Sternstunde der Kleinsten: Rekord-Christin staunt

Christin Ulrich schrie die Gewichtheber-Hantel an, als wollte sie ihr Angst einjagen. Irgendwie schien es zu klappen.

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Christin Ulrich: "Das war der Wettkampf meines Lebens". Foto: Christian Charisius

Die 21 Jahre alte Thüringerin aus dem 200-Seelen-Dorf Möckers bei Schmalkalden wuchtete das ansonsten widerspenstige Eisengerät zu drei deutschen Rekorden in die Höhe: 207 Kilo im Zweikampf, 93 im Reißen und 114 im Stoßen. Erst Stunden später wusste die in der leistungsschwächeren B-Gruppe gestartete EM-Fünfte, was die Last bei ihrer olympischen Premiere wert war. Am Ende stand Platz 13 zu Buche.

Nicht gerade förderungswürdig beim geldgebenden Bundesinnenministerium, aber für Athlet und Trainer eine Sternstunde. "Das war der Wettkampf meines Lebens", jubelte die mit 1,50 Meter kleinste deutsche Olympia-Athletin. In der Arena 3 des Messekomplexes ExCeL präsentierte sich das für den ASV Ladenburg startende Kraftpaket in starker Verfassung. Fünf Versuche brachte sie sauber in die Höhe. Nur an der Höchstmarke von 116 Kilo im Stoßen scheiterte sie. Im Reißen steigerte Ulrich den deutschen Rekord um drei, im Stoßen um ein Kilo. "Nie zuvor hatte sie technisch so gut gerissen", lobte Frauen-Bundestrainer Thomas Faselt seinen Schützling.

Die schrillen Schreie hatten ihr beim Publikum einen Bonus eingebracht. Mit Beifall und Anfeuerung antworteten die rund 5000 Zuschauer in der Halle 3 des Messekomplexes ExCeL auf die Weckrufe. "Der Schrei motiviert mich noch mehr. So kann ich mich mental hochfahren, um Wut für den Versuch reinzukriegen", erklärte Ulrich. Die für eine B-Gruppe ungewöhnlich große Kulisse sorgte überhaupt für herausragende Stimmung. "Das habe ich noch nie erlebt. Da macht es viel mehr Laune zu heben."

Ulrich ist überwältigt vom Erlebnis Olympia. "Das ist riesig. Das übertrifft alle meine Erwartungen. Im Olympischen Dorf sind mir schon Michael Phelps, Paul Biedermann und Usain Bolt über den Weg gelaufen." Jetzt will sie mehr sehen als nur Eisen. In den nächsten Tagen möchte sie zum Schwimmen und Turnen gehen. "Wenn ich denn eine Karte kriege", meinte sie bescheiden.

Dass sie um 39 Kilo von Goldmedaillengewinnerin Li Xueying aus China (246 kg) übertrumpft wurde, stört Ulrich nicht so sehr. "Auch ich werde mich steigern", versprach die Sportsoldatin, die später gern im Journalismus Fuß fassen würde. Bevor sie feiern ging, sah sie noch, wie Pimsiri Sirikaew aus Thailand Silber (236 kg) und die Ukrainerin Julija Kalina Bronze (235 kg) in ihrer Kategorie gewannen.

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