WM-Zeugnis: Von Liebling Özil bis Phänomen Klose

Erasmia.  Gegen Australien überzeugt, gegen Serbien verloren, gegen Ghana gezittert, gegen England jubiliert, gegen Argentinien triumphiert, gegen Spanien chancenlos und gegen Uruguay nochmal groß gekämpft: Vom Dauerbrenner bis zum Null-Minuten-Mann:

Die Deutsche Presse-Agentur verteilt die WM-Zeugnisse an die 23 DFB-Spieler.

Tor:

Neuer: Der Gelsenkirchener Junge hat die Nummer 1 bestätigt. Ohne Nerven, nur drei Gegentore sagen alles. Jetzt erstmal gesetzt.

Wiese: Natürlich enttäuscht über die Warte-Rolle, nahm sie aber klaglos an. Den Lohn gegen Uruguay verhinderte ein lädiertes Knie.

Butt: 2002 ohne Spiel. Am Kap schenkte ihm Löw das «kleine Finale». Gewinner ist der 36-Jährige nach Super-Bayern-Saison ohnehin.

Abwehr:

Lahm: Ging als Kapitän voran, gab den jungen Kollegen viel Sicherheit. Die Debatte mit Ballack eröffnete er zur Unzeit.

Mertesacker: Der 1,98-Meter-Bremer wackelte erst, dann kam er in Fahrt. Super gegen Argentinien. Am ganz großen Wurf aber vorbei.

Friedrich: Mit 31 spielte er sein stärkstes Turnier. Dirigierte und stand immer gut. Vom Berliner Absteiger wurde er zum Abwehrchef.

Boateng: Auf ungewohnter Position links biss er sich ohne Grätschen ins Turnier. Cool mit 21. Besser auf der rechten Seite aufgehoben.

Jansen: Kämpfte sich erst in den Kader, dann ins Team. Der Verletzungs-Rückstand war zu groß. Immer positiv - mit Tor belohnt.

Badstuber: Begann WM in der Startelf, als linker Verteidiger aber gegen Serbien überfordert. Danach nur noch im Training gefragt.

Aogo: Auf links vertraute Löw anderen. Im Trostspiel gegen Uruguay zeigte er, warum: Muss sich beim HSV in der Liga wieder beweisen.

Tasci: Trainierte, trainierte, trainierte - durfte aber nur in der Nachspielzeit gegen die «Urus» spielen. Nächste Einladung offen.

Mittelfeld:

Khedira: Schloss die Ballack-Lücke. Mit 23 im Eiltempo vom Lehrling zum WM-Antreiber. Hat große Ziele - köpfte Siegtor gegen Uruguay.

Schweinsteiger: Motor, Organisator, Chef auf dem Platz. Im zentralen Mittelfeld in der Welt-Elite - aber eben noch nicht ganz oben.

Müller: Von Null auf Hundert auch bei der WM. Frech, ohne Nerven - und mit fünf Toren schon auf den Spuren des großen Gerd Müller.

Özil: Neuer Liebling der Fans. Geniale Pässe, Traumtor gegen Ghana und Zauberfuß. Bessere Abschlussquote und Robustheit fehlen noch.

Podolski: Im Adler-Trikot explodierte er wieder, doch einige Male zu wenig. Im Mittelfeld hat er inzwischen auch verteidigen gelernt.

Trochowski: Knapp an Startelf vorbei, konnte er als Joker kaum Akzente setzen. Ballsicher, aber zu brav. Torgefahr hatte er keine.

Kroos: Im Halbfinale vergab er eine große Torchance. Passte sich als Einwechsler schnell an, ohne zu glänzen. Mann mit EM-Perspektive.

Marin: Gegen Australien brachte er noch Joker-Schwung, gegen Serbien verärgerte er Löw. Seine Dribbel-Künste verpufften wirkungslos.

Angriff:

Klose: Der 32-Jährige bleibt das WM-Phänomen. Auch beim dritten WM-Turnier top. Eine Verletzung verhinderte den WM-Tore-Rekord.

Cacau: Nach Top-Vorbereitung zunächst Super-Joker, gegen Aussies Torschütze. Dann viele Wehwehchen, um Platz drei fehlte Frische.

Gomez: Große Turniere und Gomez - ein Alptraum. Kam nicht aus seinem Formtief heraus, trotz vier Einwechslungen. Große Enttäuschung.

Kießling: Schon vor dem Turnier Streichkandidat, danach nur Mitläufer. Zum Abschluss versiebte er eine Riesen-Chance.


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Autor: Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa | 11.07.2010

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