Südafrikaner unbändig stolz: «Yes, we can!»
Kapstadt. Südafrika hat es geschafft. Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Fußball-WM 2010, die erste in Afrika, war eine rundum gelungene Veranstaltung - nicht nur weil Südafrikas Präsident Jacob Zuma und FIFA-Boss Joseph Blatter den herausragenden Erfolg preisen.
«Afrika kann stolz sein. Südafrika kann noch stolzer sein. Sie haben einen großartigen Job gemacht», sagte Blatter. «Wir sind wahre Weltmeister», jubelte die «Daily Voice». Wunderschöne, meist ausverkaufte Stadien, eine fast perfekte Organisation, dramatische Spiele, Glamour auf den Tribünen, Karneval auf den Straßen, keine Katastrophen, keine Krisen, kaum Kriminalität. Vier Wochen war Südafrika Zentrum der Welt. Die Südafrikaner bersten vor Stolz. «Yes, we can» nutzte Finanzminister Pravin Gordhan selbstbewusst und beziehungsreich den Wahlslogan des ersten schwarzen US-Präsidenten, Barack Obama.
Nur mit einem bitteren Wermutstropfen müssen die Afrikaner, die selbst oft ihr fragiles Selbstwertgefühl beklagen, fertig werden. Neben der «Bafana Bafana» scheiterten in dem Turnier auch vier andere afrikanische Teams früh. Ghanas schmerzhafte Niederlage im Viertelfinale nach Elfmeterschießen interpretierte Niren Tolsi («Mail&Guardian») denn auch als «typisch afrikanische Erfahrung», wo die Hoffnung meist eines raschen Todes sterbe. Aber das war auch der einzige Aspekt, der den oft beklagten «Afro-Pessimismus» zu bestätigen schien - im übrigen war die WM ein Fanal für ein gestärktes afrikanischen Selbstbewusstsein.
Die optimistischen Stimmen dominieren klar. Fast scheint es nur Sieger zu geben. Alle waren sich einig: Die WM hat die Infrastruktur Südafrikas enorm verbessert, das Ansehen des Landes deutlich aufpoliert und damit einen unschätzbaren Dienst für mehr Auslandsinvestitionen und wachsenden Tourismus geleistet.
Auch wirtschaftlich habe sich die WM gerechnet, meint die Regierung. Etwa 38 Milliarden Rand (rund vier Milliarden Euro) seien investiert worden. Etwa gleich hoch seien die Einnahmen, die das Turnier dem Land gebracht habe. Skeptiker bezweifeln diese Rechnung. Das aber sei gar nicht so wichtig, meinte Minister Gordhan: «Die WM ist die beste Werbung die wir je hatten». Auch Verwaltungsexpertin Etiene Retief vom Saipa-Institut (Johannesburg) meinte, es gehe vor allem «um die Wahrnehmung Südafrikas in der Welt.»
Hunderttausende Besucher und die unzähligen TV-Sendungen hätten Vorurteile und Klischees über Südafrika beseitigt, meinte Retief. Niemand glaube mehr, dass man in Südafrika «kugelsichere Westen tragen muss oder dass Löwen auf den Straßen rumlaufen». Jedes begeisterte tweet von Paris Hilton, Mick Jagger oder Bill Clinton sei für Südafrika von unschätzbarem Gewinn gewesen. Ähnlich wertvoll wird das Großaufgebot an Politikern und dem Hochadel sein, die zur WM strömten: Von Kanzlerin Angela Merkel über Brasiliens Präsidenten Lula da Silva bis hin zu den Prinzen William und Henry oder Spaniens Königin.
Die größten Sorgen galten vor der WM der Sicherheit. Aber mit einem neuem Konzept, zusätzlichen Polizisten, besserer Ausbildung und Ausrüstung, einer Unzahl von Überwachungskameras sowie Schnellgerichten und großem Ehrgeiz der Bürokratie gelang es, es «der Welt zu zeigen», so die «Cape Times». Eine relativ friedliche, meist fröhliche und unbeschwerte WM war das Ergebnis.
Die Südafrikaner konnten es selbst kaum fassen, wie ihr leidgeplagtes Land mit einer der höchsten Kriminalitätsraten der Welt plötzlich normal wurde. «Die WM hat uns daran erinnert, was möglich ist», schrieb der Publizist Richard Callan und verwies auf funktionierende öffentliche Dienste, auf Friedfertigkeit, Sauberkeit und Freundlichkeit auf Straßen und Plätzen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln, nicht zuletzt auf das bessere Verhältnis der Menschen unterschiedlicher Rassen zueinander. «Nun brauchen wir eine nationale Vision, um ... den Geist dieser Wochen nutzen zu können. Wir haben viel gelernt».
Die ungemein beruhigende Erfahrung einer besser funktionierenden Gesellschaft könnte zum wirklich größten Gewinn der WM für die Regenbogennation werden. «Die Regierung kann es ja, wenn sie nur will», hatte die «Cape Times» kommentiert. Der Wunsch des großen alten Mannes in Südafrika, Ex-Präsident Nelson Mandela, scheint in Erfüllung zu gehen: dass Südafrika mit seinen enormen sozialen und rassischen Gegensätzen mit der Fußball-WM einen großen Schritt voran kommt bei der schmerzhaften Nationenbildung. Manche sehen sogar noch mehr: «Unser Erfolg inspiriert ganz Afrika», frohlockte «Times»-Kolumnist Justice Malala.
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Autor: Von Laszlo Trankovits, dpa | 09.07.2010
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Das frühe Aus der afrikanischen Teams tat der Stimmung bei der WM kein Abbruch.
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