England 1966: Das Tor, das Geschichte machte
Hamburg. Football is coming home!» Mit der Weltmeisterschaft vom 11. bis 30. Juli 1966 kam der Fußball nach Hause und drängte in den englischen Zeitungen sogar die königliche Romanze von Prinzessin Margaret und Peter Townsend aus den Schlagzeilen.
«Tut eure Pflicht und poliert unser ramponiertes Image wieder auf», forderten die Fans von Trainer Alf Ramsay und seinem Team, das endlich den ersten großen Titel ins «Mutterland des Fußballs» holen sollte. England gelang der Coup durch ein 4:2 nach Verlängerung im Finale gegen Deutschland und dank eines zweifelhaften Treffers - das «Wembley-Tor» erhitzt bis heute die Gemüter.
Bei der achten WM fielen insgesamt 89 Tore. Aber dieses Tor zum 3:2 in der 101. Minute sorgt auch 40 Jahre später noch immer für Gesprächsstoff. Geoff Hurst hatte das Leder in der Verlängerung unter die Latte gedonnert. Von dort sprang der Ball ... - Ja, wohin sprang er, vor oder hinter die Linie? Die Gastgeber jubelten, die Deutschen winkten ab. Keiner hatte es wirklich richtig gesehen: Nicht die 96 924 Zuschauer im Stadion, nicht die Millionen Zuschauer an den TV-Schirmen, die erstmals farbige Bilder von einer WM sehen konnten. Und der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst auch nicht.
Nur einer wusste es ganz genau. «Der Ball war drin», war sich der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke sicher. So sicher wie Linienrichter Tofik Bachramow aus der UdSSR vorgab es zu sein. Dienst hatte ihn auf Drängen der Engländer befragt und zur Mitte gezeigt. 3:2 für England - das Spiel war entschieden, Hursts 4:2 nur der Schlusspunkt. Später soll Bachramow zugegeben haben, dass er nur gesehen hat, «wie der Engländer Hunt nach dem Schuss von Hurst seine Arme hochriss. Ich sah auch, dass der deutsche Torwart einen untröstlichen Eindruck machte. Deshalb muss es Tor gewesen sein.»
Dank Wolfgang Webers 2:2-Ausgleich in letzter Sekunde hatte sich die deutsche Elf in die Verlängerung gekämpft, nachdem Hurst die Führung von Helmut Haller ausgeglichen und Martin Peters das 2:1 erzielt hatte. Doch dann verließen das Team von Bundestrainer Helmut Schön die Kräfte und das Glück. Es schien, als hätten es die starken Engländer um Bobby Charlton, Bobby Moore und Torhüter Gordon Banks, den sie «die Bank von England» nannten, gepachtet.
Schlagzeilen machte auch ein anderes WM-Tor. Aus fast unmöglichem Winkel traf der Dortmunder Torjäger Lothar «Emma» Emmerich beim 2:1 in der Vorrunde gegen Spanien mit seiner «linken Klebe» von der Torauslinie zum 1:1. Ins Rampenlicht trat in England aber ein anderer Spieler, und er war fortan nicht mehr wegzudenken aus der deutschen Mannschaft: «Kaiser» Franz Beckenbauer. Schon als in der Qualifikation in Schweden das Aus drohte, bewies Schön, der Sepp Herberger nach 162 Länderspielen 1964 abgelöst hatte, Mut und brachte den jungen Bayern. Beckenbauer feierte ein Super-Debüt; das 2:1-Siegtor allerdings erzielte Uwe Seeler, der fünf Monate nach seinem Achillessehnenriss mit einem Spezialschuh ein erstaunliches Comeback feierte.
Für «Uns Uwe», der mit 21 Endrunden-Einsätzen Platz drei in der Liste der WM-Dauerbrenner belegt, war es die dritte von vier Weltmeisterschaften. Obwohl auch er nach dem Finale zu Tode betrübt war, tröstete er seine Kollegen. Mit seinem Zuspruch für den eisenharten Uruguay-Verteidiger Horacio Troche, der beim 0:4 im Viertelfinale nach einem brutalen Foul an Emmerich vom Platz gestellt wurde, handelte sich Seeler allerdings eine Backpfeife ein. Doch auch das ertrug er wie ein Gentleman.
Pele konnte 1966 nicht an seine Gala-Auftritte anknüpfen. Er wurde von den Gegenspielern gnadenlos gejagt und schied nach vielen hässlichen Fouls lädiert und demoralisiert mit Brasilien schon in der Vorrunde aus. Drei Monate zuvor hatte der Dribbelkünstler geheiratet und für die WM-Vorbereitung auf die Flitterwochen verzichtet. Das 1:3 in der Vorrunde gegen Ungarn war Brasiliens erste Niederlage nach acht Jahren und 13 Siegen, was bis heute die längste Ungeschlagen-Serie ist.
Star der WM, bei der erstmals Dopingtests durchgeführt wurden, war der Portugiese Eusebio, der für einen Höhenflug der Spieler aus Lissabon und Porto bis auf Platz drei sorgte. Mit neun Treffern wurde der «Pele Europas» Torschützenkönig.
Im Viertelfinale hatten sich die Portugiesen mit 5:3 gegen Nordkorea durchgesetzt. Das erstmals qualifizierte Team aus Asien wurde zur Überraschungs-Mannschaft des Turniers. In der Vorrunde hatten die Nordkoreaner Italien eine fürchterliche Schmach zugefügt. Nach dem 0:1 mussten Mazzola, Facchetti & Co. vorzeitig nach Hause fliegen. Die empörten «Tifosi» empfingen die Mannschaft mit Schimpf und Schande und bewarfen ihre «feigen Helden» mit Südfrüchten. Dabei war das Team eigens nach Mailand geflogen, um einer hässlichen Begrüßung in Rom zu entgehen.
Nordkorea hatte auch die Gastgeber in eine missliche Lage gebracht. Weil die Briten keine diplomatischen Beziehungen mit dem kommunistischen Regime in Pjöngjang pflegten, durfte bei den Auftritten der Nordkoreaner keine Nationalhymne gespielt werden. Das Problem wurde gelöst, indem man überhaupt keine Hymnen, sondern fröhliche Marschmusik spielte. Nur zur Eröffnung ertönte die englische Hymne - wie auch nach der Siegerehrung, die Queen Elizabeth persönlich vornahm.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: Von Andreas Bellinger, dpa | 06.05.2010
| Artikel twittern |
|
|
Torhüter Hans Tilkowski schaut dem von Geoff Hurst geschossenen Ball hinterher.
MEISTGELESENE ARTIKEL
ZUR PERSON: Tollkühner Kremlflieger
Vor 25 Jahren durchbrach der deutsche Pilot Mathias Rust die Luftabwehr der UDSSR. Um die Landung vor dem Kreml ranken sich bis heute Legenden.... mehr
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen
Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehrFESTE UND PARTYS
- Fuckin' Monday
Citrus, Club & Lounge in Ulm, 28.05.2012, - Study Fever
Hinteres Kreuz in Ulm, 31.05.2012,
Wettervorschau für Ulm/Neu-Ulm
Überregional
- Das Grün-Rote Kabinett in Einzelporträts
- Ergebnisse der Landtagswahl in BaWü
- Bahnprojekt Stuttgart 21
- Schwerpunkt-Thema Kinder und Erziehung
- Da zieht's mich hin
- Familienunternehmen im Südwesten: Die Macher
- Für Sie gespielt
- Amoklauf von Winnenden
- Formel 1
- Fasnet 2012
- Einstein-Marathon 2011
- Schlemmerferien 2010
- Leser schreiben: das Sommermärchen 2010
- Lernnetzwerk Kojala
- Wandern rund um Ulm
- Aktion 100.000 und Ulmer helft
- SWP-Serie: Wechselfieber
- Neue Synagoge in Ulm
- Neue Multifunktionshalle für Ulm und Neu-Ulm
- Freizeitbad Atlantis in Neu-Ulm
- Marathon-Aktion: Wir laufen!
- Doppelbox-Weltmeisterin Rola El-Halabi
- SWP-Serie: Wir radeln
- Ulmer Zelt
- Halloween Special
Behörden Sport

ZURÜCK


"Get Well Soon" im Ulmer Zelt
Mehrkampfmeeting in Ulm