Weishaupt peilt beim CHIO die Titelverteidigung an

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Philipp Weishaupt hat Stress. Positiven Stress. Am Wochenende erst kam er mit seinen Pferden aus dem kanadischen Spruce Meadows zurück, heute gestern reiste er mit seinem Tross nach Aachen, um beim bedeutendsten Turnier der Welt in „Doppelschicht“ als Nationenpreis- und Einzelreiter an den Start zu gehen. Dabei bedingt das eine irgendwie auch das andere: Wäre Weishaupt vergangene Woche in der Nähe von Calgary nicht Zweiter im Großen Preis geworden, hätte ihn Bundestrainer Otto Becker vielleicht nicht für den Nationenpreis nominiert.

Denn bis dahin konnte der Jettinger, der vor Jahren nach Riesenbeck in den Stall der Springsport-Größe Ludger Beerbaum zog, noch nicht groß auf sich aufmerksam machen. Aber nachdem Philipp Weishaupt seine Blinddarm-Operation und Convall seine Verletzung überstanden haben, greift das sportliche Traumpaar zum vorläufigen Saisonhöhepunkt vor der EM Ende August wieder an. Der 31-Jährige, der übermorgen Geburtstag hat, will mit seinem außergewöhnlichen Schimmelhengst den Sieg im Großen Preises von Aachen aus dem Vorjahr wiederholen

Nicht weniger ambitioniert ist die Grand Dame der Dressur, Isabell Werth, die beim „Weltfest des Pferdesports“ Olympia-Stute Weihegold gesattelt hat. „Es gibt nichts Schöneres als den CHIO“, sagt Werth, und erklärt, warum: „Es ist die Mischung, die das Besondere hier ausmacht: Der Sport, das Volksfest, das gesellschaftliche Event und diese wahnsinnige Bandbreite aller Disziplinen.“ Klar, dass auch sie als Silbermedaillengewinnerin von Rio einen Kuchen vom insgesamt 2,8 Millionen Euro hohen Preisgeld abhaben will. „Ich bin selbstbewusst genug zu sagen, dass ich mich mit der Bezeichnung ,Top-Favoritin’ gut anfreunden kann.“

Denn neben den Besten der Welt in Dressur und Springen gibt es auch die Stars der Vielseitigkeits-Szene und des Fahrsports zu sehen. Und da mischen zwei Baden-Württemberger voraussichtlich wieder ganz vorne mit: Der Olympiasieger, Welt- und Europameister aus Horb, Michael Jung, bei den „Buschreitern“ und der Europameister aus Lauchheim-Hülen, Michael Brauchle, bei den Vierspännern. Ersterer ist mit London-Olympiasiegerpferd Sam und als Vorjahressieger wieder favorisiert, Letzterer muss noch zeigen, dass er nicht nur beim wilden Marathon durchs Gelände der Schnellste ist, sondern auch in Dressur und Kegelfahren überzeugen kann. Denn in Aachen fehlt dem 27-Jährigen noch der Gesamtsieg. Im zarten Alter von 18 Jahren gewann er aber dort bereits die Geländeprüfung, die traditionell am Samstag die Massen in die Soers und vor den Fernseher lockt.

An Aachen hat der Hufschmied aus der Nähe von Aalen aber noch eine andere gute Erinnerung: Vor zwei Jahren wurde er dort Europameister in der Einzelwertung, und auch jetzt stehen die Chancen auf einen Podestplatz gut: Bei den Deutschen Meisterschaften in Riesenbeck gewann Michael Brauchle Bronze.

Schlossermeister im Hauptberuf

Und auch das ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man die Hintergründe kennt: „Michi hat bisher nie einen Sponsor gehabt, der ihm die besten und teuersten Pferde kaufen konnte. Dennoch hat er es immer geschafft, aus vier sehr unterschiedlichen Pferden ein Team zu machen“, schwärmt der Bundestrainer der Vierspänner, Karl-Heinz Geiger. Die überdurchschnittlich hohen Preisgelder, die in Aachen gezahlt werden, bieten insbesondere den Fahrern einen zusätzlichen Anreiz zum Prestige, da der Sport trotz aller Erfolge sonst meist ein Draufzahlgeschäft ist: „Fünf bis sechs Personen gehörten auf einem Turnier immer zu meinem Team, sonst ist das gar nicht machbar“, erklärt Brauchle, warum er auch weiterhin als Schlossermeister arbeiten wird, selbst wenn er erstmals die Gesamtwertung beim CHIO gewinnt.

Da geht es den Springreitern aus Baden-Württemberg anders. Egal ob der 22-jährige Niklas Krieg aus Donaueschingen oder der 45-jährige Hans-Dieter-Dreher aus Eimeldingen, sie alle reisen als Profis nach Aachen. Mit der 1 Milllion Euro Preisgeld beim Großen Preis von Aachen, dem höchstdotierten Springen der Welt, werden sie zwar nichts zu tun haben. Dafür aber vielleicht Philipp Weishaupt. Vor einem Jahr haben er und Convall schon bewiesen, dass sie es können.

WDR
Dienstag, 20.15 Uhr: Eröffnungsfeier.
Mittwoch, 14 Uhr: Springreiten, Turkish Airlines-Preis von Europa.
Donnerstag, 20.15 Uhr: Springreiten, Nationenpreis.
Freitag, 14.30 Uhr: Springreiten, Preis von Nordrhein-Westfalen und Preis der Sparkasse.
Samstag, 11 und 15.45 Uhr: Vielseitigkeit DHL-Preis, Springprüfung mit Siegerrunde, Zusammenfassung Dressur Grand Prix Spécial und Geländeprüfung für Vierspänner.
Sonntag, 11 und 19.30 Uhr: Dressur Grand Prix Kür, Springreiten, Großer Preis (1. Umlauf) und Abschied der Nationen.
ARD 
15.15 Uhr: Springreiten, Großer Preis (2. Umlauf und Stechen).

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