Tölzer hat genug vom Olympia-Frust

132 Kilogramm waren einfach zu wenig. Mit hohen Erwartungen war Judo-Schwergewichtler Andreas Tölzer 2008 zu den Sommerspielen in Peking angereist, doch am Ende stand nur ein enttäuschender neunter Platz.

|
Andreas Tölzer wurde 2008 in Peking Neunter. Foto: Ian Langsdon

"Unter anderem war damals mein Körpergewicht zu gering", erklärt der Mönchengladbacher. Nun soll beim dritten Olympia-Anlauf in London alles anders werden - auch dank eines neuen Kampfgewichts. "Ich habe jetzt 145 Kilo", erklärt die letzte große Medaillenhoffnung des Deutschen Judo-Bundes (DJB).

Schon früh hatte sich der WM-Zweite von 2010 und 2011 als erster deutscher Judoka das London-Ticket gesichert und konnte damit seit langem alles auf seinen Olympia-Wettkampf am Freitag ausrichten. Nach Platz sieben 2004 und Platz neun 2008 soll es endlich auch bei Sommerspielen klappen mit Edelmetall: "Auf jeden Fall will ich eine Medaille", erklärt der 32-Jährige im Wissen um seine Stärke. "Ich fahre ja nicht als Weltranglisten-Zweiter dahin und sage, die Teilnahme allein ist schon schön."

Beim ersten Mal 2004 war das noch anders. "Da war ich ja froh, überhaupt dabei zu sein", erinnert sich Tölzer. Neu, groß, schrill - einfach anders war Olympia: "Das war schon ganz schön ungewohnt." 2008 war Tölzer schon gereift, doch wieder wurde es nichts mit einer Olympia-Medaille. "Ich war damals schon mal Europameister geworden und wusste, dass ich viele schlagen kann. Aber ich habe es einfach nicht abrufen können."

Alles kam danach auf den Prüfstand, auch an einigen Stellschrauben im Training wurde gedreht. Tölzer steigerte deutlich sein Gewicht und konnte auch durch eine Umstellung der Ernährung dennoch seinen Körperfettanteil noch einmal verringern. Auch eine Trainerausbildung brachte Tölzer neue Erkenntnisse. "Da habe ich vieles erfahren."

Der Kraftakt hat sich ausgezahlt. Spätestens seit zwei Jahren gehört Tölzer zu den Ausnahmeathleten im Judo, und auf seine beiden WM-Silbermedaillen 2010 und 2011 ist er unglaublich stolz. "Eine meiner beiden WM-Medaillen würde ich schon abgeben für eine Olympia-Medaille. Aber nicht beide", betont er.

Dass es bei WM-Silber blieb, lag allein an Teddy Riner. Der 2,04 Meter große Franzose ist auch bei Olympia neben Tölzer der heißeste Medaillenanwärter. Erst im Finale könnten die derzeit besten Schwergewichtler aufeinandertreffen, doch so weit will der Mönchengladbacher nicht denken. "Man sollte nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun. Ich muss von Kampf zu Kampf denken."

Richtig so. Männer-Bundestrainer Detlef Ultsch ist sich schon seit Jahresanfang sicher: "Andreas ist unser stabilster Athlet. Er kämpft um den Olympiasieg." Und wie sieht der Bundestrainer die Chancen in einem eventuellen erneuten Duell mit dem 2,04 Meter großen Riesen Riner? "Vielleicht passt ja alles. Olympia hat andere Gesetze."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet am Montag

Kürzer, größer, sicher: 26 Tage dreht sich ab Montag auf dem Ulmer Münsterplatz alles um Glühwein, Wurst und Co. Betonwände sollen vor Terror schützen. weiter lesen