WM-Wahnsinn vorbei - Müller startet bei Null
München. Die Blasmusik spielte nicht auf, und am Flughafen wartete kein großer Bahnhof - Fußball-Nationalspieler Thomas Müller hat sich nach dem WM-Wahnsinn in die Ferien verabschiedet.
Die Heimatgemeinde des 20-jährigen Senkrechtstarters hat den geplanten Empfang ihres berühmten Sohnes erst einmal abgeblasen. «Wir lassen ihn jetzt ihn Ruhe», sagte Klaus Pfeiffer, Bürgermeister der 2500-Seelengemeinde Pähl im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Im Herbst soll Müller dann gefeiert werden. In Südafrika holte er den «Goldenen Schuh» als bester Torjäger und trat als bester Jungprofi die Nachfolge von Lukas Podolski an - nur der WM-Titel blieb ihm verwehrt.
Der dritte Platz ist für den Profi des FC Bayern München kein wirklicher Trost, über die Wahl zum besten Nachwuchsspieler freute sich der WM-Neuling aber ganz besonders. «Es ist natürlich eine Ehre, in einer Reihe genannt zu werden mit Spielern wie Pelé, Franz Beckenbauer oder zuletzt Lukas Podolski. Die Auszeichnung wird mir für alle Ewigkeit bleiben», sagte Müller. «Im Eilzugstempo ist Thomas Müller an die internationale Spitze gestürmt. Mit seinem dynamischen Spiel und seinem Torriecher ist er in Südafrika zum Publikumsliebling avanciert», begründete die Technische Studiengruppe der FIFA ihre Wahl.
Die Auszeichnung als bester Torschütze mit fünf Treffern und drei Vorlagen rundet Müllers unglaubliches WM-Debüt ab. Spaniens Weltmeister David Villa und der Niederländer Wesley Sneijder gingen im Finale leer aus und mussten dem einstigen Nobody vom Ammersee den Vortritt lassen. Auch bei der Wahl zum besten Spieler der WM kamen Villa und Sneijder nur auf die Plätze. Der «Goldene Ball» ging an den Uruguayer Diego Forlan. Als bester Torhüter wurde der Spanier Iker Cassillas ausgezeichnet.
«Es freut mich, dass ich so einen Superlauf hatte. Das ist für mich eine Superbestätigung für die Arbeit in dieser Saison», sagte Müller, der mit frechen Sprüchen und coolen Toren die Herzen der Fans eroberte - und in seiner Heimat einen unglaublichen Hype auslöste. «Hier herrschte der Ausnahmezustand. Die täglichen Geschäfte waren blockiert», berichte Bürgermeister Pfeiffer. Zu Ehren von Müller wird die Gemeinde in den kommenden Tagen an einem prominenten Platz einen steinernen Fußball aufstellen, den der Bildhauer Christian Tobin aus einem Granitfindling gehauen hat.
«Er ist ein wundervoller Spieler. Der Junge kann alles», lobte Bayern-Legende Gerd Müller, der 1970 den «Goldenen Schuh» gewonnen hatte. Im Urlaub wird Müller seine steile Karriere aufarbeiten, «aber ich werde die nächsten paar Wochen keinen Ball berühren, sondern mich erstmal auf die faule Haut legen». Er will «Ruhe und dann nochmal Ruhe». Stammspieler im Millionen-Ensemble des FC Bayern, Meister, Pokalsieger, Champions-League-Finale und WM-Bronze - Müller ist «einigermaßen zufrieden. Aber es ist ja noch ausbaufähig».
Bei der Vorbereitung auf die neue Saison geht Müller davon aus, «dass es für mich bei null losgeht, so wie vergangene Saison. Der Trainer wird auf keinen Fall sagen: 'Thomas, super, du brauchst jetzt drei Wochen nicht trainieren und darfst trotzdem bei mir spielen'». Der gebürtige Weilheimer, dessen Marktwert laut Experten auf 20 Millionen Euro gestiegen ist, fühlt sich bei Louis van Gaal gut aufgehoben. Und die Bayern wissen, was sie an Müller haben, und erklärten ihn deshalb für unverkäuflich. «Absolut no way. Wir werden keinen Spieler verkaufen», stellte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge klar.
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Autor: Von Gerd Münster, dpa | 12.07.2010
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Thomas Müller (M) bei der Ankunft auf dem Flughafen in München.
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