Ein Fest wie nie: Wallgau feiert «Legende» Neuner

Wallgau.  Wallgau, das bayerische Heimatdorf von Biathletin Magdalena Neuner, war für den Ansturm gerüstet, der sich zu Ehren der erfolgreichsten deutschen Olympionikin von Vancouver angekündigt hatte.

Eine Musikkapelle führte die Doppel-Olympiasiegerin auf den Dorfplatz, wo Hunderte von Menschen die 23-Jährige ausgelassen feierten. Der Tag wurde zu einem Fest, das Wallgau in dieser Größenordnung noch nie erlebt hatte. «Alle sind sehr stolz auf mich, das ehrt mich unheimlich», sagte Neuner. «Ich wusste, dass Olympia etwas besonderes ist, dass man irgendwann zur Legende wird.»

Neuners Vater Paul ließ es sich nicht nehmen, seiner Tochter als Dirigent der Wallgauer Musikkapelle persönlich ein Ständchen zu spielen. Da hatte passenderweise der einsetzende Schneefall die ersten Frühlingsansätze schon wieder verdrängt. Bereits am Morgen war der idyllische Wintersportort abgesperrt und überbelegt. Keine 1400 Menschen leben normalerweise hier einen Steinwurf von den Alpen entfernt, anderthalb Autobahnstunden weg von München, in einem kleinen Dorf zwischen der Metropole und den hohen Gipfeln, wo Bayern noch wahrhaftig ist und sich Holzhütten mit blumenüberfüllten Fensterkästen aneinanderreihen. «Heimat ist ein Gefühl», hat Neuner einmal gesagt - inzwischen ist es der Werbeslogan der Gemeinde.

Auf dem Land fühlt sich sie heimisch, als eine unter vielen, obwohl sie doch auch hier ein großer Star ist; ein Vorbild für die Kleinen, eine Werbefigur für die Gemeinde. «Es ist ein Glück, dass sie immer wieder die Rückbesinnung auf ihre Heimat sucht. Magdalena ist imageprägend für uns. Wir wachsen mit ihr», sagte Bürgermeister Hansjörg Zahler. Wallgau hat die einzigartigen Vermarktungs-Chancen erkannt. Weltmeisterin war Neuner schon, aber Olympiasiegerin - das übertrifft alles. Jüngst wurde gar eine Loipe nach Neuner benannt, Oma Dora eröffnete die Fünf-Kilometer-Strecke. Am Telefon war der Biathletin die Neuigkeit an den Pazifik übermittelt worden.

Auf der Internetseite der Gemeinde und auf all den Bannern und Plakaten im Dorf dreht sich alles nur um die lachende, hübsche, kleine Blondine, die mit ihrer Herkunft nun auch Wallgaus Tourismus ankurbeln dürfte. Neuners Nachnamen tragen viele in Wallgau, weil es ein typischer ist für diese Gegend. Es gibt eine «Dirndl-Boutique Neuner» und ein Restaurant, selbst eine Bäckerei mit diesem Namen. Familie und Freunde haben in Wallgau mitgezittert, jedes Mal, wenn die Doppel-Olympiasiegerin im fernen Kanada startete. Und doch sind Vancouver und der Biathlonzirkus hier ganz weit weg.

«Ich wünsche mir unheimlich, dass mein Leben so bleibt wie es war», sagte sie. Das Scheinwerferlicht ist trotz aller Erfolge ganz und gar nicht ihre Welt. Als die deutschen Olympioniken am Dienstag aus Vancouver nach München zurückkehrten, stand Neuner dennoch im Mittelpunkt. Umlagert von Kamerateams und Fotografen wie keine andere rauschte sie schließlich als erste davon. «Geschockt» sei sie gewesen angesichts so eines Rummels. Nun hat Neuner bis Mittwoch Ruhe, ehe der Flieger zum drittletzten Weltcup ins finnische Kontiolahti startet. In der Gesamtwertung führt sie. «Jetzt habe ich große Lust drauf, den Pokal zu holen. Ich habe die besten Chancen, es zu schaffen», sagte Neuner.


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05.03.2010