Deutsche Leichtathleten zwischen Unsicherheit und erfolgreichem Umbruch

Mehrere Routiniers im deutschen WM-Team sind nicht in Bestform. Das dämpft die Medaillenprognose. Doch junge Talente drängen nach.

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  • Wackel- oder Medaillenkandidaten? Die beiden Routiniers und Ex-Weltmeister, Kugelstoßer David Storl, 27, ... 1/2
    Wackel- oder Medaillenkandidaten? Die beiden Routiniers und Ex-Weltmeister, Kugelstoßer David Storl, 27, ... Foto: 
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    ... und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, ebenfalls 27, hatten bisher keine konstant stabile Saison. Foto: 
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Bolt, Bolt, Bolt. Und dann kommt lange nichts. So war das schon am Freitagabend zum WM-Auftakt in London, als der letzte 100-Meter-Vorlauf in der Karriere des jamaikanischen Super-Sprinters Usain Bolt, 30, die Stimmung ähnlich zum Brodeln brachte wie die abschließende erste Entscheidung: das 10 000-Meter-Finale mit Lokalmatador Mo Farah, der kurz nach den Titelkämpfen ebenfalls seine Laufbahn beenden wird.

Mit den deutschen Stars ist es dieses Mal so eine Sache: Einige der langjährigen Medaillenkandidaten wie die Offenburger Speerwerferin Christina Obergföll oder Betty Heidler (Hammerwurf) sind nicht mehr dabei, Weltklasse-Kugelstoßerin Christina Schwanitz ist gerade Mutter von Zwillingen geworden. Hürden-Europameisterin Cindy Roleder fehlt verletzt.

Andere Leichtathletik-Größen wie Stabhochspringer Raphael Holzdeppe, Speerwurf-Titelverteidigerin Katharina Molitor oder auch Kugelstoßer David Storl sind Wackelkandidaten. Holzdep­pe und Molitor mussten sich sogar bei der deutschen Meisterschaft geschlagen geben. Storl immerhin, der am Samstag von 11 Uhr an (ARD live) in der Qualifikation gefordert ist, zeigte zuletzt ansteigende Form und verbesserte sich mit 21,87 Metern auf Rang acht in der Welt. Bereits mit 21 Jahren war er der erste deutsche Weltmeister in seiner Kraftdisziplin – und der jüngste überhaupt. Bei der WM 2013 in Moskau holte er ein weiteres Mal Gold. Jetzt ist er 27, kommt aber anders als die US-Stoßer Ryan Crouser und Joe Kovacs, der Titelverteidiger ist, nicht mehr über die 22-Meter-Marke. Was offenbar auch Kopfsache ist.

Deshalb arbeitet Storl, der vor einem halben Jahr Vater eines Sohnes geworden ist, neuerdings auch mit einem Mentaltrainer zusammen. Der Lebensgefährte von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, Matthias Große, hat den Wahl-Leipziger in der WM-Vorbereitung psychologisch unterstützt. „Mein großes Ziel ist es, im Kopf klar und aufgeräumt zu sein“, sagt Storl. Und: „Ich habe mich zuletzt häufig von Dingen beeindrucken und ablenken lassen, denen ich leider zu viel Bedeutung geschenkt habe.“ Die Entscheidung im Ring fällt am Sonntag (21.35 Uhr/ZDF). Der 24 Jahre alte Crouser ist mit 22,65 Metern Saisonbester und mit sechs weiteren Stößen über 22 Meter der große Gold-Favorit. Geht Storl, der 2015 in Peking die Silbermedaille holte, diesmal sogar leer aus?

Das starke deutsche Ergebnis mit acht Medaillen bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in China ist ohnehin kaum zu wiederholen. Drei Medaillen für die Leichtathleten waren es vergangenen Sommer bei den Olympischen Spielen in Rio: darunter aber immerhin die beiden goldenen durch Christoph Harting (Diskus) und Thomas Röhler (Speer). Während Harting an der WM-Norm gescheitert ist, zählt Röhler (Jena) als Zweiter der Weltjahresbestenliste neben dem neuen deutschen Rekordhalter Johannes Vetter (Offenburg) und Anderas Hofmann (Mannheim) zu den Top-Favoriten.

Der 24 Jahre alte Vetter, dem in Luzern mit 94,44 Metern die zweitbeste je erzielte Weite gelang, steht für den aktuellen Umbruch. Auch die beiden 20 Jahre alten Läuferinnen Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen/1500 Meter) und Alina Reh (Ulm/5000 Meter) repräsentieren buchstäblich das junge Gesicht der deutschen Leichtathletik. Klosterhalfen kommt als U-23-Europameisterin nach London, Reh als Silbermedaillengewinnerin.

Dreispringer Max Heß ist ebenfalls erst 21 und für viele schon ein potenzieller Medaillenanwärter. Auch die Frankfurter Siebenkämpferinnen Carolin Schäfer und Claudia Salman-Rath, die am ersten WM-Wochenende im Einatz sind, sowie die deutschen Zehnkämpfer mit dem Weltjahresbesten Rico Freimuth (Halle/8663 Punkte) an der Spitze, könnten zuschlagen. Chancen sind da, jetzt gilt es, den besten Tag des Jahres zu erwischen.

Ex-Siebenkämpferin Jennifer Oeser, 33, sagt: „Ich freu mich sehr, in London der Gerechtigkeit ein Stück näher zu kommen.“ Wegen nachträglicher Dopingsperre der russischen Weltmeisterin von 2011, Tatjana Tschernowa, rutschte die Leverkusenerin von Platz drei auf zwei und erhält morgen ihre Silbermedaille. Die die Britin Jessica Ennis wird zur Weltmeisterin gekürt. Nach Angaben des Weltverbandes IAAF werden im Rahmen der WM (4. bis 13. August) insgesamt elf Einzelsportler und fünf Staffeln geehrt, die aufgrund späterer Disqualifikationen anderer Athleten in der Ergebnisliste aufgerückt sind.

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