Gold in Sprint und Speerwurf

Barcelona.  Am dritten EM-Tag ist der Bann gebrochen: Auf einen Schlag gab's die ersten drei deutschen EM-Medaillen. Linda Stahl holte Speerwurf-Gold, Christina Obergföll Silber. Verena Sailer gewann die 100 Meter.

Zur besten Champions-League-Zeit gestern Abend kurz hintereinander die ersten deutschen Medaillen bei der EM in Barcelona. Sogar gleich drei - und zwei davon haben Leichtathletinnen aus Baden-Württemberg beigesteuert. Die Offenburger Speerwerferin Christina Obergföll wurde mit 65,85 Metern Zweite beim überraschenden Triumph der Leverkusenerin Linda Stahl, die mit persönlicher Bestleistung (66,81) Gold holte. Hinter dem Duo: die am Wurfarm lädierte tschechische Favoritin Barbora Spotakova (65,36). Katharina Molitor (Leverkusen/63,81) wurde Vierte.

Den ganz großen Triumph auf der 100-Meter-Strecke feierte die aus Illertissen stammende Verena Sailer (MTG Mannheim) im 100-Meter-Sprint. Sie war nicht nur im Vorlauf (11,27 Sekunden trotz Gegenwind) und im Halbfinale (11,06 mit zu viel Rückenwind) die Schnellste, auch im Finale gestern Abend rauschte sie in 11,10 durchs Ziel - vor den beiden Französinnen Veronique Mang (11,11) und Myriam Soumaré (11,18).

"Einfach Wahnsinn. Ich kann es gar nicht glauben", sagte die 24-Jährige noch heftig schnaufend. "Die Zeit ist toll, war mir aber eigentlich egal, ich wollte nur gewinnen und habe mir schon nach dem Halbfinale gesagt: Du lässt dir die Butter nicht mehr vom Brot nehmen."

Es ist auf dieser Distanz erst die zweite deutsche Sprint-Medaille seit der Vereinigung nach Melanie Paschkes Bronze 1994 in Helsinki. Verena Sailers Bestleistung aus dem Vorjahr stand bei 11,18. Auch die hat sie furios weggewischt. Die 24-Jährige hatte - nach ihrem Wechsel vom LAZ Fürth/München - ihre bisher einzige Einzelmedaille als Dritte bei der Hallen-EM 2009 gewonnen und ebenfalls Bronze bei der WM vergangenes Jahr in Berlin mit der 4x100-m-Staffel.

Der zweite Coup gelang der ebenfalls erst 24-jährigen Linda Stahl, die ihre eigene Bestweite gleich um 75 Zentimeter steigerte. Und Christina Obergföll hat mit ihrem Silber-Wurf ein Tief überwunden. Erst bei der Deutschen Meisterschaft in Ulm gegen Steffi Nerius zu verlieren, sie dann in Berlin mit 37 Jahren Weltmeisterin werden zu sehen und sich selbst mit Platz fünf begnügen zu müssen, das war gelinde gesagt ein Schock gewesen für die deutsche Rekordhalterin (70,20).

Ganz offen sagt die 28-Jährige, dass es ihr ohne die Unterstützung von Freund Boris Henry und den Eltern schwer gefallen wäre, überhaupt wieder in einen geregelten Trainingsrhythmus zu finden. "Ich habe lange gebraucht, um die Enttäuschung von Berlin zu verarbeiten, und auch daran gedacht, alles hinzuschmeißen." Der Misserfolg passte einfach nicht zu ihrem Selbstbild. Sie ist ein absoluter Wettkampftyp - stark, wenn Stärke verlangt wird. Sie gewann WM-Silber 2005 in Helsinki, damals mit Europarekord (70,03), und noch einmal in Osaka 2007, bewahrte den DLV mit Bronze bei Olympia in Peking 2008 vor der totalen Medaillen-Pleite. Anders gesagt: Auf Christina Obergföll war immer Verlass. Gestern nun wieder.

Für die deutschen Speerwerferinnen war es im Jahr eins nach Steffi Nerius (Leverkusen) übrigens der erste EM-Doppelsieg seit 36 Jahren.



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