt zu schaffen, weder die Spieler der Niederlande für ihre harte Spielweise im Finale («Es gab nicht die Art von Fair Play im Finale, die ich erwartet habe.»), noch den Schiedsrichter Howard Webb («Er hatte eine sehr, sehr schwere Aufgabe.») zu kritisieren.

Nochmals machte Blatter klar, dass die schlechten Referee-Leistungen zu neuen Diskussionen führen werden. Wer genau zuhörte, vernahm aber die Botschaft des FIFA-Chefs. Viel wird sich nicht ändern, Tor-Technologie und Chip-Ball sind bei Blatter weiter nicht en vogue. «Fußball ist menschlich. Fehler sind menschlich. Das wird so bleiben», sagte er.

Auf eine sportliche Turnierbilanz wollte er sich außer einer ausdrücklichen Gratulation an den Weltmeister Spanien nicht einlassen. Ihm selbst hätte das sportliche Niveau Freude bereitet. Aber auch hier kam die Kritik zwischen den Zeilen: «Die technischen Leiter entscheiden über die Spielweise.»

Und die Statistiken sprechen eine dürftige Sprache. Der neue Welt-Champion schoss nur acht Tore, insgesamt fielen im Schnitt so wenig Tore (2,27 pro Spiel) wie seit 1990 nicht mehr. Immerhin war die WM trotz des Kartenfestivals im Finale fairer als sonst. 3,8 Verwarnungen pro Spiel sind ebenfalls ein Tiefstwert seit 20 Jahren. Die Zuschauerbilanz machte Blatter froh. 3,18 Millionen Menschen sahen die Spiele, ein Schnitt von 49 670 pro Partie und der drittbeste WM-Wert nach 1994 und 2006.

Der wichtigste Besucher kam ohnehin zum Schluss. Nelson Mandela. Der Auftritt des Volkshelden vor dem Finale bewegte die Welt und auch den FIFA-Boss. Vor seinem Rückflug in die Schweiz sollte sein letztes Statement in Südafrika dem südafrikanischen Freiheitskämpfer gelten: «Dieser Mann hatte den Traum, die Fußball-WM in seinem Land zu haben. Dieser Traum ist Wirklichkeit geworden. Mit diesem Momentum möchte ich die WM beenden. Er ist der bemerkenswerteste Mensch der Welt: Nelson Madiba Mandela.»


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12.07.2010

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