Gemischte Gefühle - Müssiggang neuer Chef
Whistler. Fünfmal Edelmetall für die Frauen, fünfmal Blech für die Männer, strahlende Neuner und frustrierter Greis: Während die Frauen um Fahnenträgerin Magdalena Neuner mit fünf Medaillen ihr Soll mehr als erfüllten, liefen die Biathlon- Männer bei den Vancouver-Spielen hinterher.
Erstmals seit 42 Jahren traten sie ohne Podestplatz die Heimreise an. Noch in Kanada machten sich die Verantwortlichen an die Aufarbeitung der Geschehnisse. Bereits in der kommenden Woche wollen sie das neue Personaltableau präsentieren, das vor allem die Männer wieder auf Kurs bringen soll. Neuer starker Mann wird Uwe Müssiggang, der von der kommenden Saison an für beide Teams verantwortlich sein wird.
«Biathlon muss man dieses Mal mehr denn je in zwei Bereiche teilen. Bei den Frauen ist es insgesamt eine sehr, sehr positive Bilanz. Bei den Männern hat es leider nicht geklappt, weil es nicht gelungen ist, einmal die volle Leistung abzurufen», sagte DSV- Präsident Alfons Hörmann zum zweiten Platz des deutschen Teams in der Nationenwertung hinter Norwegen. Die Neuaufstellung des Trainerteams sei jetzt sicher die primäre Aufgabe. Müssiggang solls richten. «Der Uwe gibt den Takt vor und alle anderen müssen sich danach richten», sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Nach dem fünften Platz der Männer-Staffel urteilte er gnadenlos: «Die Biathlon-Männer sind die großen Verlierer bei uns im Verband.»
Beim Olympia-Abschied als deutscher Bundestrainer fehlte Frank Ullrich das nötige Fortune, als sein Team im Sprint bei der Wetter- Lotterie im Regen baden ging. «Das war irregulär. Im Nachhinein hätte ich sagen müssen, den Verfolger laufen wir nicht», sagte Ullrich selbstkritisch. Doch abgesehen vom fehlenden Quäntchen Glück schafften es der dreifache Turin-Sieger Michael Greis und Co. im Whistler Olympic Park auch nicht, ihre beste Leistung zu bringen. «Klar habe ich keine Medaille geholt, was mein Ziel und sicherlich auch möglich war. Das ist traurig und von daher ist es nicht erfolgreich gelaufen», sagte Greis.
Einige Enttäuschungen musste die dreimalige Goldmedaillen- Gewinnerin Kati Wilhelm bei ihrem letzten großen Auftritt auf der olympischen Bühne hinnehmen. Am Ende reichte es fürs «Rotkäppchen» immerhin für Bronze mit der Ü30-Staffel. Wie ihre Mitstreiterinnen Andrea Henkel, Martina Beck und Bronze-Medaillen-Gewinnerin Simone Hauswald wird Wilhelm wohl bis zur Heim-WM 2012 in Ruhpolding weitermachen.
Für das nicht immer einfache Frauen-Team werden dann in der täglichen Arbeit Gerald Hönig und Ricco Groß verantwortlich sein. Den Männer-Bereich sollen Mark Kirchner und Fritz Fischer verantworten. Auch ein Schießtrainer soll im kommenden Winter dafür sorgen, dass die Athleten wieder öfter ins Schwarze treffen. Die Sportler sind zumindest in die Personalie Müssiggang mit eingebunden, den Rest wollen Pfüller und der neue Cheftrainer allein entscheiden. «Ich finde, man sollte die Athleten auch nicht zu viel einbeziehen», sagte der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV).

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