Warum ist die Schwimm-Konkurrenz viel besser?

Null Medaillen für die deutschen Schwimmer, neun Weltrekorde für die Konkurrenz. Die Becken-Wettbewerbe legten die deutschen Defizite offen zutage.

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Auch Paul Biedermann konnte diesmal kein Edelmetall gewinnen. Foto: Michael Kappeler

War das schlechte deutsche Abschneiden absehbar?

Ja. Schon 2008 verdeckten Britta Steffen mit Doppel-Gold und Paul Biedermann als Fünfter die Defizite. Seitdem wurden Erfolge bei Europameisterschaften gern als Aufwärtstrend herausgestrichen. Die Konkurrenz konzentrierte sich bereits auf Olympia. Gute Zeiten von einer DM konnten wie schon im Vorjahr bei der WM in Shanghai meistens nicht bestätigt werden, wie auch nun in London.

Warum ist Deutschland nicht mehr konkurrenzfähig?

In anderen Ländern trainieren mehr Schwimmer viel härter. Die USA mit ihrem College-System schöpfen aus einem Riesenreservoir, China mit seinen Nachwuchsmassen schickt seine Athleten inzwischen auch zum Training ins Ausland. Dieser Blick über den Tellerrand hinaus fehlt in Deutschland, wo Trainingspläne bisweilen ein gut gehütetes Geheimnis sind. Zudem fehlt in den Stützpunkten die interne Konkurrenz, die jede Übungseinheit zu einem Gradmesser macht. Auch wird der Vergleich mit der internationalen Konkurrenz außerhalb einer WM oder EM nicht gerade gesucht.

In London holten 15- und 16-Jährige Gold. Wo sind die deutschen Talente?

Sie sind da, wenn auch nicht auf diesem Niveau - und sie bleiben nicht. Jugend-Europameisterschaften bringen seit Jahren hoffnungsvollen Nachwuchs hervor, der sich dann aber oft für eine Ausbildung und gegen die unsichere Zukunft eines trainingsintensiven Leistungssports entscheidet. Harte Trainingsmethoden wie in China sind in Deutschland gesellschaftlich nicht konsensfähig.

Das Verbot der Hightech-Anzüge 2009 markierte ein Ende der unkontrollierten Weltrekord-Flut. In London gab es neun neue Welt-Bestmarken. Geht das ohne Doping?

In der Theorie und unter Berücksichtigung der Unschuldsvermutung ja. Weltrekordler wie der Chinese Sun Yang haben eine über Jahre nachvollziehbare Leistungsentwicklung. Explosionen wie von einem 15-jährigen US-Girl, einer gleichaltrigen Schwimmerin aus Litauen und einer 16-jährigen Chinesin hingegen erweckten Argwohn. Die Argumente für einen sauberen Sport: In China und den USA wird extrem hart trainiert, gerade bei 14- bis 16-Jährigen sind Fortschritte um mehrere Sekunden innerhalb kurzer Zeit nichts Ungewöhnliches. Das hat auch eine Franziska van Almsick einst geschafft. Zudem war das Becken im Aquatics Centre mit seinen Bedingungen (tiefes Becken und ein ausgeklügelter Überlauf bedeuteten weniger Wasserverwirbelungen) prädestiniert für Rekorde. Auf der anderen Seite werden Doping-Kontrollen auf der Welt sehr unterschiedlich gehandhabt.

Ex-Bundestrainer Dirk Lange und andere fordern personelle Konsequenzen. Ist es damit getan?

Nein. Der deutsche Schwimmsport benötigt tiefgreifende Strukturreformen, die Zeit brauchen. Dirk Langes Methoden waren bei Einzelschwimmern sehr erfolgreich, als Teamarbeiter gab und gibt es nicht nur im DSV-Vorbehalte gegen den selbstbewussten Experten.

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