Frauen boxen olympisch: Die Zugmaschinen im Ring

Vor dem ersten Kampf johlten einige Zuschauer noch, eine Stunde später tobte die Halle. Die Olympia-Premiere der boxenden Frauen in der Süd-Arena 3 des Londoner Messekomplexes hatte es in sich.

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Die Venezolanerin Karlha Magliocco (l) kämpft mit Erica Matos aus Brasilien. Foto: Dennis M. Sabangan

Je mehr Frauen bei ihrem historischen Auftritt in den Ring stiegen, desto aufrichtiger wurde der Beifall. Die Fans sahen weder Tingeltangel, noch Gebalge und schon gar keinen Zicken-Krieg - beim überlegenen Sieg der Britin Natasha Jonas rasteten die Besucher völlig aus.

Exakt um 13.31 Uhr Ortszeit ist am Sonntag die letzte Männerbastion bei den Sommerspielen gefallen. Dank der Aufnahme ins olympische Programm sind die Frauen den Männern in zwei Disziplinen inzwischen sogar voraus - lächelnde Synchronschwimmer und rhythmische Sportgymnasten mit Flatterbändern gibt es (noch) nicht. Vielleicht brauchen nun die Männer einen olympischen Gleichberechtigungsbeauftragten.

Die Russin Elena Saweljewa war die erste Siegerin in einem olympischen Kampf. Die WM-Dritte bezwang im Fliegengewicht die WM-Fünfte Kim Hye Song aus Nordkorea mit 12:9 Punkten. "Ich hab mich nicht anders gefühlt als sonst. Aber ich bin stolz, Geschichte geschrieben zu haben. Das war überragend", sagte die Russin. Die Eröffnung geriet noch ein wenig zäh. Es wurde viel geklammert. Beide traten in bis zu den Knien reichenden Shorts an. Der Weltverband AIBA hat es den Boxerinnen freigestellt, ob sie in einem Rock oder in Shorts starten wollen. Die Polin Karolina Michalczuk präsentierte sich als erste in einem Röckchen.

Trotz aller Gleichberechtigung unter den fünf Ringen liegt die Teilnehmerzahl bei den Männern noch deutlich über der bei den Frauen. Lediglich 36 Boxerinnen in drei Gewichtsklassen sind zugelassen worden. Bei den Männern sind es 250 in zehn Kategorien. Beim nächsten olympischen Großereignis in Rio de Janeiro dürfte die Männer-Quote reduziert werden, denn die Gesamtteilnehmerzahl wird nicht erhöht.

"Das Frauenturnier wertet das olympische Boxen auf. Schon die WM in China war ein echter Knaller. Die Frauen haben eine super Entwicklung genommen und sind eine Zugmaschine", sagte Sportdirektor Michael Müller vom Deutschen Boxsport-Verband (DBV). Beim nächsten Mal sollen auch deutsche Boxerinnen dabei sein.

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