Zähe Handarbeit

Aller Anfang ist schwer - das traf auch auf das Auftaktspiel der deutschen Hockey-Herren zu. Gegen den EM-Dritten Belgien wurden zu viele Chancen vergeben, umso größer war die Erleichterung nach dem 2:1.

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Voller Einsatz: Christopher Zeller (links) wirft sich vor dem Belgier Benjamin van Hove nach der Plastikkugel. Foto: dpa

Als Christopher Zeller zum Siegtor vollendet hatte, hob er den mit einem Bild seiner Freundin verzierten Hockeyschläger in die Höhe und verteilte einen dicken Kuss. "Ich war einfach glücklich und erleichtert, dass wir endlich geführt und am Ende auch gewonnen haben, obwohl wir so viele Chancen liegen gelassen haben. Dieser Erfolg ist extrem wichtig", betonte der deutsche Top-Torjäger nach dem 2:1 (1:1) im olympischen Auftaktspiel gegen den EM-Dritten Belgien.

Damit nahm der zum Favoritenkreis zählende Olympiasieger wie geplant Kurs auf das Halbfinale, einmal mehr war Zeller der Garant. Bundestrainer Markus Weise sprach von "einem verdienten Sieg dank guter deutscher Handarbeit". Denn Zeller bewies ein geschicktes Händchen, als er Oskar Deeckes Freischlag mit der Schlägerspitze am Keeper vorbei ins belgische Tor spitzelte. "Super gemacht", lobte der Coach seinen Stürmer, hinter dem eine lange Leidenszeit liegt. Weise bezeichnete den Kölner deshalb immer als "Granate in der Hinterhand".

Denn Zeller II, dessen älterer Bruder Philipp auch in London dabei ist, war im Juni 2011 am Fuß operiert worden. Statt der vorgesehenen drei Monate fiel die Pause mehr als doppelt so lange aus. Zeller wurde von den Ärzten das Gleitgewebe rekonstruiert, in dem sich die Peronealsehnen im Fußgelenk bewegen. Erst in diesem Jahr konnte er wieder voll trainieren, fühlt sich aber topfit und ist vor allem treffsicher wie eh und je.

Mit dem 161. Länderspieltor gegen Belgien liegt er zwar noch hinter Rekord-Nationalspieler Matthias Witthaus (163), der jedoch benötigte dafür mehr als doppelt so viele Spiele. Mit Zeller und dem ebenfalls zurückgekehrten Timo Wess, Kapitän des Olympiasieger-Teams von Peking 2008, konnte Weise den Top-Kader nochmals verstärken.

Gegen die aufstrebenden Belgier mussten die EM-Champions nach Jerome Dekeysers Strafeckentor (4. Minute) alles aufbieten. Youngster Florian Fuchs (13.) glich aus, danach gab es einige merkwürdige, allerdings letztlich nicht spielentscheidende Videobeweis-Entscheidungen. Und vor allem wurden ungewohnt gleich reihenweise Großchancen, darunter vier Strafecken, verballert. Noch lief es nicht rund. "Gegen Südkorea am Mittwoch wird das gewiss nicht anders. Ich denke, wir brauchen noch ein, zwei Spiele, um richtig gut in das Turnier zu kommen", glaubt Weise. "Wir haben es nicht geschafft, aus vielen Chancen Kapital zu schlagen. Das hätte teuer werden können", monierte der Erfolgscoach.

Wurde es dank Zeller aber nicht. So konnte der Torjäger das Ritual mit dem Küsschen für die Herzallerliebste pflegen. "Das mache ich seit dem WM-Titelgewinn 2006, es hat mir immer Glück gebracht", berichtete der 27-Jährige. Da aber die Qualität des Fotos durch die vielen Hockey-Spiele leidet, muss er immer mal wieder ein neues Bild auf dem Krummstock festkleben. "Aber die Freundin ist noch immer dieselbe", versicherte Zeller auf Nachfrage lächelnd. Gut für Weise & Co., dass auch er wieder der Alte ist.

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