Spielort des Schicksals: Wimbledon-Finale Kerber gegen William

Deutschlands beste Tennisspielerin fordert am Samstag erneut die Nummer eins heraus – an dem Ort, wo sie fast ihre Karriere an den Nagel gehängt hätte.

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Weltklasse-Tennisspielerin: Angelique Kerber punktet in Wimbledon mit starker Physis und konstant präzisen Schlägen.  Foto: 

Es ist der Sehnsuchtsort deutscher Tenniskarrieren, ein Mythos. Das Theater der Träume, eine grüne Wohlfühloase für die Helden der Vergangenheit, für die Beckers, Grafs und Stichs. Wimbledon, es ist ein Name, der keiner weiteren Erklärung bedarf. Auch nicht für Angelique Kerber. Als sie am Abend ihres souveränen Endspieleinzugs, nach dem Sieg gegen Venus Williams, gefragt wurde, was das Besondere an Wimbledon sei, überlegte sie nur kurz. Dann sagte sie: „Es ist einfach Wimbledon.“

Wimbledon ist wichtiger, bedeutender als jedes andere Turnier der Welt, auch als jeder andere Grand Slam. Und blickt man auf die Tennis-Biographie von Kerber, die am Samstag im letzten Duell aufs Neue ihr Glück gegen die Weltranglisten-Erste und fünfmalige Turniersiegerin Serena Williams versuchen will, dann hat auch für sie kein anderer Schauplatz ihr Profileben mehr geprägt und beeinflusst als das Rasenfest an der berühmten Church Road. „Wimbledon hat in Angies Karriere Schicksal gespielt“, sagt Trainer Torben Beltz, der ruhige, stabilisierende Partner an Kerbers Seite.

Vor fünf Jahren, in einem anderen Tennisleben, war Kerber drauf und dran, nach einer vernichtenden Erstrunden-Niederlage gegen die Britin Laura Robson den Schläger an den Nagel zu hängen – demoralisiert und entgeistert kehrte sie damals von der Insel heim. „Ich sah keinen Sinn mehr in dem, was ich tat“, erinnert sich Kerber, „ich stand vor einem Scherbenhaufen.“ Damals half ihr Andrea Petkovic aus der Krise heraus. Gemeinsam trainierten die beiden Nationalspielerinnen einen harten Sommer lang. Genaugenommen war es eine Phönix aus der Asche-Geschichte, denn aus der 2011er-Schlappe entstand das Aufstiegsmärchen der schlagstärksten Erbin von Steffi Graf. „Angie hat noch einmal allen Mut, alle Energie mobilisiert – und alles gedreht damals“, sagt Bundestrainerin Barbara Rittner.

Schon 2012 rückte Kerber bei den Offenen Englischen Meisterschaften ins Halbfinale vor, allerdings war sie da noch chancenlos gegen ihre fintenreiche polnische Bekannte Agnieszka Radwanska. Gleichwohl war sie auf einmal mit Wimbledon im Reinen – mit dem Spielort, der sie als Kind fasziniert hatte vorm Fernseher („Die weiße Kleidung, der Centre Court, das ganze Ambiente. Es war der Traum, da mal zu gewinnen“). Den sie zwischenzeitlich in den Tiefpunkten verflucht hatte. Und den sie als Karrierebeschleuniger nutzte, mit den anderen, auf den Tennis-Grüns erfolgreicheren Kolleginnen gleichzuziehen. Wimbledon, es ist im Hier und Jetzt eine Kraftquelle, eine Inspiration für Kerber. Der Beweis, dass sie wirklich zu den Besten ihres Berufs gehört, nicht etwa ein One-Hit-Wonder ist. Der Finaleinzug dient als Selbstvergewisserung für die Kielerin, ist aber auch ein Ausrufezeichen gegen die Zweifler. Kerber ist nun schon seit Jahren die verlässliche deutsche Größe. Auch, weil sie aus dem sportlichen Schaden in Wimbledon klug und klüger wurde. Und immer, jeden Tag aufs Neue, den Anspruch an sich hatte, „ein Stückchen besser zu werden.“ Kerber jedenfalls ist bereit: „Ich gehe raus im Gefühl, dass ich gewinnen werde.“

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