Elisabeth Seitz dreht das Ding

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Perfekte Rückkehr in Stuttgart: Elisabeth Seitz schaffte in der WM-Qualifikation die Bestnote auf dem Stufenbarren.  Foto: 

Manchmal wundert Elisabeth Seitz sich über sich selbst, „da frage ich mich, wie mache ich das bloß?“ Dass sie ihre komplizierte Stufenbarrenübung, die zu den besten in der Welt zählt, auch dann abspult, wenn die Umstände gegen sie sprechen. Dass sie einfach ans Geräte gehe und „ihr Ding“ mache.

Am Samstagnachmittag war es wieder einmal so weit. Da trat die Dritte der Europameisterschaft bei der Weltmeisterschaftsqualifikation der Kunstturnerinnen in ihrer Wahlheimat Stuttgart nur einmal vor die Kampfgerichte, flog kurz darauf scheinbar mühelos zwischen den Holmen hin und her, und als sie nach ihrem Abgang wieder landete, da hatte sie mit der Tagesbestnote von 14,50 Punkten die Reise zu den Titelkämpfen nach Montreal gemeinsam mit ihren Trainingskolleginnen Kim Bui und Tabea Alt sowie der Chemnitzerin Pauline Schäfer fest gebucht.

Doch was so selbstverständlich schien, war es wahrlich nicht. Nach ihrem erneuten Mehrkampfsieg bei den Deutschen Meisterschaften im Juni hatte eine Rückenverletzung die 23-Jährige gebremst. „Zwei Wochen lang durfte ich gar nichts machen“, sagte Seitz, weitere 14 Tage nur langsam wieder aufbauen. Erst Mitte August war sie wieder voll ins Training eingestiegen. An allen Geräten – doch in der mit 2200 Zuschauern ausverkauften Scharrena fokussierte sich die Olympiavierte ebenso wie ihre am Fuß verletzte Trainingspartnerin Kim Bui nur auf eine Übung.

Nun bleiben ihr noch drei Wochen, um auch ihre anderen Vorträge zu stabilisieren. Bundestrainerin Ulla Koch sieht die Powerfrau nach so kurzer Zeit allerdings nicht als Mehrkämpferin nach Kanada fliegen. Diese Rolle wird wohl allein Gesamtweltcupsiegerin Tabea Alt obliegen. Die 17-Jährige aus Ludwigsburg stürzte nach ihrem Sieg bei der ersten internen Qualifikation zwar diesmal bei einer Akrobatikserie  am Schwebebalken, zeigte ansonsten aber mit 54,60 Punkten erneut den besten Vierkampf. Die Wettkampfpause, die sie nach ihrem erfolgreichen Frühjahr eingelegt hatte, hatte die Schülerin auch dazu genutzt, ihre Vorträge an Sprung und Barren aufzustocken. Das Missgeschick auf dem nur zehn Zentimeter schmalen Grat, auf dem sie sich eigentlich am wohlsten fühlt, werde sie schnell vergessen haben, erklärte Alt. „Ich habe ja schon danach gleich wieder bewiesen, dass ich die Übung eigentlich stabil turnen kann“, sagte sie mit Blick auf die ansonsten fast fehlerfreie Kür.

Nguyen patzt am Barren

Standen bei den Frauen die WM-Starterinnen, die allesamt schon bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr dabei waren, eigentlich schon vor dem Wochenende fest, ging es bei den Männern spannender zu. Zwar kehrten Leistungsträger wie der in Rio am Knie verletzte Andreas Toba und der an beiden Schultern operierte Andreas Bretschneider nach längeren Pausen wieder auf die Wettkampfbühne zurück, allerdings nur für wenige Übungen. Beide schafften dennoch, ebenso wie der zweimalige Silbermedaillengewinner von London 2012, Marcel Nguyen, den Sprung zur WM. Der in Stuttgart trainierende und in der Bundesliga für die KTV Straubenhardt startende Unterhachinger patzte ausgerechnet an seinem Paradegerät, dem Barren, wo er nach einem auf einem Holm geturnten Element nicht optimal in den Handstand kam und absteigen musste.

Marcel Nguyens Barrenübung ist laut Cheftrainer Andreas Hirsch genauso finalwürdig wie die von Andreas Bretschneider am Reck, in welcher der Sportsoldat auch den nach ihm benannten Doppelsalto mit Doppelschraube über der Stange zeigte. ­Darüber hinaus gibt der Coach noch Mehrkampfsieger Philipp Herder aus Berlin, Pauschenpferdspezialist Ivan Rittschik aus Chemnitz sowie dem erst 20-jährigen Erfurter Nils Dunkel eine Chance der WM in Montreal.

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