„Staatenlose“ Russen als Mogelpackung zur Leichtathletik-WM

|

Keine Hymne, keine Flagge – kein Problem: Kurz vor den Weltmeisterschaften ist die Sperre gegen Russlands Leichtathletik-Verband bestätigt worden. Die Titelkämpfe in London werden wohl dennoch zum großen Comeback der Doping-Nation – auch wenn dies (noch) undercover über die Bühne geht. „Wir haben Fortschritte erkannt“, sagt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbandes IAAF, vor dem Start am Freitag über die Causa Russland: „In London sind 19 Russen am Start, die unter neutraler Flagge teilnehmen, weil sie die Anforderungen im Antidopingprogramm erfüllt haben.“

Im Herbst 2015 war der russische Verband Rusaf wegen flächendeckenden Betruges suspendiert worden. Bei Olympia 2012 waren unter 53 russischen Finalisten 29 Dopingsünder – Nachtests sowie der McLaren-Report enthüllten das Ausmaß des staatlich gelenkten System.

Zwar habe in Russland inzwischen ein Umdenken stattgefunden, trotzdem sagt Taskforce-Chef Rune Andersen: „Es gibt noch Probleme, die zu lösen sind.“ Unter anderem erkennt Russlands (Sport-)Politik den entlarvenden Bericht des Wada-Sonderermittlers Richard McLaren nicht an.

Die russischen Athleten dürften derweil in London keineswegs leer ausgehen: Hochspringerin Marija Lasizkene, in Peking unter ihrem Mädchennamen Kutschina Weltmeisterin, wird kaum zu schlagen sein. In Hürdensprinter Sergej Schubenkow ist ein weiterer Peking-Sieger dabei, in Weitspringer Alexander Menkow gar ein Weltmeister von Moskau 2013, als die Russen bei ihren Heimspielen maßlos betrogen.

Digel meldet sich zu Wort

Derweil hat sich Helmut Digel zu Wort gemeldet, um den es ruhig geworden war, seitdem der Betrugsskandal im Leichtathletik-Weltverband um den früheren IAAF-Präsidenten Lamine Diack auch einen Schatten auf ihn warf. Zwei Jahre nach dem Ausscheiden aus der IAAF-Führung empfindet der 73-jährige Sportwissenschaftler aus Tübingen die Vorwürfe „nach wie vor als äußerst verletzend und beleidigend“. Der Senegalese Diack soll unter anderem positive Dopingproben gegen Geld vernichtet haben. Digel habe davon nichts mitbekommen und könne versichern, dass bei keiner Councilsitzung, bei der er anwesend gewesen sei, solche Dinge ein Thema waren. 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Die Entsorgungsbetriebe Ulm wollen sechs weitere Häckselplätze schließen

Die Entsorgungsbetriebe Ulm (EBU) wollen sechs weitere Häckselplätze schließen. Der Betriebsausschuss sieht bisher nur bei der „St.-Barbara-Straße“ am Kuhberg eine Notwendigkeit. weiter lesen