Badminton im Zwielicht - Untersuchungen geplant

Ausgerechnet auf der größten Bühne sind die Badminton-Spieler ins Zwielicht geraten, um ihre olympische Zukunft muss die Sportart trotz der Manipulationsaffäre um vier ausgeschlossene Damen-Doppel aber nicht fürchten.

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Die Chinesinnen Wang Xiaoli (r) und Yu Yang hatten wohl absichtlich verloren. Foto: Adi Weida

"Das ganze wird keine Auswirkungen haben", sagte Thomas Lund, Geschäftsführer des Weltverbandes BWF. Auf sich beruhen lassen wollen die Funktionäre die skandalösen Vorfälle bei den Sommerspielen in London jedoch nicht. Der Weltverband will nachträglich alle Gruppenspiele auf mögliche weitere Manipulationen untersuchen, das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Rolle der Trainer in der Affäre genauer unter die Lupe nehmen. Chinas Chefcoach Li Yongbo entschuldigte sich am Donnerstag für das Fehlverhalten seines Doppels: "Die chinesischen Spielerinnen haben versagt, den Kampfgeist des Nationalteams zu zeigen. Ich trage dafür die Schuld."

BWF-Vizepräsident Paisan Rangsikitpho kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. "Wir werden uns alle Videos beschaffen. Momentan haben wir nicht genügend Zeit, aber nach dem Turnier werden wir alles prüfen", sagte er und fügte hinzu: "Ich denke, die überwiegende Mehrheit der Spiele war okay. Aber ich denke, einiges muss sich ändern, um noch mehr Fairness zu garantieren."

Dass überhaupt gehandelt wurde, hat viele Spieler und nationale Funktionäre in der Londoner Wembley Arena verwundert. "Ich habe es einfach schon zu oft gesehen, dass Spiele, insbesondere von den Chinesen, geschoben wurden und danach nichts passiert ist", sagte die dänische Doppel- und Mixed-Spezialistin Kamilla Rytter Juhl. "Da gibt es in China den Big Boss im Hintergrund und der sagt den Spielerinnen, wer gewinnen soll."

Auch im deutschen Lager kennt man die Tricksereien der Chinesen. "Die Disqualifikation war dringend notwendig, auch wenn es insgesamt schade für den Sport ist", sagte Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes. Immer wieder kam es während der Olympiaqualifikation zu ominösen Verletzungen bei chinesischen Spielern, wenn diese gegen Landsleute antreten mussten. Im Vorjahr wurden chinesische Duelle bei internationalen Turnieren laut einer Statistik des Online-Magazins Badzine.net in 20 Prozent der Fälle durch Aufgabe oder kampflos entschieden.

Bundestrainer Jakob Hoi erhofft sich vom harten Durchgreifen im Fall der Doppel aus China, Südkorea und Indonesien einen nachhaltigen Effekt. "Die Disqualifikation, mit der keiner gerechnet hat, tut den betreffenden Ländern richtig weh. Ich hoffe, dass dadurch Manipulationen in Zukunft weniger werden", sagte Hoi. Ganz verhindern werde man diese aber nicht können: "Wie will man jemandem Vorsatz unterstellen, wenn er sich krankmeldet."

Der Weltverband hatte deshalb Anfang dieses Jahres eine Kommission eingesetzt, um derartige Vorfälle zu vermeiden. Bis zu den Sommerspielen war allerdings nichts passiert. "Die Chinesen machen ja, was sie wollen", kritisierte der deutsche Mixed-Spieler Michael Fuchs. "Wenn sich die Vorfälle bei einer WM ereignet hätten, wäre nichts passiert", vermutet Hoi. Seiner Ansicht nach habe das IOC Druck ausgeübt, hart durchzugreifen.

Kritik regte sich aber auch am Spielsystem. Die erstmals ausgetragene Gruppenphase habe die Manipulation erst ermöglicht, äußerten Spieler und Trainer. "Ich verstehe nicht, warum der Verband nicht beim K.o.-System geblieben ist", sagte der vierfache Weltmeister und Olympiasieger von 2008, Lin Dan, aus China. Das Verhalten seiner Landsfrauen habe allerdings "nicht dem olympischen Geist" entsprochen.

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Kommentare

02.08.2012 15:26 Uhr

Was ist an Gruppenspielen so schlecht?

Bei Beachvolleyball wird sonst auch nach KO (double elimination) gespielt und hier eben in einem anderen Modus. Viele andere Sportarten wie Fuß-, Hand-, Basket- oder Volleyball werden grundsätzlich erst in Gruppenrunden ausgetragen. Warum also tun die Federballer hier so dumm?

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