Kerber im Glück

20 Jahre nach dem letzten Wimbledon-Titel von Steffi Graf steht Angelique Kerber im Halbfinale. Das Match gegen Simona Halep war stets umkämpft.

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Ungläubig ließ Angelique Kerber ihren Schläger fallen, fasste sich kurz an den Kopf und ballte dann die Fäuste. 20 Jahre nach dem letzten Wimbledon-Titel von Steffi Graf hat die deutsche Nummer eins die Chance auf den Finaleinzug beim berühmtesten Tennis-Turnier der Welt. Nach ihrem hochklassigen Viertelfinal-Erfolg über die rumänische Spitzenspielerin Simona Halep trifft die 28-Jährige morgen auf  die Amerikanerin Venus Williams.

Im Endspiel des bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt könnte dann die Titelverteidigerin und Weltranglisten-Erste Serena Williams warten. „Als ich auf die Tour kam, waren die beiden Williams-Schwestern immer die Topfavoritinnen. Inzwischen haben sie auch Respekt vor mir“, sagte eine glückliche Kerber nach dem spannenden 7:5, 7:6 (7:2) gegen Halep. Sie befand: „Ich spiele mein bestes Tennis.“

20 Jahre nach dem letzten Titel von Steffi Graf fehlen Kerber zwei Siege, um sich zur ersten deutschen Wimbledon-Königin seit 1996 zu krönen. Schon zu Saison-Beginn feierte sie als Erste aus den Nachfolge-Generationen von Steffi Graf einen Grand-Slam-Titel. Der historischen Dimension war sich Kerber nicht bewusst, als sie gestern mit offenen Haaren im größten Medienraum erschien. Zu konzentriert ist sie auf ihre eigenen Möglichkeiten. „Ich habe das Ziel, solche Turniere zu gewinnen“, sagte sie selbstbewusst.

Gegen Halep demonstrierte die 28-Jährige eindrucksvoll, warum ihr Name inzwischen prominent gehandelt wird, wenn es um die populärsten Trophäen geht. Und dass ihr Melbourne-Coup nicht einmalig bleiben muss. Als sie nach 1:30 Stunden ihren ersten Matchball verwandelte, zog sie zum zweiten Mal in ihrer Karriere nach 2012 in die Runde der besten Vier in Wimbledon ein. Ungläubig ließ sie den Schläger fallen, fasste sich kurz an den Kopf und ballte dann die Fäuste. „Wir haben beide eine gute Partie auf hohem Niveau gespielt“, sagte sie.

Ihren vor Saisonbeginn forsch formulierten Zielen lässt sie ein zweites Mal Taten folgen. Nach dem Australien-Titel im Finale gegen Serena Wiliams folgte in Paris bei den French Open zwar der tiefe Fall mit dem Erstrunden-Aus. Doch hier im altehrwürdigen Club an der Church Road zeigte sie vom ersten Tag an, dass sie es wieder wissen wolle. Bereits 2012 war die Linkshänderin einmal im Halbfinale des Rasen-Turniers. Damals verlor sie gegen die Polin Agnieszka Radwanska. Bislang letzte deutsche Finalistin in Wimbledon ist Sabine Lisicki vor drei Jahren gewesen. Erst sechs deutsche Damen haben es in bis in die Vorschlussrunde geschafft: Neben Angelique Kerber sind das Cilly Aussem, Hilde Krahwinkel, Bettina Bunge, Steffi Graf und Lisicki.

Kerber bekommt es nun mit der ältesten Spielerin im Turnier zu tun: der fünfmaligen Wimbledon-Siegerin Venus Williams, die die Kasachin Jaroslawa Schwedowa bezwang. Gegen die 36-Jährige hat Kerber von fünf Duellen drei gewonnen. „Sie ist immer gefährlich auf Gras“, blickte Kerber voraus. „Ich muss rausgehen und das Spiel selbst in die Hand nehmen, nur so kann ich sie schlagen.“ Im zweiten Vorschlussrunden-Duell trifft Serena Williams auf die Weltranglisten-50. Jelena Wesnina aus Russland.

Von vier Vergleichen gegen Halep hatte Kerber zuvor nur einen gewonnen. Dieses Mal spielte sie vor rund 12 000 Zuschauern von Beginn an aggressiv. Gleich fünfmal nahm die Nummer vier der einen Rang schlechter platzierten Rivalin das Service ab und ließ sich auch nicht davon verunsichern, dass sie ebenfalls viermal den Aufschlag verlor. Ein Doppelfehler von Halep sicherte ihr nach 40 Minuten den ersten Satz.

Auch im zweiten Durchgang lieferten sich Kerber und die French-Open-Finalistin von 2014 umkämpfte und immer wieder hochklassige Ballwechsel. Beim Stand von 5:3 hätte Kerber das Match mit eigenem Aufschlag beenden können, musste aber noch das 5:5 hinnehmen. Im Tiebreak bescherte ihr ein Rückhandfehler von Halep den Sieg. Kerber bleibt die einzige im Turnier-Tableau, die noch keinen Satz abgegeben hat.

„Es ist so toll, im Halbfinale zu stehen!“, sagte Angelique Kerber im kurzen Sieger-Interview direkt nach ihrem Auftritt auf dem Centre Court. „Ich fühle mich gut, bin fokussiert auf mein Spiel. Ich genieße hier jeden Tag.“

Federer heute gegen Cilic

Herren-Tag Am heutigen Mittwoch stehen in Wimbledon die Viertelfinals der Herren auf dem Programm. Im ersten Match auf dem Centre Court trifft der siebenmalige Wimbledon-Champion Roger Federer auf den kroatischen Tennisprofi Marin Cilic (14 Uhr/Sky). Anschließend spielt der Sieger von 2013, der Brite Andy Murray, gegen Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich. Zudem steht auf dem zweitgrößten Platz der Anlage der kanadische Weltranglisten-Siebte Milos Raonic dem Amerikaner Sam Querrey gegenüber. Querrey hatte in der dritten Runde Titelverteidiger Novak Djokovic bezwungen. Der Tscheche Tomas Berdych spielt gegen Lucas Pouille aus Frankreich um den Einzug ins Halbfinale von Wimbledon.

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