Wirbel um "Erfurter Liste"

30 Sportler sollen sich beim Erfurter Sportarzt Andreas Franke der unzulässigen UV-Bestrahlung ihres Blutes unterzogen haben. Die Nada erhielt von der Staatsanwaltschaft das zweite Mal Akteneinsicht.

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Im Fokus: Gegen Eisschnellläuferin Judith Hesse, hier bei der WM in Calgary, soll bereits ein Verfahren laufen. Foto: dpa

Die Doping-Affäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke wird für den deutschen Leistungssport immer bedrohlicher. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat angekündigt, in 28 weiteren Fällen die Einleitung sportgerichtlicher Verfahren zu prüfen, zahlreiche prominente Top-Athleten fürchten um ihren Ruf. Gegen die Eisschnellläuferin Judith Hesse und Radfahrer Jakob Steigmiller sollen laut ARD-Recherchen bereits Verfahren vor der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (Dis) laufen.

"Selbstverständlich prüfen wir mit aller Gewissenhaftigkeit in jedem einzelnen Fall die mögliche Anwendung verbotener Methoden, ganz gleich, ob es sich dabei um Olympiasieger oder Nachwuchssportler handelt", so die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann. Sportarzt Franke soll in seinen Praxisräumen das Blut von Athleten einer UV-Behandlung unterzogen haben - angeblich, um Infekten vorzubeugen. Die Erfurter Staatsanwaltschaft sieht darin allerdings einen "Anfangsverdacht der unerlaubten Anwendung von Arzneimitteln bei anderen zu Dopingzwecken".

Franke selbst setzte sich erneut zur Wehr. "Aus medizinischer und juristischer Sicht ist die Darstellung falsch, dass es sich bei der UVB Blutbestrahlung um Doping handeln könnte", schrieb er in einer Erklärung. Der Arzt betonte, "dass eindeutig und unstreitig die von mir seit Jahren bei meinen Patienten angewandte Infektbehandlungsmethode bis zum 24. 8. 2011 dopingrechtlich unbedenklich war". Die Nada habe seine Methode bei einer Anfrage 2007 "nicht als Doping klassifiziert". Seine Methode habe keinerlei leistungssteigernde Wirkung.

Von den Stars, die laut eines ARD-Berichts auf der "Erfurter Liste" stehen sollen, wollte sich keiner direkt dazu äußern. "Ich halte das Ganze für Humbug", sagte der Erfurter Nils Schumann, der 2000 in Sydney überraschend Gold über 800 Meter gewonnen hatte.

Bernd Neudert, Leiter des Olympiastützpunktes Thüringen, erklärte, dass er bereits 2007 in einem Brief an die Nada "haarklein" über die UV-Bluttherapie von Franke berichtet und um eine Stellungnahme gebeten habe, ob diese Methode zulässig ist. "Ich habe bis heute keine Antwort erhalten - auch auf Nachfragen nicht", so Neudert. Nada-Sprecher Berthold Mertes widersprach, bestätigte den Eingang der Neudert-Mail vom 4. Juni 2007 und berichtete, dass die Antwort bereits 40 Minuten später erfolgt sei.

In der Antwort habe die Nada darauf hingewiesen, "sich immer strikt gegen eine Eigenblutbehandlung ausgesprochen" zu haben. Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, die laut ARD ebenfalls zu Frankes Patienten gehören soll, wollte sich nicht äußern.

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