Amerell prangert Schiedsrichter-Nominierung an

Frankfurt/Main.  Der ehemalige deutsche Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell lässt mit seiner scharfen Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht locker.

«Es ist wohl ein einmaliger Vorgang beim DFB, dass ein Schiedsrichter vor der Nominierung durch das Präsidium zu einem Spiel der 3. Liga angesetzt wird», schrieb Amerell in einer E-mail an die Presse und das DFB-Präsidium.

Amerell bezieht sich dabei auf die Benennung des nach anhängigen Rechtsverfahren in die 3. Liga «abgestiegenen» Bundesliga-Referees Michael Kempter. Der 27-Jährige ist für die Spitzenpartie am 31. Juli zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach nominiert. Dies ist auch bereits veröffentlicht worden, betonte Amerell.

Wie DFB-Pressesprecher Ralf Köttker klarstellte, obliegt die Nominierungsverantwortung dem neuen Leiter der DFB- Schiedsrichter-Kommission, Herbert Fandel. «Das fällt in seinen Hoheitsbereich. Sonst müssen wir ja für jede Nominierung einen Präsidiumssitzung anberaumen.»

«Herr Kempter weiß seit 14 Tagen, dass er das Spiel pfeifen wird, obwohl das Präsidium erst an diesem Freitag, dem Spieltag, die Ansetzung absegnet», behauptet Amerrell auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. «Und dass die Mitglieder dieses Gremiums nicht für ernst genommen werden, zeigt die Ansetzung, die bereits am 12. Juli vorgenommen worden ist. Die Veröffentlichung erfolgte turnusgemäß am heutigen Nachmittag», schrieb Amerell weiter.

«Diese Methode des Herrn Fandel zeigt, dass er die Mitglieder dieses Gremiums nicht für ernst nimmt, ihnen und der zu treffenden Entscheidung keinesfalls den dafür notwendigen Respekt entgegenbringt. Man kann daraus entnehmen, dass man den Mitgliedern des Präsidiums des DFB in diesem Fall nur eine 'Kopfnickermentalität' zubilligt», behauptet Amerell.

Diese Nominierung sei laut Amerell «eine Frechheit». Umso mehr, nachdem gegen Herrn Kempter Verfahren, beziehungsweise «Vorgänge noch zur Erledigung» anstehen würden: Schadenersatzprozess vor dem Landgericht Hechingen; Anzeige wegen Falschaussage beim DFB anlässlich seiner Zeugenvernehmung am 10. Februar 2010 sowie drittens «Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft München, die Einstellungsverfügung zu den Aussagen von Kempter, anlässlich seiner Vernehmungen bei der Staatsanwaltschaft Augsburg, aufzuheben.

«Vor diesem Hintergrund wurden dem DFB-Präsidium bereits am 23.7.2010 verschiedene Unterlagen zugestellt, gleichzeitig dazu erklärt, dass es aus meiner Sicht unabdingbar ist, von einer Nominierung Kempters für eine Spielklasse des DFB bis zum Abschluss der anhängigen Rechtsstreitigkeiten abzusehen», ergänzte Amerell.

Amerell hatte den DFB und Kempter mit Klagen überzogen, nachdem Kempter zu Jahresbeginn Amerell vorgeworfen hatte, ihn sexuell belästigt zu haben. Der frühere Schiedsrichter-Beobachter Amerell bestreitet dies und war am 12. Februar von all seinen DFB-Ämtern zurückgetreten.


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