Vier syrische Flüchtlingskinder gehören zum Elchinger Ringerkader

Mohamad, Hamsa, Asri und Khaled flohen aus Syrien nach Deutschland. In Elchingen begeisterten sie sich fürs Ringen. Und nun standen sie bei einem Mannschaftswettkampf teilweise erstmals auf der Matte.

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Mohamad gibt sich cool. Aber die Aufregung ist dem Sechsjährigen ins Gesicht geschrieben. Die ganze Familie ist da, um ihm beim Mannschaftswettkampf gegen die Ringer aus Königsbronn die Daumen zu drücken. Auch die Zuschauer aus Unterelchingen und die Mannschaftskameraden feuern ihn an. "Die Flüchtlingskinder sind bei den KSV-Ringern herzlich aufgenommen worden", sagt Jugendleiterin Melanie Schweter. Mohammad Alrashed und sein Bruder Hamsa (5 Jahre alt) sowie Asri (8) und Khaled Al Rahmoun (6) sind erst kürzlich aus Syrien nach Deutschland gekommen.

Vor den großen Ferien waren die Jungs ein paar Mal zum Schnuppern in die KSV-Halle gekommen. Damals wohnten sie alle noch in der Asylbewerber-Unterkunft im ehemaligen Gasthof "Adler". Seit die Sommerpause vorbei ist, trainieren sie regelmäßig mit den Schülern. Was sich einfach anhört, muss organisiert werden und setzt die Hilfsbereitschaft der Ringer-Eltern voraus: Die syrischen Familien wohnen mittlerweile in Leibi und Pfuhl.

"Wir bilden Fahrgemeinschaften oder holen die Kinder auch extra zu Hause ab", sagt Nourredine Bennani. Sein Sohn ringt beim KSV, sein Schwager trainiert die Schüler, zudem spricht Bennani Arabisch und hilft dem Freundeskreis Asyl beim Übersetzen. Er freut sich, dass die syrischen Kinder bei den Ringern aufgenommen wurden. Deren soziales Engagement sei "enorm."

Asri ist bei der Begegnung mit den Nachwuchs-Sportlern aus Königsbronn zum ersten Mal dabei. Als Kleinste laufen die vier syrischen Jungen an der Spitze der Mannschaft ein. Sie wirken ein bisschen unsicher. Aber Trainer Hubert Walter erklärt ihnen den Weg. Als Erster muss Asri antreten. Er ist der Leichteste in der Schülermannschaft, die aus neun Sportlern zwischen 6 und 14 Jahren besteht. Sie sind in verschiedene Gewichtsklassen aufgeteilt. Konzentriert geht der Achtjährige seinen Zweikampf im Freistil an. "Der hat's echt drauf", meint eine Zuschauerin. Asri schaut immer wieder zu den Jugendtrainern Hubert Walter und Martin Weickert und versucht, ihre Anweisungen umzusetzen. Er bezwingt seinen Gegner und holt vier Punkte für die Kampfgemeinschaft KG Unterelchingen/Bellenberg.

"Es ist unglaublich, welche Fortschritte die Kinder gemacht haben, sowohl sportlich als auch sprachlich", sagt Walter. Mohamad kann der Routine des Vertreters aus Königsbronn noch wenig entgegensetzen. Enttäuscht verlässt er die Matte, nachdem er dem Trainer der gegnerischen Mannschaft die Hand gegeben hat, wie es die Regel verlangt. Trainer Walter tröstet ihn. Niederlagen zu verarbeiten - das gehöre eben dazu. Schon wenig später lacht Mohammad wieder.

"Im Mannschaftskampf bekommen die Kinder ein Gefühl fürs Miteinander", sagt die Jugendleiterin. Sie lernen, sich aufeinander zu verlassen und sich gegenseitig aufzurichten, wenn mal ein Kampf verloren geht. Da werde keiner geschimpft. Schließlich gewinnt die KG Unterelchingen/Bellenberg - und die Freude ist riesig.

Groß ist auch der Applaus, den Hamsa und Khaled bekommen. In der Pause treten die beiden Jüngsten zu einem Freundschaftskampf gegeneinander an. Es wirkt noch sehr verspielt, wie sie miteinander raufen. Jugendleiterin Schweter freut sich darüber, dass sich die syrischen Kinder so gut eingefügt haben. "Über den Sport funktioniert die Integration bestens." Davon profitieren nicht nur die Kinder und ihre Familien, sondern auch der Verein. Schließlich kämpft auch das Ringen als "Randsportart" durchaus mit Nachwuchsproblemen.

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