Viele Warnungen, wenige Pannen: So lief die WM

Johannesburg.  Die Fußball-Welt hatte Zweifel. Wie sollte Südafrika ein Mammutereignis wie die WM ausrichten können? Skeptiker warnten vor einem Chaos-Turnier. Sicherheit, Transport, Turnier- Logistik, alles wurde infrage gestellt. Nach vier Wochen sind die Pessimisten widerlegt.

Letztlich war die WM am Kap ein ganz normales Fußball-Turnier. Die Nachrichtenagentur dpa beschreibt die Bilanz in den wichtigsten Organisationsbereichen.

SICHERHEIT I: Die hohe Kriminalitätsrate am Kap machte Angst. Mord und Totschlag seien zu erwarten, unkten Pessimisten. Überfälle auf Journalisten kurz vor Turnierbeginn ließen Schlimmes befürchten. Doch dann blieb alles ruhig. Harte Strafen schreckten Verbrecher offenbar ab. Die WM-Schnellgerichte mussten in knapp 200 Fällen urteilen, meist wegen Bagatelldelikten. Südafrikas Gewaltproblem existiert, hatte zum Glück aber keine Auswirkungen auf die WM.

SICHERHEIT II: Politische Terroranschläge waren kein Thema. Südafrika war offenbar kein adäquates Ziel. Dabei war die Sicherheitslogistik in den Stadien so schlecht wie bei keinem Sport-Großereignis seit dem 11. September 2001. Als die Stadionordner streikten, wurden sie durch Polizisten ersetzt. Grüne Jungs in blauen Uniformen hatten keine Ahnung. Securitychecks wurden oft zu einem Fußball-Plauderstündchen. In die Arenen hätte derweil jeder alles schmuggeln können.

TRANSPORT: Bei den ersten Spielen steckten viele Fans lange im Stau. Südafrika hat durch die Apartheidzeit kein gutes Verkehrswegenetz. Menschenmassen sollten sich nicht schnell bewegen können. Im Laufe der Turnierzeit funktionierte vieles besser, das meiste sogar gut - doch dann flogen die VIP's nach Durban zum Halbfinale und der Flugverkehr brach zusammen. Die FIFA hielt sich wie immer raus. Schuld waren andere. Zurück blieben wütende Fans.

HOTELLERIE: Zu wenig Betten, zu wenig Hotels, lautete der merkwürdig anmutende Vorwurf an das Tourismus-Land Südafrika. Eng wurde es nur an den wichtigen Spieltagen. Wer clever buchte, konnte gut und günstig in privaten B&Bs wohnen. Verlierer waren Hoteliers, die sich auf den FIFA-Partner Match verließen. Knebelverträge und Leerstände waren die Quittung. Auch Match machte kein gutes WM-Geschäft, weil man sich nicht auf die Besonderheiten des Landes einließ.

TICKETING: 97 Prozent aller Karten verkauft. Zweitbeste Bilanz der WM-Geschichte. Das Szenario leerer Stadien wollte die FIFA mit nackten Zahlen überdecken. Doch das System ging nicht auf, weil viele an Firmen und Verbände verkaufte Tickets ungenutzt blieben - und die Preise für Südafrikas arme Fußballfans zu teuer waren. Aber die Stimmung in den Stadien war ausgelassen und fröhlich und die Arenen waren voller als 2002 in Japan/Südkorea und 1998 in Frankreich.

ENERGIE: Einmal fiel die Videoleinwand im Stadion in Pretoria aus. Das war's. Sonst blieben alle Lampen an. Das Schwellenland Südafrika hat sicherlich mit Energieversorgungsproblemen zu kämpfen, doch das WM-Konzept funktionierte. Sonderaggregate sicherten die Stromzufuhr in den Stadien. Aus den Nachbarländern kamen Energiekontingente. Beim Stromriesen Eskom drohten die Mitarbeiter immer mal wieder mit Streik, doch auch dieser konnte für die WM-Zeit abgewendet werden.

TECHNOLOGIE: Ohne Internet keine Weltmeisterschaft. Ohne Kommunikation kein Fußball-Spektakel. Obwohl ein Tiefseekabel im Indischen Ozean vor Kenia mitten im Turnier defekt war, musste die Welt auf kein Bild vom Kap verzichten. Auf den Tribünen und in den Pressezentren lief alles reibungslos. Südafrika bot technologisch Weltniveau, an dem sich der nächste WM-Gastgeber Brasilien in vier Jahren messen lassen muss.


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Autor: Von Arne Richter, dpa | 11.07.2010

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