Usain Bolt: Die letzten Meter für den schnellsten Mann der Welt

Superstar Usain Bolt ist nicht nur Sprint-Weltrekordler, sondern auch einer der großen Entertainer des Sports. Noch einmal will der Jamaikaner begeistern.

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Bilder einer großen Karriere: Usain Bolt lief 9,58 Sekunden über 100 Meter bei der WM 2009 in Berlin – Weltrekord. Außerdem glänzt er als Entertainer – unter anderem mit seiner bekannten Sterndeuterpose – und herzt nach Triumphen gern seine Mutter Jennifer.  Foto: 

Noch ein letztes Mal: Showtime! Dann will es der schnellste Mann der Welt langsamer angehen lassen. Für Usain Bolt und für seine Bewunderer endet nach der Weltmeisterschaft in London eine absolut einmalige Karriere. Auch weil die Kräfte nachlassen und Schmerzen, oft genug im Rückenbereich, zunehmen. In den letzten Jahren, so der Eindruck, war der Sprint-Superstar häufiger zu Gast in der Praxis von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt als unterwegs auf den Laufbahnen der großen Stadien.

Die Goldmedaille über 100 Meter bei den Olympischen Spielen in Rio war nicht die erste, die er seinem „Doc“ in München widmete: „Er hat sie verdient. Er hat mich durch die Jahre gebracht. Die ganzen Zipperlein und Wehwehchen. Er hat mich wieder auf die Füße gestellt. Ich danke ihm unendlich. Diese Medaille ist für Dich!“, sagte der Jamaikaner.

Am 21. August, rund eine Woche nach dem Abschluss der WM im Londoner Olympia­stadion feiert Bolt seinen 31. Geburtstag in der absoluten Gewissheit, dass er endgültig zur lebenden Legende avanciert ist: „Ja, ich denke, das bin ich“, sagt er. Sein erklärtes Ziel als Sportler ist erreicht. Mit 13 WM-Medaillen ist er der Erfolgreichste in der über 30-jährigen Geschichte der Titelkämpfe. Einer der bestverdienenden Athleten der Welt ist er seit Jahren außerdem, kommt auf geschätzt mehr als 30 Millionen Euro im Jahr, allein Ausrüster Puma soll zehn Millionen Dollar zahlen. Auch das zeigt seine Extra-Klasse. Demnächst hat die Leichtathletik-Welt keinen mehr, den sie so groß feiern kann, wie den außergewöhnlichen Alleinunterhalter über 100 und 200 Meter.

Wenn jetzt darüber diskutiert wird, ob auch aus dem Berliner Olympiastadion eine reine Fußball-Arena zu werden hat: Auf der blauen Bahn hat Bolt mit Riesenschritten bei der WM seine Weltrekorde gelaufen – 9,58 Sekunden am 16. August 2009 über 100 Meter und vier Tage später  19,19 Sekunden über 200 Meter.

Acht Olympiasiege und bisher elf WM-Goldmedaillen krönen darüber hinaus seine Karriere. Ursprünglich war er nach Peking 2008, London 2012 und Rio 2016 sogar neunfacher Olympiasieger. Doch Anfang des Jahres wurde er eine Goldmedaille los. Der Grund: Weil damals in Peking Teamkollege Nesta Carter in der Staffel gedopt war, wie Nachtests ergaben, muss auch der Superstar sein Edelmetall abgeben. Ihm selbst wurde nichts vorgeworfen.

Bolt selbst war nie auffällig – und damit stets sauber. Berichte über die jahrelang extrem lax gehandhabten Trainingskontrollen auf Jamaika ließen aber selbst ihn nicht nur im strahlendsten Licht erscheinen. Auch als just im April bekannt wurde, dass trotz Clenbuterol-Verdachts gegen jamaikanische Athleten nicht weiter ermittelt wurde, wegen angeblich minimaler Mengen des verbotenen Kälbermastmittels, machten Spekulationen die Runde: Soll vor allem Bolt, die unumschränkte und ziemlich einsam dastehende Werbefigur der Leichtathletik geschützt werden?

Das Internationale Olympische Komitee verwahrte sich dagegen, auch die Welt-Anti-Dopingagentur sehe den Fall als erledigt an. Start frei also: Nun geht es in London für Bolt, der wegen des geschundenen Rückens auf die 200 Meter verzichtet, um ein möglichst glorreiches Finale. Damit könnte es schwierig werden. Drei Anläufe hatte er diese Saison gebraucht, um überhaupt unter die 10-Sekunden-Marke zu kommen. Beim Diamond-League-Meeting in Monaco feierte er am 21. Juli in 9,95 einen mühsamen Sieg.

Den ersten Auftritt in London, ein Termin seines Hauptsponsors, hat Bolt jetzt genutzt, um jeden Zweifel an seiner Form wegzuwischen: „Ich bin völlig zuversichtlich, genau wie mein Coach. Zu 100 Prozent! Schon Monaco hat gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin bereit.“

Große Samstagabend-Show

Das große Bolt-Finale beginnt am Freitag von 21.20 Uhr an (ZDF)  mit den 100-Meter-Vorläufen. Der Startschuss zum Endlauf fällt am Samstag um 22.45 Uhr (ARD). Ob es auf ein letztes Duell zwischen Bolt und Justin Gatlin, 35, hinausläuft? Der Ex-Doper aus den USA war zuletzt immer der Verlierer. Andere, jüngere Sprinter waren diese Saison schneller als die beiden. Mit 9,82 Sekunden führt Christian Coleman (USA) die Weltjahresbestenliste vor dem Jamaikaner Yohan Blake (9,90) an.

Zwischen ihm und Landsmann Bolt rangieren vier weitere Athleten. Es könnte knapp werden mit einer Einzelmedaille. Vielleicht muss es die Staffel für und mit Bolt herausreißen. Fürs große Happy End. „Die Stimmung in den Stadien werde ich vermissen“, sagt Usain Bolt. „Ich bin glücklich über meine Karriere, aber traurig, dass sie jetzt endet.“

Fünf Jahre nach den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben, die sich über vom 3. bis 12. August 2012 über zehn Wettkampftage erstreckt haben, werden jetzt im Londoner Olympia­stadion die 16. Weltmeisterschaften ausgetragen. Stichwort Nachnutzung: Das Olympiastadion im Queen Elizabeth Olympic Park ist nicht mehr ganz das, was es bei den Sommerspielen war, für die es extra gebaut wurde. Heute treten hier in Stratford im East End von London die Premier-League-Fußballer von West Ham United, vergangene Saison Tabellenelfter, zu ihren Heimspielen an. Die Zahl der Zuschauerplätze wurde vor der Neueröffnung 2016 von 80.000 auf 60.000 reduziert.

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