Boll im Form-Loch: "Spiele unter meinem Niveau"

Timo Boll ist sich selbst ein Rätsel. Deutschlands Tischtennis-Star sucht nach einem Weg aus dem ungewohnten Loch, in das er ausgerechnet bei den Olympischen Spielen in London gefallen ist.

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Timo Boll spielt derzeit unter seinem Niveau. Foto: Friso Gentsch

"Es ist für mich eine ganz neue Situation, dass ich so unter meinem Niveau spiele", erklärte der WM-Dritte vor dem Viertelfinale der deutschen Herren gegen Österreich am Sonntag (15.30 Uhr). "Hoffentlich platzt dann der Knoten."

In der Runde zuvor, beim 3:1-Zittersieg des Team-Europameisters gegen Schweden, platzte der Knoten nicht. Ganz im Gegenteil: Nach der Pleite im Einzel-Turnier gegen den Rumänen Adrian Crisan verlor Boll auch das Match gegen Schwedens Tischtennis-Legende Jörgen Persson. Der 46 Jahre alte Weltmeister von 1991 zeigte zwar eine für seine Verhältnisse grandiose Leistung, wäre aber für einen Boll in Normalform ein schlagbarer Gegner gewesen.

"Es ist wenig Selbstvertrauen in den eigenen Schlägen zu finden", haderte der 31 Jahre alte Linkshänder mit seiner Form. Nach einer optimalen Vorbereitung - ohne größere Verletzungen und Erkrankungen - wollte der Weltranglisten-Siebte in London eigentlich Chinas Top-Spieler in Bedrängnis bringen. Davon kann in der derzeitigen Verfassung keine Rede sein - und China wartet als möglicher Kontrahent im Halbfinale am Montag auf die Olympia-Zweiten von 2008.

Vor allem das eigene Aufschlagspiel, sonst die große Stärke des Düsseldorfers, ist eine stumpfe Waffe geworden. Bundestrainer Jörg Roßkopf reagierte nach der Niederlage spontan und setzte Boll im Doppel an der Seite von Bastian Steger (Saarbrücken) ein. Im Einzel sollten der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov (Orenburg) und Steger das Ruder rumreißen. Ein Schachzug, der gelang, auch weil sich Boll im Doppel steigern konnte.

"Timo hat seine Sache im Doppel gut gemacht", erklärte Roßkopf. Das Duo Steger/Boll war zuletzt vor zehn Jahren im Einsatz gewesen. "Im Doppel hatte ich mehr Zeit. Das gibt mir Mut für das nächste Spiel", sagte Boll. Der Coach kritisierte den Zeitplan, der den Chinesen am Freitag einen Ruhetag beschert hatte. "Das ist eine Katastrophe. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn wir verloren hätten", sagte Roßkof.

Ein Gutes hatte die zweite Turnier-Niederlage von Boll doch. "Es ist schön zu spüren, dass wir gegen gute Mannschaften auch gewinnen können, wenn ich mal verliere", sagte der Ausnahmespieler. Oft genug hat Boll die DTTB-Herren als Alleinunterhalter zu Siegen geführt. Diesmal musste er sich vor allem bei Steger bedanken, der Persson in drei Sätzen schlug. "Einen ausgeben reicht da nicht. Das müssen schon mehrere sein", scherzte der nervenstarke Olympia-Debütant.

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