Shorttracker Heung jubelt mit Hamelins und Ohno

Vancouver.  Südkoreas Eis-Raketen zündeten diesmal nicht, Anton Apolo Ohno holte seine achte Medaille, und ein Deutsch-Kanadier freute sich über Platz fünf wie die «Hamelin Brothers» über ihre Gold-Show.

Das furiose Olympia-Finale der pfeilschnellen Shorttracker riss die 14 000 Zuschauer im Pacific Coliseum von ihren Sitzen. Brüder teilen alles: Bei zwei Olympiasiegen für die Ahornblätter durch Charles und Francois Hamelin innerhalb einer knappen Stunde ging die Größte dann aber fast unter. Die Chinesin Wang Meng stieg mit ihrem Triumph über 1000 Meter zur erfolgreichsten Shorttrackerin der Olympia-Geschichte auf.

Die 15-malige Weltmeisterin gewann am Schlusstag der Wettbewerbe vor der Amerikanerin Katherine Reutter und holte sich damit ihr drittes Gold in Vancouver nach den Siegen über 500 Meter und in der Staffel. Mit nunmehr vier Goldplaketten und einmal Silber hat sie ihre Landsfrau Chun Lee-Kyung (4/0/1) überflügelt. Unglaublich: Seit den Winterspielen in Turin verlor Wang nur ein einziges Rennen, über 1000 Meter. Über 500 Meter ist sie seit Turin unschlagbar.

Eigens für Olympia speckte US-Crack Ohno 16 Pfund ab - dafür hat der 27-Jährige nun gut drei Pfund Edelmetall im Koffer: Die Silberplakette für die 1500 Meter, Bronze über 1000 Meter und in der Staffel. Und es hätte leicht Übergepäck werden können. Denn im 500- Meter-Sprint kam der drahtige Amerikaner als Zweiter im Ziel, wurde aber disqualifiziert. Schon im Rennen zuvor war Ohno zum erfolgreichsten US-Athleten bei Winterspielen aufgestiegen. Nach Platz drei mit der 5000-Meter-Staffel hat er nun schon acht Medaillen: Zweimal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze.    

Euphorisch feierten die Fans ihren kanadischen Helden Charles Hamelin als Doppel-Olympiasieger über 500 Meter und in der 5000- Meter-Staffel. Zunächst setzte sich der Weltmeister vor Sung Si-Bak aus Südkorea und seinem Landsmann Francois-Louis Tremblay durch, weil Ohno disqualifiziert wurde. Danach führte er das Kanada-Quartett zum überraschenden Sieg vor Top-Favorit Südkorea, der das fest eingeplante 20. Olympia-Gold erneut verpasste.

Riesenfreude herrschte dagegen im deutschen Team, für das Tyson Heung über 500 Meter mit Platz fünf die beste Platzierung in der Geschichte Olympischer Winterspiele erkämpfte. Der Deutsch-Kanadier wurde nach einer Glanzleistung Zweiter des B-Finals. «Das ist unglaublich. Ich bin sehr zufrieden. Ich hatte Glück, okay, aber ich habe es auch verdient», sagte der 30-Jährige, der seit 2005 in Deutschland lebt. «Jetzt genehmige ich mir ein paar Bierchen, und dann geht's ins Deutsche Haus, ein bisschen feiern.»    

Für die Rostockerin Aika Klein war im Viertelfinale über 1000 Meter nach einem Sturz Endstation. «Ich wollte mich nicht verstecken und hoffte, lange mithalten zu können. Schade, ich hätte Dritte werden können. Aber es war einfach zu eng am Kurveneingang mit der Kanadierin», sagte Klein. Bei den Frauen bleibt damit der siebte Platz von Yvonne Kunze (Dresden) vor vier Jahren in Turin über 1000 Meter die beste Olympia-Platzierung auf den Einzelstrecken.


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27.02.2010