Volleyball vom Feinsten, nur die Reife fehlt noch

Von solcher Gala-Form war der VfB Friedrichshafen noch kürzlich weit entfernt. Der 3:0-Coup gegen Tours im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zeigt: Die Volleyballer sind auf dem Weg zu alter Stärke.

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Lange Jahre Kapitän beim VfB Friedrichshafen zu sein, ist manchmal ein schwieriger Job. Schließlich gilt es in jeder Saison, mitzuhelfen, ein stets neuformiertes Team einmal mehr stark zu machen. Kapitän beim Volleyball-Bundesligisten kann auch ein wunderbarer Job sein. "Ja, so macht es mit der Mannschaft richtig Spaß", sagte Joao José. Und der Portugiese, der seit acht Jahren am Bodensee schmettert, lächelte fein.

Gerade hatte sein Team den 3100 Zuschauern gegen Tours VB eine glänzende Vorstellung geboten. 3:0 (29:27, 25:18, 25:21) stand es nach anderthalb Stunden gegen den Tabellenzweiten der französischen Ligue Pro A, der mit internationalen Spitzenkönnern gespickt ist. "Friedrichshafen hat sicherlich verdient gewonnen, die waren in allen Bereichen besser", gestand Mauricio Paes, der brasilianisch-französische Trainer ein. Bei Aufschlägen, Annahme und Angriffsleistung waren die Gastgeber überlegen.

Nach der Gala, die für die Häfler die Tür zum Viertelfinale aufstößt (Rückspiel nächsten Mittwoch), sagte sogar Stelian Moculescu: "Wir haben Volleyball vom Feinsten gespielt. Das ist schön - genießen wir es." Und der Erfolgscoach gehört gewiss nicht zu jenen, die leicht zufriedenzustellen sind.

José hat ganz erheblich dazu beigetragen. Wie der Mittelblocker die vom slowakischen Zuspieler Juraj Zatko akkurat und kurz gestellten Bälle unerreichbar ins französische Feld donnerte, das war schon Extraklasse. Neun Punkte markierte der 33-Jährige - und das mit einer hundertprozentigen Angriffsquote. Der Mann, der mit dem VfB nicht weniger als siebenmal Deutscher Meister und viermal Pokalsieger geworden ist, ist der einzige, der noch von 2007 übrig geblieben ist. Da hatte Friedrichshafen das Kunststück geschafft, das Finale der Champions League mit 3:1 zu gewinnen. Der damalige Gegner: Tours VB.

"Wir hatten damals drei bis vier Jahre zusammengespielt und hatten die entsprechende Reife", weiß José. Kann sein jetziges Team, so es zusammen bleibt, einmal in solche Erfolgssphären aufsteigen? "Diese Mannschaft hat großes Potenzial. Wir waren heute auch in schwierigen Situationen mental sehr stabil. Klar, dass uns insgesamt noch etwas die Reife und die Coolness fehlt", analysiert der bärtige 1,94-m-Mann. José ist genau der Richtige, um den Entwicklungsprozess der neuen Mannschaft mitzusteuern. Moculescu schätzt die Qualitäten seines ersten Mannes hoch ein: "Joao ist ein Profi, wie man ihn sich wünscht. Mit zwölf Leuten wie ihm würde man Olympiasieger."

Größeres Lob kann es für einen Mann, der durch sein Ballgefühl und seine Spielintelligenz überzeugt, kaum geben. "Wir haben einen guten Draht zueinander, und er macht auch seine eigenen Dinge", sagt der Coach. Wie einst Bobby Jalowietzki brauche die Mannschaft genau so einen wie José.

Den Schlusspunkt einer hochkarätigen Partie setzte freilich nicht der Kapitän, sondern Oliver Venno. Der Diagonalspieler aus Estland verwandelte den zweiten Matchball mit brachialer Gewalt. Mit 20 Zählern war der 21-Jährige der beste Punktesammler. Venno blieb dennoch ungerührt: "Ich bin glücklich, aber man kann immer besser spielen. Ich will mich noch weiter entwickeln." Die Perspektiven sind gut.

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